Personal Finance Krypto-Community: Finanzexperte Philip Sandner über Herausforderungen

Krypto-Community: Finanzexperte Philip Sandner über Herausforderungen

Herr Sandner, viele hatten einen Anstieg der Kurse zum Jahresende erwartet. Warum ist der ausgeblieben?

Ich bin ganz ehrlich: Das hatte ich auch gehofft! Es zeigt sich, dass kurzfristige Prognosen am Kryptomarkt generell schwierig sind. Im Falle von Bitcoin gibt es viele Einflussfaktoren. Einer davon könnte auf den Mining-Ausfall in Kasachstan zurückzuführen sein. Ähnlich wie nach dem Mining-Verbot in China könnten auch diesmal politische Entwicklungen auf das Sinken des Bitcoin-Preises hindeuten.

Ich glaube aber, dass sich dieses Mining-Verbot in China aus dem Mai 2021 nun eben auf den Preis auswirkt: Chinesische Bitcoin-Besitzer:innen wissen nun, dass Bitcoin in ihrem Land nicht erwünscht ist. Ich glaube, dass dieser Verkaufsdruck aus China einige Monate anhält. Irgendwann wird er nachlassen. Und es gilt dann wieder: Der langfristige Aufwärtstrend von Bitcoin ist weiterhin ungebrochen.

Woher der Optimismus?

Wir dürfen die guten Nachrichten nicht vergessen: Vor circa zwei Jahren hat die Bundesregierung die deutschen Kryptoverwahrregeln in Kraft gesetzt.

Nun, zwei Jahre später, zeigt sich die Wirkung: Banken beginnen, diesen Staatsstempel zu würdigen, und planen Produkte für ihre Kund:innen: Ende 2021 haben wir gehört, dass der Sparkassenverbund und erste Volksbanken aktiv werden, ihren Kunden den Zugang zu Bitcoin und anderen Kryptowerten zu ermöglichen. Das sind positive Anzeichen. Und: Vielleicht kein wirklicher Beweis hierfür, aber meine E-Mail-Inbox war selten so voll wie in diesen Tagen.

Wie gehen denn die institutionellen Anleger damit um?

Wir sehen insgesamt weiterhin zunehmendes Interesse von institutionellen Investoren – gerade bei den größten Krypto-Assets Bitcoin und Ethereum sowie im Decentralized-Finance-Bereich. Das Interesse ist und war da. Zudem bewegen derzeitige inflationäre Effekte auch immer mehr Unternehmen dazu, in Krypto-Assets, Immobilien und andere Sachwerte zu investieren.

Es ist kein Geheimnis, dass Anleihen fast keine Rendite mehr bringen und die Aktienmärkte aufgrund zahlreicher Allzeithochs leicht fragil zu werden scheinen.

Wie funktionieren Bitcoin-ETFs, was bedeuten sie für die Branche?

Bitcoin-ETFs funktionieren wie klassische ETFs. Der „Fund“ in dieser Bezeichnung suggeriert, dass in mehr als einen Titel investiert wird. Daher ist der Begriff Bitcoin-ETFs für den Volksmund tauglich, aber technisch nicht ganz korrekt.

Die richtige Bezeichnung wäre Bitcoin-ETP oder Bitcoin-ETN. ETP steht hierbei für Exchange-Traded Product und ETN für Exchange-Traded Note. Aber am Ende ermöglichen diese Produkte Anleger:innen einfach einen leichteren Zugang zu Bitcoin.

Noch immer ist der wörtliche Mehrwert von Kryptowährungen nicht ganz klar, oder?

Hier würde ich gerne widersprechen. Zunächst einmal muss man anerkennen, dass Kryptowährungen ein breites Feld sind. So wie Aktien. Dort gibt es Chemiekonzerne, IT-Konzerne, Maschinenbauer etc. Bitcoin ist daher anders als Ethereum.

Der Mehrwert von Bitcoin ist meiner Meinung nach recht klar: Bitcoin erlaubt die unbedingte Aufbewahrung von Wert, den Transport von Wert und den Transfer von Wert. „Unbedingt“ ist hier das Schlüsselwort. Hunderte Millionen Menschen in Afrika und Südamerika sind davon betroffen, dass bei ihnen die Institutionen nicht so gut funktionieren wie hier.

Ich spreche von einem schlechten oder gar keinem Bankensystem oder hoher Inflation, Korruption etc. – Menschen in diesen Ländern können den Bitcoin als unabhängige Institution schätzen.

HODL: ja, nein, vielleicht?

HODL – glaubt man an den langfristigen Aufwärtstrend. Kurzfristige Kursschwankungen sind immer schwierig zu prognostizieren.

Dies ist ein Text aus unserer Ausgabe 1/2022: In unserem Dossier beschäftigen wir uns mit dem Comeback des luxuriösen Lifestyles: reisen, speisen, residieren. Wir haben außerdem die Königsklasse der Fin-Meme-Bubble Papas Kreditkarte und Hedgefonds Henning zum Doppelinterview getroffen. Und mit Sony Musics GSA-CEO über seine Wurzeln gesprochen, über Dante Alighieri und darüber was ein Plattenlabel ausmacht, wenn es gar keine Platten mehr gibt. Hier gibt es das Magazin zum Bestellen.

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