Life & Style Der Vegan-Influencer Ferdinand Beck macht jetzt Deutsch-Rap – warum?

Der Vegan-Influencer Ferdinand Beck macht jetzt Deutsch-Rap – warum?

Vom Vegan-Influencer zum Rapper: Ferdinand Beck, auch bekannt als Vegains, bringt sein erstes Album raus. Was will er mit seiner Musik erreichen?

Ferdinand, viele kennen dich als Influencer und Youtuber, im November erschien dein erster deutscher Rap-Track „Schmuckstück“. Worum geht’s da?
In „Schmuckstück“ verarbeite ich meine Erfahrungen mit meinem Blinddarmdurchbruch auf Bali letztes Jahr, bei dem ich fast gestorben wäre. Fünf Mal musste ich insgesamt operiert werden, zuletzt im Oktober – mein „Schmuckstück“ ist die große Narbe am Bauch, der auch mein Bauchnabel zum Opfer gefallen ist. In dem Song geht es um das Trauma meiner Krankenhausaufenthalte, die Tabletten, den Frust und die Trennung von meiner damaligen Freundin, die auch den Refrain singt. Jede Zeile in dem Song bedeutet mir sehr viel. Zum Beispiel danke ich meinem Kumpel Philipp, der mir das Leben gerettet hat.

Hat dir also die Musik bei deinem Heilungsweg geholfen?
Es war schön und wichtig für mich, meine ganzen angestauten Gefühle in einen Song zu packen. Ich habe dadurch Distanz gewonnen und konnte das alles von oben betrachten. Das liebe ich so an Musik: Durch sie habe ich ein Outlet, kann meine Gefühle zum Ausdruck bringen und so versuchen, sie hinter mir zu lassen. Heilen braucht Zeit, das weiß ich. Aber durch die Musik geht es für mich schneller.

Am Ende singst du: „Was würde ich dafür geben, wenn das alles nicht passiert wäre.“ Die Zeilen sind schon ein paar Monate alt. Wie wahr sind sie heute für dich?
Vor meinem Blinddarmdurchbruch hatte ich echt alles. Mein Leben war perfekt: Ich war immer gesund, hatte einen krassen Körper, eine geile Beziehung und war heftig am Start. Und auf einmal: Boom, das Leben schlägt dir ins Gesicht. Beziehung weg, Gesundheit weg. Lange hätte ich viel gegeben, um das alles ungeschehen zu machen. Dabei habe ich in meinem Kopf verschiedene Szenarien durchgespielt, zum Beispiel: Würdest du deinen kleinen Finger opfern, damit das alles nicht passiert wäre? Ja, sofort! Für Monate habe ich so gedacht, aber damit höre ich jetzt auf. Schließlich habe ich mich dadurch auch mental enorm weiterentwickelt und bin stärker geworden.

Wie bist du zur Musik gekommen?
Ich habe mein ganzes Leben lang schon getextet und viel Musik gehört, vor allem Rap und Deutschrap. Aber ich dachte immer: Man kann ja nicht einfach so Rapper werden. Doch irgendwann dachte ich dann: „Warum eigentlich nicht?“, und beschloss, es einfach zu machen.

Und dass du auf Deutsch Musik machst, war gleich klar?
Ich habe auf Englisch angefangen und auch meine Vlogs bei Youtube lange auf Englisch gemacht. Ich wollte die ganze Welt erreichen, und der Großteil der Welt spricht eben nicht Deutsch. Durch meine Krankenhausaufenthalte hatte ich dann so wenig Energie, dass ich meinen Content auf Deutsch gemacht habe – und war total überrascht, dass das besser geklickt wurde und ich mehr verdient habe. Seitdem bin ich bei Deutsch geblieben. Mir hilft das, denn beim Rappen in meiner Muttersprache kann ich mich besser auf den Flow konzentrieren und mit den Worten spielen. Deutschrap, das fühle ich einfach.

Welche Erwartung hattest du an deine Fans, die dich bisher vor allem durch vegane Ernährung und Kraftsport kennen?
Ich liebe meine Community und weiß, dass die mich supporten wird. Aber ich bin schon gespannt, wie andere Leute darauf reagieren, die mich noch nicht kennen. Vor allem Leute, die schon lange Musik machen. Aber ich denke mir: Wichtig ist, dass ich es fühle, dass es gut klingt und dass es meine Community fühlt. Wenn ich das erreiche, dann reicht mir das schon. Außerdem ist es doch so: Wenn man nicht anfängt, dann wird man nicht besser.

Geht es in deiner Musik auch um Veganismus?
Ja, auch. Durch Musik kann man super Botschaften transportieren, denn sie beeinflusst unterbewusst. Auch das war eine Motivation für mich, mit dem Rappen anzufangen. Denn leider haben die meisten Songs nicht so tiefgründige Messages, sondern drehen sich um Sex, Waffen und Gewalt.

Und bei dir ist das anders?
Ja, denn ich möchte durch die Musik auch meine Message zum Veganismus transportieren. Für mich ist das mehr als eine Ernährungsform, es ist ein Lifestyle. Seit 2013 ernähre ich mich so. Damals litt ich unter Akne und habe bei einer Challenge mitgemacht, bei der man einen Monat lang vegan essen sollte. Schon nach drei Wochen wurde meine Haut besser und dadurch auch mein Selbstbewusstsein. Ich begann, mich mehr mit Massentierhaltung und deren Umweltfolgen zu beschäftigen, und entschied: Bevor ich in einen normalen Job gehe, sorge ich dafür, Alternativen zur konventionellen Massentierhaltung aufzuzeigen. Das mache ich seitdem durch meine Social-Media-Kanäle – und bald auch durch meine Musik.

Wie schreibst du? Hast du eine spezielle Strategie, mit der du vorgehst?
Ich habe da den Eminem-Ansatz, der das Songschreiben wie einen Nine-to-five-Job betreibt. Heißt: Ich schreibe jeden Tag Lyrics. Dafür stelle ich mir immer 21 Minuten auf dem Timer ein und schreibe einfach nur. Manchmal kommen dabei richtig gute Lines zustande, die ich dann für Songs benutze, manchmal nicht. Die Texte adaptiere ich dann natürlich später auf den jeweiligen Beat des Songs. Denn am wichtigsten ist es, dass der Song ein Kopfnicker ist, dass er flowt. Mein Tipp: Erst den Beat suchen, dann darauf rappen.

Wie geht es für dich weiter, was sind deine Pläne für 2021?
Ich möchte vor allem weitermachen. Beim Musikmachen kann ich mich voll entspannen, es ist etwas ganz anderes als die Rezeptvideos, die ich sonst mache. Und ich will mehr mit anderen coolen Rappern zusammenarbeiten, zum Beispiel mit Cro, der aktuell mein größtes Vorbild ist. Social Media kann einer der einsamsten Jobs sein, weil ich von Anfang bis Ende alles alleine machen kann. Bei Musik ist es genauso, außer man holt sich aktiv andere Leute ins Boot, mit denen man Synergien erzeugt. Darum geht es mir, um Energie. Nicht um Fame oder Geld.

Der Artikel erschien zuerst im Business Punk Magazin 06/20. Die neue Ausgabe erscheint am 4. Februar, bestelle sie dir jetzt vor allen anderen bequem nach Hause >> shop.business-punk.com.

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