Kein zweiter „Ernährungskompass“: Wir haben mit Bas Kast über sein neues Buch gesprochen

Eigentlich war es mehr als ein Sommer. Ein Jahr schrieb Bas Kast, Autor des Bestsellers „Der Ernährungskompass“, an seinem neuen Werk „Das Buch eines Sommers: Werde, der du bist“, das heute im Diogenes Verlag erscheint. Das Buch ist Kasts erster Roman, eine Geschichte über Selbstfindung, Persönlichkeitsentwicklung und Erziehung. Ein neuer Kompass für die Seele?

Wir haben vorab mit ihm darüber gesprochen, wie es ist, nach einem internationalen Bestseller ein neues Buch zu veröffentlichen, woher seine Motivation dafür kam und welche Tipps er jungen Autor*innen mit auf den Weg geben würde.

Herr Kast, es ist noch genau eine Woche, bis Ihr Buch erscheint, sind Sie nervös?

Ja, es ist ziemlich aufregend! Vor allem, da dieses Buch etwas ganz Neues für mich ist: Es ist mein erster Roman, nachdem ich bislang nur Sachbücher veröffentlicht habe. Ich wollte schon immer einen Roman schreiben, aber es war auch eine Herausforderung. Das Schreiben war sehr anders. Ich habe keine Ahnung, wie es ankommt, wie gelungen es überhaupt ist in einem objektiven Sinne. Es ist ein Experiment.

Wieso ist das Schreiben anders?

Ich kann sagen: Die einzige Gemeinsamkeit zwischen einem Sachtext und einem Roman ist es, dass man mit Sätzen und Sprache operiert. Ich bin Journalist, daher habe ich die grundsätzliche Fähigkeit zu formulieren lange geübt. Trotzdem ist die Art zu schreiben, das, was man mit Sprache tut, komplett anders. Eine Figur zu erschaffen, für die man Empathie empfindet, kommt nicht vor in einem Sachbuch. Für mich war das komplett neu und anfangs nicht einfach.

Woher kam die Motivation für Ihren Roman?

Das Thema erwachte in mir mit der Geburt meines ersten Sohnes vor sieben Jahren. Ich begann, mir Fragen zu stellen: Welche Rolle spiele ich als Vater? Was möchte ich meinen Kindern mit auf den Weg geben? Was ist für mich gute Erziehung? Und: Worauf kommt es an in einem Leben?

Tatsächlich hatte ich erst überlegt, wieder ein Sachbuch zu schreiben, fand dann aber die Faktenlage im Bereich Erziehung zu dünn. Es gibt wenige Experimente, wo man beispielsweise 200 Kinder auf eine bestimmte Art und Weise erziehen lässt und das mit einer entsprechenden Kontrollgruppe vergleicht.

Trotzdem blieb das Thema bei mir. Von einem Sachbuch entwickelte sich das Buch dann erst von einer Art lebensphilosophischen Erzählung immer mehr hin zu einem Roman. Ich wollte diese Entwicklung hin zu sich selbst durch eine Figur zeigen, die es selbst durchlebt und die Leser*innen mit ihr. Am Ende ist es ein echter Roman geworden, eine gute Geschichte, die aber immer noch Sachaspekte beinhaltet.

Inwieweit ist der Roman autobiografisch?

Ich wollte schon immer einen Roman schreiben, seit ich 16, 17 Jahre alt bin. In der Vergangenheit habe ich das auch schon versucht, aber bisher hatte ich immer das Gefühl, nichts zu sagen zu haben, keine Geschichte. Das war kein Problem für Sachbücher, weil da konnte ich mich ja hinter Studien verstecken, da ging es nicht um mich.

„Für den Roman habe ich wirklich alles aus mir herausgeholt.“

Die Frauenfigur ist sehr von meiner Frau beeinflusst, der Junge von meinem ältesten Sohn. Ohne meinen Sohn hätte ich das Buch gar nicht schreiben können, weil ich nicht gewusst hätte, wie ein kleiner Junge redet, was ihn interessiert, wie er tickt. Die meisten der Szenen sind erfunden, aber das Gefühl, das dahinter steht, ist eigentlich immer selbst durchlebt. Sonst wäre es mir schwergefallen, sie mit Präzision zu beschreiben.

Sind Sie besonders aufgeregt, da so viel von Ihnen selbst in dem Buch steckt?

Im Laufe der Jahre gewöhnt man sich an Kritik und weiß, dass man nicht jeden glücklich macht mit seinen Texten, man entwickelt ein dickeres Fell. Ein Buch ist ein bisschen wie einen Song zu schreiben; natürlich mag ihn am Ende nicht jeder. Manche werden ihn mögen, manche nicht, was mir ein bisschen leid tut, denn es ist ja nicht in meinem Sinne, die Leute zu langweilen oder zu ärgern.

Trotzdem kann ich mir vorstellen, dass mich die Kritik bei diesem Buch mehr trifft, als bei einem Sachbuch. Vor allem auch, da es sich ja um meinen ersten Roman handelt, nachdem ich bereits einige erfolgreiche Sachbücher veröffentlicht habe. Aber es ist ok. Es ist ein Experiment und wenn das bei einigen nicht so gut ankommt, dann muss man das halt aushalten.

„Der Ernährungskompass“ hat sich mehr als eine Million Mal verkauft. Bedeutet es für Sie besonderen Druck, ein Buch nach diesem Bestseller zu veröffentlichen?

Ja und nein. Naheliegend wäre gewesen, ein weiteres Sachbuch im Gesundheitsbereich zu schreiben, wie beispielsweise den „Fitnesskompass“. Dann hätten alle im Verlag erwartet, dass es wieder der ganz große Hit wird. Jetzt mache ich etwas ganz anderes. Bei einem Roman, noch dazu bei einem anderen Verlag, erwartet im Grunde keiner, dass es erneut ein riesiger Bestseller wird.

Mein Ziel mit diesem Buch war es, einen Roman zu schreiben, der mir und dem Verlag gefällt. Meine Erwartungen sind nicht besonders hoch. Den großen Erfolg vom „Ernährungskompass“ kann man nicht einfach kopieren.

„Der Roman ist ein Versuch, sich ganz vom ‚Ernährungskompass‘ frei zu machen, da es etwas ganz Anderes ist.“

Gab es eine Erfahrung vom „Ernährungskompass“, die Sie beim Schreiben Ihres neuen Buches beeinflusst hat?

Ich glaube, dass jeder etwas in sich hat, das raus in die Welt will, das sich entfalten möchte. Beim Ernährungskompass war das bei mir so: Ich glaubte wirklich an das Thema, hatte meinen Job beim Tagesspiegel gekündigt und monatelang an dem Manuskript gearbeitet, doch mein damaliger Verlag gab mir eine Absage. Ein Buch über Ernährung passe nicht zu meinem Profil, hieß es – bis dahin hatte ich hauptsächlich Psychologiebücher geschrieben.


Das können wir Dir auch empfehlen

placeholder
placeholder