Life & Style Prinz Pi im Interview: „Es ist total wichtig, nicht auf den Erfolg anderer zu schauen“

Prinz Pi im Interview: „Es ist total wichtig, nicht auf den Erfolg anderer zu schauen“

Business School of Rap: Der Mann zählt zu den Urgesteinen der Berliner Rap-Szene. Seine Texte verhandeln den Aufstieg: vom kleinen Praktikanten zum Boss und Teil der gesellschaftlichen Mitte

• Dein Image ist ein Tool

„Das ist der Neubeginn, der Satz ist immer der gleiche geblieben / Doch er bekommt einen völlig neuen Sinn“, rappte Friedrich Kautz einst als Prinz Porno im Lied „Neubeginn“. Unter diesem Pseudonym begann er vor 24 Jahren seine Rap-Karriere, damals war Musik für Kautz nur ein Hobby. Als Rap seine berufliche Zukunft werden sollte, änderte er seinen Namen in Prinz Pi um. Warum? „Rap ist oft frauenverachtend und chauvinistisch“, sagt Pi in unserem Interview. „Meine Musik sollte das eben nicht sein. Was ich will, ist verstanden werden. Das konnte ich mit dem Namen Porno nicht.“ Die Themen seiner Songs waren bereits zu Porno-Zeiten ähnlich denen heute: Freundschaft, Liebe, Abitur.

Die Lektion? Reflektiere deine Marke. Ändere dein Image, wenn es dir im Weg steht. Und such dir deinen Titel selbst aus, damit er für dich arbeitet, nicht gegen dich. Du schubst im Team immer die Orga? Dann nenn dich schnell etwa Head of Chaosmanagement, bevor dich andere zum Orga-Olaf machen. Gleicher Inhalt, andere Verpackung – anderes Ansehen.

• Sei eine Multi-Brand

Vertieft man die Sache mit dem Image, landet man schnell beim Personal Branding. Momentan das Buzzword schlechthin in der Arbeitswelt: Erzähle deine Geschichte, schaffe einen Mehrwert. „Das ist für die alten Fans, die, / Bevor ich noch den ersten Ton gerappt habe, sagen: ,Dieser Pi / Der Hipster-Dreckssack kommt nie / Und nimmer an Pornos Klasse heran‘ “, rappt Pi in „Alter Witz“.

„Wenn du ein Produkt hast, generiere verschiedene Marken, die an unterschiedliche Zielgruppen appellieren, aber im Endeffekt ein ähnliches Produkt verkaufen“, so der Consultingtipp von Prinz Pi.

Zweigleisige Selbstvermarktung lautet hier der Schlüssel zum Erfolg. Man muss also idealerweise zwischen Head of Chaosmanagement und Orga-Olaf switchen. In der einen Selfbrand ist man smooth unterwegs, in der anderen bossy. So macht es Prinz Pi mit seinem Alter Ego Prinz Porno auch.

• Tschüss, Rollenbilder

Wenn du dich in deinen Marken finden willst, dann vergiss ganz schnell alle Klischees. Im Job lieber nicht die Sachen so angehen, dass du damit allein die Erwartungen anderer erfüllst. Heißt: Mach dich frei von möglichen Rollenbildern deiner Position. Als Prakti macht man nur Aufgaben, die andere nicht machen wollen? Nein. Proaktiv nach anspruchsvollen Tasks fragen. Als Senior darf man nicht zu dicke mit seinem Team sein? Schwachsinn. Wenn alle so New Work sind wie sie tun, werden sie es verkraften.

„In meiner Kunstuni-Hood hat niemand krasser gerappt / Ob an Humboldt oder Technischer, egal wo ich rumsause / Promo? Ich promoviere summa cum laude / Meine Bleistiftmine, die ist stahlhart / Einziger MC mit Fanclub in Harvard“, rappt Prinz Pi.

Sein Album „Rebell ohne Grund“ war für ihn ein Meilenstein. „Da habe ich musikalisch meine Sprache gefunden. Davor habe ich versucht, einer äußeren Erwartungshaltung zu genügen, um angenommen zu werden“, sagt er. „Als Mann in der Rap-Szene musst du permanent Stärke zeigen. Das Album war für mich das Jahr, in dem ich gelernt habe, dass es okay ist, über meine innere Welt zu sprechen.“

• Größer, besser, stärker? Nö

Dieser Rat stammt von Prinz Pi persönlich und aus dem Song „Kompass ohne Norden“: „Du bist nur der größte Hai in deinem kleinen Teich / Doch es kommt stets ein größerer, besserer, stärkerer, cleverer Hai.“

Es wird immer Menschen geben, die erfolgreicher und weiter sind als man selbst. Wenn man sich misst, dann nur mit Karrieren auf gleichem Level und nicht mit irgendwelchen Linkedin-Bios von CEOs – es sei denn, man ist CEO. Das gilt auch für alle, die sich nur mit anderen vergleichen, um ihr Ego zu polieren. Don’t do it. Bleibt am besten im eigenen Lebenslauf.

Sagt auch Pi: „Es ist total wichtig, nicht auf den Erfolg anderer zu schauen, sondern sich auf sich selbst zu besinnen: Was habe ich von meinen realistischen Zielen erreicht und was nicht? Was kann ich wirklich besser machen? Was liegt außerhalb meiner Verantwortung? Wenn du das machst, dann kannst im Beruf glücklich werden.“

• Nimm keine Abkürzungen

In Pis Song „Moderne Zeiten“ heißt es: „Im Apple Store da zahlen wir Raten ab beim weißen Gott / Wir haben verlernt zu warten, wir wollen Erlebnisse / Schnelle Ergebnisse, Easyjet-Wochenenden.“ Die Karriereleiter gemächlich Sprosse für Sprosse zu erklimmen klingt für viele heutzutage zu lame: Warum Erfolg langsam angehen lassen, wenn man auch einen Raketenstart hinlegen kann? Pi kennt die Antwort: Weil man dann Gefahr läuft, sich an irgendeinem Punkt selbst zu verlieren. „Ich glaube, das große Problem unserer Generation ist das ständige Schauen nach einer Abkürzung in der persönlichen und in der beruflichen Entwicklung“, sagt er. „Das Internet ist voll von Typen, die sagen: ‚Du bist der Blöde, wenn du 30 Jahre als Angestellter arbeitest. Hier ist der smarte Weg, wie du durch passives Einkommen mehrere Tausend im Monat verdienen kannst.‘“

Schneeballsysteme gelten nicht unbedingt als beste Karriereoption. Niemand muss direkt drei Jahre nach Berufseinstieg in der höchsten Position sein oder sofort nach Studienabschluss gründen. Was soll denn dann noch beruflich bis zur Rente kommen? Im schlimmsten Fall die Quarterlife-Crisis, dann die Midlife-Crisis und dann die noch nicht gebrandete Crisis. Also langsam angehen lassen und dem gelernten Prozess vertrauen.

• Reflektiere deine Erfahrungen

Gefühlt geht es in jedem zweiten Song von Prinz Pi um seine Schulzeit, Jugend und frühere Freundschaften. Der ganze Song „Willkommen zu Haus“ ist eine Reise durch Pis Vergangenheit: „Wie ich mit fünfzehn ’ne Bazooka von den Russen kauf’ / Ein Blick für Risse, ich wuchs auf in ei’m kaputten Haus / Sommerabenteuer, da in Brandenburg im Wald.“

Die Retrospektive ist nicht ohne Grund: „Man braucht relativ viel Abstand, um ein klares Bild finden zu können“, sagt er. „Nur so kann man erkennen, welche Rolle man in dem Ganzen gespielt hat und wie man zu Erfolg und Misserfolg beigetragen hat.“

Das Learning? War der Job eine Enttäuschung, sind zuerst die anderen schuld: Die Vorgesetzten war inkompetent. Das Team bestand aus Underperformer:innen. Das Büro war hässlich, du konntest dich da nicht konzentrieren. Erinnert man sich zurück, wird einem klar, dass manches unangemessen und man vielleicht selbst das Problem und nicht der perfekte Fit war. Oder wie es in Pis Song „Letzte Liebe“ heißt: „Vielleicht war ich nur sowas wie ’ne Probefahrt / Vielleicht war, als wir zusammenkamen, nicht der große Tag.“ Wenn man auf die richtige Art zurückschaut, kann man an der eigenen Vergangenheit wachsen.

• Mach dich unentbehrlich

„Die wenigsten Menschen gehen durchs Leben und wollen nur ihre Asche in der Urne hinterlassen“, sagt Prinz Pi. Heißt auf die Karriere übersetzt (und um alle Bullshit-Begriffe in einen Satz zu packen): Arbeitnehmer wollen einen Impact hinterlassen, etwas Sinnstiftendes tun.

Also mach folgende Lines von Prinz Pi aus „Wunderkind“ zum Mantra: „Du bist ein Wunderkind / Auch wenn niemand außer dir und mir das sieht / Die Leute sind für Wunder blind / Du bist der Singular, du bist das Einzelstück / Du bist das Meisterwerk, das es nur einmal gibt.“ Plan für die nächsten Wochen: Sorge mit deinen Taten dafür, dass Team und Arbeitgeber:in nicht mehr auf dich verzichten wollen.

• Dreifache Crew Love

Wohl kaum ein anderer Rapper setzt sich in seiner Musik so intensiv mit den Themen Liebe und Partnerschaft auseinander wie Prinz Pi. „Berufsbeziehungen sind ähnlich zu privaten Beziehungen“, sagt er. In seinem Song „1,40 m“ erzählt er: „Und das Bett, das wir teilen, war nur dein, war nur mein / Das war eins vierzig breit / Das war die beste Zeit / Kein Zentimeter für Streit.“

Warum sich also nicht einen Büro-Buddy suchen, mit dem ihr eng zusammenarbeitet? Mit dem einen Deadline-Schweiß, Tränen, Memes und Insiderwitze verbinden, mit dem man Monitor an Monitor sitzt. Jemanden, der Businesspartner:in in Crime ist. Nur bei einer Sache sollte man wahrscheinlich aufpassen: Es ist nämlich in dem Fall besser, wenn die 1,40 Meter nur den Schreibtisch bezeichnen – und nicht das Bett.

Den ganzen Text lest ihr in unserer Ausgabe 2/22. Außerdem: Krypto-Art-Dossier. Big-Wave-Surfen in Portugal. Der CEO der Online-Uni Coursera. Und Cannabis aus Sachsen. Am Kiosk oder hier.

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