Zu Besuch im Haifischbecken des Himalajas: der Startup-Stadt Kathmandu

Nachwehen des Bürgerkriegs, einengende Traditionen, niedriger Lebensstandard: Kathmandu ist bestimmt nicht die erste Stadt, die einem beim Thema Gründen einfällt. Dabei entsteht in der Hauptstadt des armen Nepal gerade eine Szene, die es mit der dauernden Rede vom „den Unterschied machen“ wirklich ernst meint. Text: Gerhard Mészáros

Eine Frau zündet eine Butterlampe an und hält sie andächtig vor ihre Brust, schwenkt sie langsam im Kreis, während ihr Mann Räucherstäbchen in eine Schale steckt. Dann betreten sie den winzigen Balkumari-Tempel, legen Blumen, Bananen und Geldscheine vor das Gottesbild und murmeln heilige Verse in Sanskrit. In Kathmandu, der Hauptstadt Nepals, liegen Tradition und Frömmigkeit wortwörtlich in der Luft.

Doch man muss lediglich einige Hundert Meter eine unbefestigte, staubige Straße entlangspazieren, an einem Schrein des Elefantengottes Ganesha und einem Fast-Food-Lokal namens Kathmandu Momos vorbei, um eine vollkommen andere Welt zu betreten: ein Nepal, in dem Startups und Entrepreneure die über Jahrhunderte gewachsene Kultur der Kasten infrage stellen.

Im dritten Stock der Wirtschaftsfakultät der Universität Kathmandu findet sich hinter einer Glastür das Idea Studio, einer der ersten Inkubatoren des Landes im Himalaja: ein geräumiges Großraumbüro mit kleinen Schreib- und großen Besprechungstischen und Sitzecken für Brainstormings. „Noch vor fünf Jahren gab es in Nepal so gut wie keine Startups und erst recht kein Ökosystem“, sagt Rupesh Shrestha, Wirtschaftsprofessor, Leiter des Inkubators und Spross einer alteingesessenen Händlerdynastie. „Wir wollen mit Idea Studio auch einen kulturellen Wandel anstoßen.“ Von Beginn an kooperierte sein Inkubator daher mit dem größten Fernsehsender Nepals – eine Show nach dem Vorbild des amerikanischen „Shark Tank“ bringt seitdem die Start­up­-Idee auch in abgelegene Dörfer in den Bergregionen. „Heute gibt es bereits viel mehr Entrepreneure, Leute, die es einfach mal versuchen“, so Shrestha. „Doch die Kultur ändert sich nur langsam, und zunächst nur in den Städten.“ Trotzdem ist er optimistisch: „Früher galt: Wer unternehmerisch tätig werden will, muss aus einer Familie kommen, die bereits ein Unternehmen betreibt.“ Heute sei das anders.

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