Sabbatical für Superreiche: Nick Newbury organisiert exklusive Auszeiten

Sabbatical kann jeder. Nick Newbury denkt weiter und organisiert mit seinem Reisebüro Original Travel exklusive Auszeiten für One-Percenter.

Von Yannick Ramsel

Würde man einen Film über das Leben des Nick Newbury drehen und wäre auf der Suche nach der Rückblende, die alles Nachfolgende erklärt, könnte man zu einer Szene greifen, in der Newburys Vater dem damals 17-Jährigen eine Frage stellt: „Nick, würdest du einem alten Mann einen Traum erfüllen?“ „Klar, was denn?“ „Es war immer mein Traum, das Himalaja-Gebirge zu sehen. Wenn du sie planst, zahle ich uns beiden die Reise.“ Nick plant. Wenige Wochen später reisen die beiden los, schlafen in Zelten und Klöstern und wandern insgesamt einen ganzen Monat durch das Gebirge.

Jetzt, Jahre später, sitzt Newbury in seinem Büro in London. Per Skype erzählt er von jenem Moment, damals, als sein Vater ihm die Frage stellte. Das sei ein inspirierender Augenblick gewesen. Newbury sagt auch, dass ihm noch vor einer Stunde ein holländisches Ehepaar gegenübersaß. Sie wollten ein Sabbatical machen. Ein halbes Jahr, die Kinder kommen mit. Ob Newbury das organisieren könne? Kann er. Das macht er mittlerweile beruflich.

Newbury plant nicht irgendwelche Reisen, sondern Luxusreisen: Sein Unternehmen Original Travel organisiert „Sabbaticals for the 1 %“, wie es der „Guardian“ einmal in einem Artikel erklärte. 120 Länder hat Original Travel im Angebot. Seit Kurzem gehört die Firma zum französischen Reisekonzern Voyageurs du Monde. Die haben es verstanden: Das Sabbatical-Geschäft boomt. „Jedes Hotel nennt sich luxuriös“, sagt Newbury. Luxus sei deshalb kein schönes Wort. „Unsere Kunden sollen Dinge tun, die bisher kaum jemand getan hat.“ Newbury schickt seine Klienten in die Kalahari-Wüste, damit sie dort mit dem San-Volk zusammenleben. Er organisiert für sie Heliskiing an den Hängen norwegischer Fjorde oder lässt sie vor der Küste Südafrikas mit Haien schwimmen. Oft über mehrere Monate.

Eine Etappe von vielen, die weltweit buchbar sind: mit Schlittenhunden durch Lappland (Credits: Original Travel).

Dass es eine Nachfrage nach ausgefallenen, kostspieligen Reisen gab, bemerkte Newbury, als er noch als Investmentbanker arbeitete. Er investierte Ende der 90er-Jahre für die Dresdner Bank im Mobilfunksektor in Schwellenregionen: Südafrika, Russland, Südamerika. Für Urlaub blieb kaum Zeit. „Wenn man länger als eine Woche nicht an seinem Schreibtisch saß, konnte es sein, dass der Schreibtisch weg war“, sagt Newbury.

Aus der Not plante er opportunistisch. Geschäftsreise nach Südafrika? Dann organisierte sich Newbury einen Kurztrip im Anschluss, drei Tage Simbabwe, drei Tage Namibia. Business-Trip in Schweden? Dann machte Newbury einen Abstecher nach Lappland und ließ sich auf einem Schlitten von Hunden durch den Schnee ziehen. „Es ist erstaunlich, was man in drei Tagen alles machen kann“, sagt Newbury.

Wenn er ins Büro zurückkam, sagten die Kollegen: Hört sich cool an, wie hast du das gemacht? Könntest du für uns auch etwas organisieren? Newbury, der Spaß an der Planung hatte, sagte zu. „Irgendwann arbeitete ich Vollzeit in meinem Job und organisierte nach Feierabend die Reisen anderer Leute“, sagt er. „Ich dachte: Moment mal. Das ist eine Marktlücke!“

Ausgezeichneter Start

Zusammen mit zwei Freunden, einem Journalisten und einem Armeeveteranen, begann er zu planen. 2002 gab er deshalb seinen Bankingjob auf. Über Wasser hielten sie sich mit Newburys Ersparnissen und einem kleinen Kredit. Jeden Morgen saßen die drei Männer in einem Abstellzimmer von Newburys Wohnung und planten Luxusreisen. Eines Tages stellte der ein Handbuch mit einer Satzung und mit Richtlinien zusammen. Für ihn, der vorher mit riesigen Summen hantiert hatte und Businesspläne kannte, ganz normal. „Die anderen schauten mich an, als sei ich verrückt“, sagt Newbury. „Wir sind doch drei Freunde!“ Newbury wusste jedoch, wie wichtig es ist, ein gutes Fundament zu haben. „So ist es viel einfacher, zu skalieren.“

Original-Travel-Gründer Nick Newbury und sein Team haben jedes Land bereist, das seine Reiseagentur den Kunden anbietet (Credits: Original Travel).

2003 zogen sie zum ersten Mal in ein richtiges Büro und gründeten das Unternehmen: The Big Short Break, wie es zunächst hieß. Die Firma wuchs, erst recht nachdem Original Travel beim Reise-Award des „Guardian“ nur ein Jahr nach der Gründung auf dem zweiten Platz landete, hinter Virgin Holidays und vor Opodo. „Unser Marketingbudget lag damals bei 12 000 Pfund im Jahr“, sagt Newbury heute. „Das von Virgin lag wahrscheinlich bei 40 Mio. Pfund.“ Original Travel wuchs weiter, 2006 gab es schon 14 Mitarbeiter. Auch durch die Finanzkrise von 2008 schafften es Newbury und sein Team unbeschadet. Die Trips, die das Unternehmen organisierte, dauerten zunächst nie länger als zwei Monate.


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