Life & Style Eskapismus pur: Ein Rundgang durch Palermos legendäres Grandhotel

Eskapismus pur: Ein Rundgang durch Palermos legendäres Grandhotel

Die Widersprüche dieser uralten Stadt sind zu sehen, wenn man sich auf den Weg zum besten Hotel Palermos macht: hier bröckelnde Hochhäuser, dort eine in feinstes Tuch gekleidete Beerdigungsgesellschaft vor der Kirche. Hier braun schimmernde Dackelwelpen, dort struppige Straßenhunde. Ein Roller braust um die Kurve und weicht gerade noch so einer Matratze aus, die mitten auf der Straße liegt. Der Geruch von Müll, der Geruch des Meeres. Und dann, ganz unvermittelt: ein gelber Palast.

Dieser gelbe Palast ist das legendäre Grandhotel Villa Igiea. Filmstars wie Burt Lancaster und Claudia Cardinale wohnten bereits hier. Die Enkelin des Königs von Siam stieg im Haus ab. Eduard VII. von England legte unten bei den Klippen mit seiner Yacht an – wie man eben standesgemäß zu einem Grandhotel anreist.

Über dem Portal der Villa flattert die italienische Trikolore neben dem britischen Union Jack, außerdem die Flagge Siziliens. Das ist dem Hintergrund von Rocco Forte zu verdanken. Seinem Unternehmen gehört die Villa Igiea heute. Der britische Luxushotel-Impresario hat italienische Wurzeln und betreibt weltweit ein Dutzend Hotels der Luxuskategorie. Kein Hotel der Gruppe ähnelt dem anderen, nichts erinnert an System, Kette oder Franchise. Alle zwölf Häuser der Rocco Forte Hotels sind Mitglied der Allianz The Leading Hotels of the World, einer Art Champions League der Übernachtungsstätten.

Im Foyer wartet Irene Rizzo, ganz in Rot gekleidet. Die Concierge des Hotels hat die allermeisten ihrer 30 Jahre in Palermo verbracht. „Für uns ist die Villa Igiea eine Institution, alle kennen sie“, sagt sie. Rizzo ist üblicherweise hier am Empfangstresen anzutreffen und so etwas wie das Ohr des Hotels: Wenn Gäste ein Anliegen haben, kommen sie zu ihr – sie spricht übrigens auch Chinesisch. Und sie teilt ihr Wissen über die Stadt, schafft es, das gute Gefühl zu vermitteln, als kenne man sich aus, auch wenn dem nicht so ist.

Der Schriftsteller Alfred Polgar sagte über Wiener Kaffeehäuser, sie seien Orte für Menschen, die zum Alleinsein Gesellschaft brauchen. Grandhotels entspringen etwa derselben Epoche – und sie erfüllen dieselbe Aufgabe: als ein Ort, an dem die Zeit stillzustehen scheint und an dem man trotz Gesellschaft niemanden allzu nah an sich ranlassen muss.

Doch auch im ersten Haus der Stadt haben sich die Zeiten geändert. Wer heute in der Villa Igiea eincheckt, sucht eher eine Art neue Durchlässigkeit. Ein Grandhotel wie die Villa Igiea braucht das atemberaubende, atemlose Palermo genauso wie die Stadt ihr Grandhotel. Natürlich verbinden noch immer viele Palermo mit den alten Geschichten von der Cosa Nostra.

High Society? Es geht um etwas anderes

(Maria Falcone, Schwester des Antimafia-Kämpfers Giovanni, sagte 2019 sinngemäß, dass die alte Generation gegen den Staat Krieg geführt habe, im Vergleich dazu seien die junge Generation Hühnerdiebe. Es gibt natürlich auch die Ansicht, dass die Mafia sehr wohl begriffen hat, dass Touristen Geld in die City tragen – und dementsprechend etwas mehr piano macht, um mitzuverdienen.) Besucher kommen in Scharen, um die Palazzi zu sehen, ob sie nun bröckeln oder renoviert sind, um frittierte Spezialitäten zu probieren, frische Meeresfrüchte, Fisch oder Ragù-gefüllte Arancine. Kurz: Palermo soll erlebt werden.

Auf der Terrasse verstellt nichts den Blick auf die Unendlichkeit des Mittelmeers, so samtig blau wogt es nur in der Januarsonne. Dass Rizzo ihre Stadt genau kennt – „Palermo born and bred“, wie sie es sagt –, ist vielleicht ihre wichtigste Expertise. „Unsere Gäste wollen die Seele der Stadt erleben, mit den Menschen in Kontakt kommen. Was die High Society tut, interessiert sie gar nicht.“

Vielleicht auch, weil besonders die Rocco Forte Hotels in den vergangenen Jahren dafür gesorgt haben, dass Luxus erreichbarer geworden ist. Im zur Kette gehörenden Hotel de Rome in Berlin beispielsweise kann man für ein paar Hundert Euro mehrere Stunden im Spa-Bereich verbringen, ohne Übernachtungsgast des Hotels zu sein. Dachterrassen lassen sich für Events und Termine mieten, Unternehmen richten Konferenzen in den größeren Räumlichkeiten aus.

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