Life & Style Er begab sich als Reporter in Lebensgefahr – jetzt arbeitet Ian Urbina an Soundtracks für Journalismus

Er begab sich als Reporter in Lebensgefahr – jetzt arbeitet Ian Urbina an Soundtracks für Journalismus

Ein Reporter will mit dem Outlaw Ocean Music Project eine völlig neue Art des Storytellings schaffen – und verspricht dazu den beteiligten Künstlern aus aller Welt mehr Sichtbarkeit.

Text: Florian Sturm

„Tanz der Vampire“. „Dirty Dancing“. „A Star Is Born“. Auch wenn es uns selten direkt auffällt: Erst der Soundtrack macht einen guten zu einem außergewöhnlich guten Film. Nicht umsonst zählen Komponist:innen wie Hans Zimmer (der die Musik für „König der Löwen“, „Inception“ und „Gladiator“ schrieb), John Williams („Star Wars“, „Schindlers Liste“, „E.T. – Der Außerirdische“) und Danny Elfman („Edward mit den Scherenhänden“, „Men in Black“) zu den Stars der Filmbranche.

Ian Urbina will diese Idee auf den Journalismus übertragen. Der 49 Jahre alte US-Amerikaner ist Investigativreporter und arbeitete 17 Jahre lang für die „New York Times“, ehe er 2020 die wohl berühmteste Zeitung der Welt verließ. Einer der Gründe für seinen Weggang: Er will Soundtracks für journalistische Recherchen produzieren (lassen) – und rief dafür kurzerhand ein Projekt ins Leben, das er leicht sperrig Outlaw Ocean Music Project nannte.

Das Projekt – von Urbina selber mittlerweile gnädigerweise OOMP abgekürzt – entstand als Erweiterung einer wahnwitzigen Recherchearbeit: Fünf Jahre lang war Urbina auf hoher See unterwegs, auf der Suche nach Geschichten, von denen bislang kaum jemand gehört hatte. Urbina ging Storys auf den Grund, in denen es sich um die Ermordung blinder Passagier:innen drehte und die vorsätzliche Verklappung von Abfällen, um Waffenhandel und militärische Söldnergruppen.

Um Sexarbeit auf Kreuzfahrt- und Fischereischiffen, Abtreibung auf hoher See und Diebstahl von Ladung, Treibstoff, Schiffen oder Menschen. Seine Reportagen zur Gesetzlosigkeit auf den Weltmeeren publizierte Urbina zunächst als Serie in der „New York Times“. 2019 erschien sein Buch „The Outlaw Ocean“. Es wurde prompt zum internationalen Bestseller.

Glück im Spam-Ordner

Trotz des großen journalistischen Erfolgs stieß Urbina schon 2015, etwa ein Jahr nach Beginn seiner Recherchen, auf ein Problem: Jahrelange Erfahrung hin oder her, es fiel ihm schwer, nur mit Worten und begleitenden Fotos die Gefühle und Atmosphäre dieser fremden Welten zu vermitteln. Etwas fehlte: die Emotion. Seine Überlegungen, wie sich Journalismus emotional zugänglicher machen lässt, führten Urbina zur Musik: Könnten nicht Musikerinnen und Musiker die Reportagen in ihre Sprache übersetzen – in Klänge und Emotionen?

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