Vibratoren und Tweet-Plakate – Wie Firmen zum Valentinstag durchdrehen

Für Unternehmen sind gesellschaftliche Kommerz-Feiertage wie der Valentinstag die perfekte Gelegenheit, um mit Marketing-Aktionen oder Quatsch-Kampagnen auf sich aufmerksam zu machen.

Entweder Marken schlagen sich auf die dunkle Seite der Macht und fahren die komplette Anti-Schiene gepaart mit Sarkasmus oder sie zelebrieren den Tag nach dem Motto: „All you need is love“. Das nicht nur im emotionalen Sinne, denn die alte Leier „Sex sells“ hat immer noch Hochkonjunktur in der Werbebranche, wahrscheinlich, weil es fast immer funktioniert.

Vibrator von Stromanbieter

Und so kommt es, dass der Stromanbieter E wie einfach zum Valentinstag einen gratis Vibrator auf den Vertrag obendrauf packt, wenn man zu dem Unternehmen wechselt. Dahinter steckt eine Kooperation mit der Sexspielzeug-Webseite Eis.de. Was beide als gemeinsamen Nenner verbindet? Na, Strom. Die einen haben ihn, die anderen brauchen ihn. Deswegen gibt es auch noch eine extra Strom-Flatrate für den Vibrator. Die Aktion gilt nur am heutigen Valentinstag.

The Power of Love

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Gepostet von E wie einfach am Donnerstag, 13. Februar 2020

Dass Pornhub mit Sex wirbt, gehört zum Daily Business des Unternehmens und ist daher nur logisch. Die Porno-Plattform bietet an Valentinstag freien Zugang zu allen Premium-Inhalten, wie jedes Jahr. Für manche wohl der Peak-Day schlechthin. Außerdem kann man personalisierte Grüße von Pornostars verschicken. Mal wieder ein gelungener Coup. Pornhub ist im Marketing-Game eben längst ein Veteran, schafft es das Unternehmen doch regelmäßig, durch Aktionen für Aufmerksamkeit zu sorgen. Beispielsweise der Umweltporno oder die Ugly Christmas Sweater.

Die Kampagnen zielen sowohl auf Singles ab, die sich eine Runde Solo-Spaß gönnen, als auch auf Paare. Pornos und Vibratoren sind ja schließlich nicht nur für den Alleingebrauch. Und wenn man schon mal drinsteckt, kann man ja gleich bleiben … Also im Vertrag.

Kein Wunder auch, dass sich der Valentinstag perfekt eignet, um neue und alte Kund*innen an sich zu binden, indem man sich als wahre Lovebrand präsentiert.

Werbung fernab vom typischen Liebesgedöns

Kommen wir zur Anti-Schiene. Ein beliebter Marketing-Move ist das Feiern des Single-Daseins, was genauso seine Berechtigung hat, by the way. Ebenso: ausreichend Selbstliebe zu feiern.

Twitter macht dafür einen Ausflug in die analoge Welt. In U-Bahn-Stationen in New York, San Francisco, Seattle und London hängen Tweets, in denen es unter anderem um die Themen schreckliche Datingerfahrungen, Dealbreaker und Heirat geht. Natürlich in witzig und mit Situationen, die jeder aus dem Alltag kennt.

Oder man macht es wie Penny dieses Jahr und holt Leute ab, die eigentlich in anderen Supermärkten einkaufen und basht etwas gegen die Konkurrenz. Mit einem „Untreue-Rabatt“ im Wert von fünf Euro belohnt die Discounter-Kette das Fremdeinkaufen. Und auch sonst wird mit Beziehungsstreit-Klischees gegen Netto, Aldi und Lidl geschossen. Was sich neckt, das liebt sich halt.

©Screenshot Facebook/@Penny

Die unterschiedlichen Marketing-Kampagnen und Aktionen sind so facettenreich wie die Liebe mit all ihren Höhen, Tiefen und Beziehungsgeflechten selbst. Natürlich gibt es noch weitaus mehr Unternehmen, die den Valentinstag nutzen, um ordentlich die Werbetrommel zu rühren. Denn für das Storytelling scheint nichts einfacher als das Thema Liebe, Beziehung, Dating und – na logo: Sex.

Glücklicherweise bleibt es jedem selbst überlassen, ob man die Angebote wahrnimmt und seinem Kontostand etwas Liebe gebührt oder man das alles als Kommerzkacke ansieht und von all den Rabatten und Gratisgeschenken nichts wissen möchte. Aber egal, ob Grumpy-Valentine oder nicht: Genial sind die Aktionen aus Marketingperspektive allemal.


Nicole Plich

Nicole studiert den Klassiker „Irgendwas mit Medien” und hat noch den idealistischen Anspruch mit Wörtern die Welt zu bewegen. Wenn sie im Internet mal nicht nach lustigen Donald Trump-Memes sucht oder Fantheorien zu Game of Thrones liest, interessiert sie sich für Popkultur, Wirtschaft und was im Bundestag so vor sich geht.

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