Phasen einer Trennung: ein Lebewohl an „Game of Thrones“

Spoiler Alert. Wer es noch nicht auf den aktuellen Stand der Serie geschafft hat, sollte an dieser Stelle besser das Lesen abbrechen. An alle andern: Willkommen zu meiner Phase der Trennung. 

The night is dark and full of terrors – so scheint auch die Zukunft für unsere Gesellschaft auszusehen. Am Sonntagabend wird auf HBO die letzte Folge der wohl bekanntesten Serie dieser Welt ausgestrahlt und für mich fühlt es sich an, als müsste ich mich auf eine große Trennung vorbereiten.

Nachdem Game of Thrones mit der fünften Episode zum einen bewiesen hat, dass dumb&dumber ihre Finger grandios im Spiel hatten, um das Lebenswerk von George R.R. Martin dem Erdboden gleichzumachen, bleibe ich zum anderen über die Handlung schockiert zurück. Als arbeitendes Mitglied unserer Society beschränke ich mich darauf, die Folge von drei Uhr morgens auf Montagabed zu verschieben und lebe in zehn Stunden panischer Angst vor Spoilern. Instagram wurde da nicht zum ersten Mal ins hinterste Eck meines Handys verdonnert – von Reddit ganz zu schweigen. Vielen Dank an dieser Stelle an Sophie Turner, die kurz nach der US-Ausstrahlung, ein Foto von Theon (You’re a good man) posten musste.

Episode fünf, ja, wo soll man anfangen. Ein paar zu erwartende Tode, eine Daenerys out of character und ein Tyrion, der vermutlich einen der beiden D’s symbolisieren sollte. Zumindest, wenn man seinen urplötzlichen Intelligenzabfall betrachtet. Ich will David Benioff und D.B. Weiss nicht zu sehr kritisieren. Eine Story wie die von George R.R. Martin ist nicht so leicht fortzuführen, besonders wenn man keine Buchgrundlage hat. Allerdings hätten sich viele Fehler allein durch logisches Denken vermeiden lassen können. Da die zwei aber auf genug anderen Plattformen bereits durch den Dreck gezogen werden, lobe ich lieber die einzigartige Arbeit der Crew, ohne die die Serie gar nicht existieren hätte können. Das Set – ein Rebuild von Dubrovnik – (gute Entscheidung, Kroatien nicht abbrennen zu lassen, David), die Animation und die meisterhafte Arbeit der Schauspieler – alles ganz großes Kino.

Das führt auch schon zu meinem Trennungsgedanken. Ich muss zugeben, die letzten fünf Folgen haben mich an die Grenzen meiner emotionalen Belastbarkeit geführt. Ich bin nämlich in sowas eine richtige Heulsuse. Schnappatmung inklusive. Ich heule, auch wenn ich genau weiß, was im nächsten Moment passiert. Und vielleicht waren sogar ein paar kleine Tränchen für Cersei und Jaime dabei (Grüße an die Bricks gehen raus).

Game of Thrones begleitet uns nun schon seit zehn Jahren. Begonnen haben die Dreharbeiten im Jahr 2009 und um ehrlich zu sein, zu Beginn habe ich mich von der Serie wirklich distanziert. Nein, dem Mainstream werde ich nicht folgen – oder vielleicht doch? Jetzt jedenfalls bin ich so besessen davon, dass ich so gut wie jede Theorie auswendig kenne.

Ein immenser Zeitaufwand, wie man sich vorstellen kann. Doch ab nächsten Montag ist Schluss. Denn dann heißt es: Lebt wohl, ihr Theorien. Lebt wohl, neue Memes. Lebt wohl, offene Handlungsstränge. Am Montag werden wir alle (zumindest die, die die Leaks noch nicht gelesen haben) erfahren, wie das Spiel um den Thron endet. Und dann beginnt eine Zeit der Leere, der Stille. Das Trauern, um nonexistente Figuren, die doch so anders handeln hätten können.

Ist das verrückt? Ein kleines bisschen vielleicht. Serien haben in der Welt einen neuen Stellplatz eingenommen. Sie begleiten uns – teilweise jahrelang. Und irgendwann fängt man an, eine Beziehung mit ihnen zu führen. Man freut sich auf sie, man leidet mit ihnen. Nicht nur ein Targaryen alone in the world is a terrible thing, sondern auch Zuschauer, die sich von ihrer Lieblingsserie verabschieden müssen. Manch einer könnte jetzt sagen: Das ist nur eine Serie. Das ist nicht echt – true dat. Trotzdem schmerzt es, Dinge gehen zu lassen, die für lange Zeit zum Alltag gehört haben.

Auch wenn die achte Staffel bisher viel Fan Service, unschöne Taktikfehler und die Rückentwicklung mancher Charaktere mit sich gebracht hat, darf man nicht vergessen, wie viel Arbeit, Zeit und Geld dahintersteckt. George R.R. Martin hat ein Universum geschaffen und D&D haben es verbildlicht. Und vielleicht – mit ganz viel Glück – wird irgendwann auch das wahre Ende der sieben Königreiche veröffentlicht. Wenn der Schöpfer etwas mehr Zeit in seinem Word-Dokument verbringt.

Bis dahin – und mit mittelgroßer Erwartung an die alles entscheidende und letzte Folge: What do we say to the God of death?

Thank you, Sandor Clegane.

Kati Dirscherl

Kati studiert einen Mix aus Wirtschaft und Kommunikation und wusste eigentlich schon immer, dass es sie in die Journalismusrichtung treibt. Wenn sie sich nicht gerade im Schreibflow befindet oder als Meme-Meister fungiert, verbringt sie ihre Freizeit gern mit langen Spaziergängen, philosophischen Themen und absurden Dokumentationen über alle möglichen Kuriositäten dieser Welt.

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