Life & Style Ist das eRockit wirklich das schnelleste Fahrrad der Welt?

Ist das eRockit wirklich das schnelleste Fahrrad der Welt?

Im alten Stahlwerk entsteht mit dem ­eRockit das Gefährt der Zukunft: ein bis zu 90 Stundenkilometer schnelles Fahrrad

Mancher würde meinen, wenn man aus Berlin raus ist, steht man schon am Arsch der Heide. Berlin hört da auf, wo die Innenstadt endet – dann kommt eben nichts mehr. Und vor allem nichts, mit dem sich Geld verdienen oder die Welt verändern lässt. Richtig?

Falsch. Ganz falsch. Denn im Nordwesten Berlins basteln sie an der Zukunft der Mobilität. In aller Stille – aber dafür mit der bei dem Thema nötigen Akribie und Professionalität. Doch eines stimmt halt irgendwie schon: Wenig erinnert in Hennigsdorf daran, dass hier am schnellsten Bike der Welt gebaut werden könnte. Einer Mischung aus elektrischem Motorrad und Fahrrad, das, so die Macher, „ein Teil in einem Verkehrskonzept der Zukunft sein könnte“.

Einiges in diesem Hennigsdorf erinnert im Gegenteil immer noch arg an die alte Welt. Auch die Halle, in der eRockit heute ist. Früher wurde hier in Stahl gemacht. Der Dreck, der damit einhergeht, ist verschwunden. Vorstellen kann man sich ihn aber trotzdem noch. Und den Lärm, der entsteht, wenn mit dem für Digitalos archaischen Werkstoff gearbeitet wird. Und die Männer, die hier im Stahlwerk Hennigsdorf in Blaumännern schufteten, bis ihnen die Knochen weh taten, die Gesichter verschmiert.

Jeder kennt diese Bilder, jeder hat sie im Kopf, der in diesen riesigen Hallen steht, die von damals noch übrig sind. Jetzt aber herrscht hier eben konzentrierte Stille und penible Ordnung. Denn hier, nahe der Havel, soll tatsächlich bald Zukunft aus den Werkstoren rollen. Diese Zukunft surrt, kommt optisch etwas ungewohnt daher, soll aber ganz bald schon überall stattfinden.

Und dann auch die überzeugen, die heute noch Benzin oder das, was beim Verbrennen eben entsteht, durch die Auspuffrohre von Motorrädern jagen. Oder Motorrollern. Oder Autos. Was eben alles noch so auf den Straßen unterwegs ist.

So leicht wie Radfahren

Deshalb erst mal zu dem, was Andy Zurwehme, Monika Haupt und Sebastian Bruch, die drei Gründer*innen von eRockit, hier überhaupt machen. Das Teil ist ein elektrisch betriebenes Leichtkraftrad, es wiegt 120 Kilo, hat eine Reichweite von rund 120 Kilometern und macht 90 Kilometer in der Stunde.

Das ist erst mal nicht sonderlich beeindruckend oder zumindest nicht viel anders als andere Leichtkrafträder – wäre da nicht ein kleines Detail an den Seiten des Gefährts. Die Pedale, mit denen es angetrieben wird. Ja, richtig, wir reden hier über ein Moped mit Pedalen.

In einem alten Stahlwerk in Hennigsdorf bei Berlin entsteht das eRockit. Foto: eRockit

„Wenn ich schnell trete, fahre ich schnell. Wenn ich langsam trete, fahre ich langsam. Höre ich auf zu treten, rolle ich aus“, sagt Zurwehme. Und er sagt auch: „Wir haben hier ein Paradigma infrage gestellt, das seit mehr als 100 Jahren niemand infrage gestellt hat.“ Oder: „Wir haben das Interface einer Fortbewegung verändert. Den Gaszug, den jeder kennt, haben wir durch Pedale ersetzt, über die der Fahrer das Gefährt antreiben kann.“

Und natürlich stellt sich sofort die eine, die alles entscheidende Frage: Warum um alles in der Welt macht man so was? Zurwehme ist ein Typ, der über sich selbst sagt, dass er sein Leben lang alles gefahren ist, was Rang und Namen hat. Damit meint er natürlich, was PS hat und Sprit verbrennt. Aber er ist eben auch ein Technikfreak, der aus einer technikbegeisterten Familie kommt und der jetzt eine neue Technik für sich entdeckt hat. Weil es Spaß macht. Aber auch weil es eine Frage der Zeit ist.

Das Bike kommt aus Friedrichshain

Etwas anders kommen seine Co-Founder daher, die das Wort Co-Founder sicherlich nicht sonderlich mögen würden. Haupt und Bruch sind Medienmenschen, haben ihre eigene Produktionsfirma. „Wir machen gute Geschichten, meistens mit Stars und Promis“, sagt Bruch. Und er sagt auch: „Wir sind noch da.“ Im Gegensatz zu vielen anderen, meint er damit.

Eine andere Art von edel. Das Bike wird mit Pedalen angetrieben. Foto: eRockit

Und was er auch meint, ist, dass sie solide arbeiten – zwar im Hintergrund, aber dafür gründlich. Mit dem eRockit hatten sie das erste Mal Kontakt, als sie eine Geschichte im Berliner Bezirk Friedrichshain darüber gemacht haben. Im Gegensatz zu Zurwehme, der vom Motorrad kommt, sind die beiden die Fahrradbegeisterten in der Runde. „Ich liebe diese Bewegung“, sagt Haupt.

„Ich habe mit dem Rad früher die Gegend um Berlin erkundet“, sagt ihr Mann. Zwei Welten also, die in diesen drei Personen zueinander gefunden haben. Das ergänzt sich ganz gut, da kann etwas draus entstehen, das Potenzial hat, die Welt zu erobern, auch wenn die drei genau genommen nicht die Erfinder ihres eigenen Bikes sind. Dazu später mehr.

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