Wie junge Unternehmer ältere Mitarbeiter führen können

Als junge Chefin oder junger Chef ältere Mitarbeiter zu führen, ist eine große Herausforderung, denn ältere Mitarbeiter fühlen sich oft unwohl in der Situation. Darunter leidet schnell das ganze Unternehmen.

Zu diesem ernüchternden Ergebnis kam Professor Dr. Jochen Menges von der Universität Zürich in einer Studie, die er mit Professor Dr. Florian Kunze von der Universität Konstanz durchführte. Weil digitale Kompetenzen eine immer größere Rolle im Berufsleben spielen – auch für die Beförderung – werden jüngere Mitarbeiter häufiger befördert und haben dann wesentlich ältere Mitarbeiter. Wie die Studie zeigt, ist das keine leichte Situation. Für beide Seiten.

Anfang 20 trifft auf Ende 50

Sarna Röser kann das bestätigen. Die heute 31-Jährige fing mit Anfang 20 an, die ersten Führungsaufgaben in der Familien-Stiftung ihrer Eltern zu übernehmen. „Ich kam frisch aus dem Studium und alle um mich herum waren mindestens Ende 50. Die hatten alle echt schon viel erreicht und gemacht.“

Dadurch gab es auch manchmal Konflikte. Als zum Beispiel neue Workshop-Formate entwickelt werden sollten und Röser unterschiedliche digitale Lösungen einbinden wollte, kam es zu Diskussionen. Ältere Mitarbeiter sagten ihr irgendwann: „Da sitzen nicht nur junge Leute drin. Sie können nicht einfach davon ausgehen, dass die Teilnehmer alles so selbstverständlich verstehen wie Sie.“

Die Unternehmerin Sarna Röser © Anne Großmann Fotografie

Aber nicht nur verschiedene Ansichten über Arbeitsformen können zu Konflikten führen. Menges nennt weitere Gründe: „Zum einen sind die Älteren nunmal gewohnt, von Älteren geführt zu werden. Dieses Prinzip wird einfach verletzt.“ Ein zweiter Grund sei, dass ein jüngerer Vorgesetzter auch vor Augen führt, dass man nicht so mithalten konnte, dass man diese Position nun selbst einnimmt. „Das kann eine sehr schmerzvolle Einsicht sein.“

Wo sind die alten Startup-Hasen?

Anders sind die Erfahrungen bei Max Wittrock, dem Mitgründer von Mymuesli. Der 36-Jährige kann sich an keine Missverständnisse mit älteren Mitarbeitern erinnern. Doch seine Situation ist auch eine ganz andere: Es gibt schlichtweg weniger ältere Mitarbeiter in dem Unternehmen. „Aber nicht etwa, weil wir das nicht wollen würden“, sagt er, „Wir sind ja erst knapp über zehn Jahre alt, das heißt mit uns und dem Unternehmen sind eben noch nicht viele alt geworden.“ Als Startup ziehe Mymuesli wohl auch eher jüngere Bewerber an.

Das ist vermutlich ein allgemeines Phänomen bei Startups. Zu Interviews waren bei diesem Artikel außergewöhnlich wenige junge Unternehmen bereit. Viele sagten mit der Begründung ab, dass sie schlichtweg keine großen Altersunterschiede im Unternehmen haben. Vielleicht wollten sie aber auch keine Öffentlichkeit für Probleme in ihrem Unternehmen und die entstehen bei Altersunterschieden nunmal häufiger.


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