Leadership & Karriere Mut zum Fuck-up: 3 Dinge, die alle aus eigenen Fehlern lernen können

Mut zum Fuck-up: 3 Dinge, die alle aus eigenen Fehlern lernen können

Ein Gastbeitrag von Tobias Hagenau

Gründer:innen tendieren oft dazu, ihre Struggles stillschweigend unter den Tisch zu kehren. Wir wollen, dass man uns für unseren Erfolg sieht und vergessen dabei den Weg, den es braucht, um ihn zu erreichen.

Ich werde oft gefragt: „Wenn du auf eurer Reise drei Dinge gelernt hast, welche wären das?“

Hier sind drei meiner Lektionen, die auch euch weiterbringen können.

1. Werdet nicht zu engstirnig. Live to fight another day!

Vor rund zehn Jahren haben meine Mitgründer und ich unser erstes Unternehmen gegründet und seit dem bestimmt genauso viel richtig wie falsch gemacht. Wir mussten die Zielgruppe wechseln, haben den Marketingkanal ausgetauscht und wären beinahe pleite gegangen. Wir haben teuer bei Banken finanziert und in Finanzierungsrunden sicher objektiv zu viele Anteile abgegeben. Nachdem wir siebenstellige Beträge in die Modernisierung unseres Produkts gesteckt hatten, dachten wir, es hätte doch keine technologische Zukunft mehr und haben ein neues gebaut.

Es stellte sich heraus: Wir lagen falsch. Nun haben wir mit der Agentursoftware HQ und dem Workmanagement-Tool awork zwei wunderbare Produkte auf dem Markt. 

Hätten wir es so geplant? Niemals. Haben wir uns über alle Zwischenschritte gefreut? Nein. Aber flexibel zu bleiben und zu erkennen, wann es Zeit für eine Veränderung ist, hat uns geholfen. Wir haben Schritt für Schritt aus unseren Fehlern gelernt. Anstatt zu scheitern, sind wir auf das Ergebnis so vielleicht noch stolzer.

2. Habt Biss! Palo Alto wurde nicht an einem Tag erbaut.

Wenn man Startup-Blogs liest, kommt es einem immer vor, als würden Unternehmen über Nacht aus dem Boden sprießen und sofort Milliarden wert sein. Mag sein, dass es manchmal so kommt. Unser Weg war langsamer und kurvenreicher. Zu 40 Mitarbeiter:innen und 2.000 Kund:innen haben wir uns mühsam Kunde für Kunde, E-Mail für E-Mail und Ticket für Ticket vorgearbeitet. Da kommen einem manchmal Gedanken ans Aufgeben, schließlich könnte man auch etwas Einfacheres machen.

Oft haben wird dabei übersehen, wie viel Wert in den bereits aufgebauten Strukturen steckt. Ein Team mit gemeinsamer Kultur, funktionierende Abläufe, Verständnis von Kund:innen, Markt und Technologie – das stampft man nicht eben so ein zweites Mal aus dem Boden.

Es lohnt sich, den Biss zu haben, Bestehendes zu verbessern, bevor man alles über den Haufen schmeißt. Wir standen damals vor der Frage: Neuanfang ohne Finanzierung und Ressourcen oder einer profitablen Software-Company mit einem Team und zwei wachsenden Produkten? Gut, dass wir nicht aufgegeben haben – nicht zuletzt für unsere Kund:innen.

3. Gebt euch nicht zufrieden. Da geht noch was.

Nach dem Relaunch ist vor dem Relaunch. Ständig bringen wir unsere Websites, Dokumentationen, Social-Media-Kanäle usw. neu raus. Denn kontinuierliche Verbesserung ist existenziell, auch wenn dafür etwas Geld in die Hand genommen werden muss und es einiges an Arbeit bedeutet. 

‚Better done than perfect‘ heißt es in Gründer:innenkreisen oft. Im Namen der Geschwindigkeit wird vieles gebaut, das erstmal funktioniert aber eben nicht so richtig ‚done‘ ist. Und, wie wir, tappen Unternehmer:innen oftmals in die Falle, immer mehr wertvolle Ressourcen in das Ausbessern und Ausgleichen von Prototypen zu investieren. 

Doch eine Qualitätsrunde mehr reicht häufig aus, um sich auf lange Zeit nicht mehr um ein Thema kümmern zu müssen und den Kopf für anderes frei zu haben. Wie Zinseszins summiert sich gute Arbeit mit der Zeit. Mehr top Ergebnisse führen zu mehr Kapazität für hochwertige Arbeit, was wiederum zum langfristigen Erfolg führt. 

Im Endeffekt laufen alle drei Lektionen auf Folgendes hinaus: Unternehmer:innentum erfordert Biss, Geduld und ein Auge für Qualität.

2012 gründete Tobias Hagenau gemeinsam mit Nils Czernig und Lucas Bauche die HQLabs GmbH in Hamburg. Ihr erstes Produkt HQ ist eine All-in-One Agentursoftware, die es Agenturen jeglicher Art ermöglicht, den gesamten Geschäftsprozess in einem Tool abzudecken. Heute beschäftigt das Unternehmen rund 35 Mitarbeiter:innen.

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