Staff-Picks: Doku „Becoming“ auf Netflix über Michelle Obama will jungen Frauen Mut machen

Als Michelle Obama 2018 ihre Autobiografie „Becoming“ vorstellte, wurden zahlreiche Medien mit Porträts der ehemaligen First Lady überflutet. Die Lesereihe ihres Buches glich fast schon der Tournee eines Popstars: ausverkaufte Hallen, kreischende Fans und lauter Journalist*innen und Fotograf*innen. Stundenlang standen Menschen vor ihrem Signiertisch an, um einen kurzen Moment mit ihrem Idol zu erwischen. Jetzt gibt’s den Welterfolg von Michelle Obama als Doku auf Netflix zu sehen – etwas anders als die Buchvorlage, aber ebenso packend.

Michelle Obama ist 56 Jahre alt, Harvard-Anwältin und zählt seit Jahren zu den beliebtesten Frauen der Welt. Als First Lady war sie nicht nur acht Jahre lang eine starke Stütze für ihren Mann und Mr. President – sie war ein Popstar. Und das ist sie heute immer noch. Deshalb inszeniert Regisseurin Nadia Hallgren mit „Becoming“ auch nicht nur einfach irgendeinen Film, sondern stellt Michelle Obama, wie sie leibt und lebt, dar. Egal, ob sie von sich selbst spricht oder andere Frauen ermutigen will: Michelle Obama steht zu jedem Zeitpunkt im Mittelpunkt des Geschehens. Etwas eigenartig? In diesem Fall nicht. Mit ihrer besonderen Geschichte hat sie es mehr als verdient, im Rampenlicht zu verweilen.

Michelle Obama schenkt Zuversicht

Denn Michelle Obama ist nicht nur ehemalige Präsidentengattin, sie ist auch Nachfahrin von Sklav*innen. Heute will sie ihre Geschichte teilen und mit ihr anderen Menschen, an erster Stelle jungen, afroamerikanischen Frauen, Mut machen. Auf ihren Lesungen, bei Treffen in der Kirchengemeinde und bei Workshops am College. Sie hat ein offenes Ohr für die Menschen, die sich vor allem unter Trumps Präsidentschaft alleingelassen fühlen.

Um all das geht es in der Doku. Sie zeigt ausgewählte Szenen der Tour, Gesprächsrunden auf großen Bühnen sowie kleine Momente mit ihrer Familie hinter den Kulissen. Sie konzentriert sich vielmehr auf jene Michelle Obama, die nach acht intensiven Jahren als First Lady, andere politische Arbeit leisten will. Näher an den Menschen, näher an ihrer Herkunftsgeschichte.  

When they go low, we go high

Auch wenn der Name Trump in der Doku kaum fällt, sind der Schmerz und die Verzweiflung über die aktuelle, gesellschaftliche Spaltung in den USA zu erkennen. Auch bei Michelle Obama, die die Zähne zusammenbeißt, als sie von einer Moderatorin auf ihr ursprüngliches Mantra „When they go low, we go high“ angesprochen wird. Ein Motto, das die Powerfrau vertrat, wenn die konservative Presse sie mal wieder niedermachte. In den heutigen Trumpzeiten eher ein Motto aus einem gefühlt anderen Zeitalter.

Nichtsdestotrotz: Das Strahlen in den Augen von Michelle Obama schenkt den Zuschauer*innen Zuversicht und Freude. Was die Doku aber vor allem auslöst ist Sehnsucht. Sehnsucht nach einem Land, das heute so anders sein könnte. Sehnsucht nach einer politischen Spitze, die sich um die wirklich wichtigen Themen bemüht: Bildung, Frauenrechte, Chancengleichheit. All das, wofür Michelle Obama schon lange mit Herzblut kämpft.

Weitere Staff-Picks findet ihr hier.


Katharina Boecker

Katharina hat Germanistik und Anthropologie in der westfälischen Provinz Münster studiert, welche sie für den Journalismus verlassen hat. Sie lebt jetzt in Berlin und sammelt dort an allen Ecken Inspirationen fürs Schreiben - und fürs Leben im Allgemeinen. Wenn sie nicht gerade nach vergessenen 80er-Hits im Internet sucht, interessiert sie sich für Politik, Popkultur und Sport.

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