Leadership & Karriere Marina Zubrod: „Es ist nicht romantisch, Unternehmer zu sein“

Marina Zubrod: „Es ist nicht romantisch, Unternehmer zu sein“

Welches Geschäft ist bis heute Ihr erfolgreichstes?

Das Agenturgeschäft. Die Agentur ist die Cashcow. Sie trägt die Marken. Wer schon selbst einmal versucht hat, Marken zu etablieren, weiß, wie kostenintensiv dieser Prozess ist.

Welche Eigenschaften braucht man, um seine eigene Marke erfolgreich aufzubauen?

Anpassungsfähigkeit und Neugier, um sich immer wieder neuen Themen und neuen Märkten zu widmen. Man tanzt auf allen Hochzeiten gleichzeitig, dafür muss man der Typ sein.

Ganz einfache Frage: Was macht gutes Unternehmertum aus?

Das ist nicht leicht zu beantworten. Der eine kennt sich mit Zahlen aus, der andere ist kreativ, noch einer kennt die besten Talente. Jeder definiert für sich sein eigenes Erfolgsrezept. Für mich persönlich ist es so: Mein Leben ist Unternehmertum. Mir ist es wichtig, dass ich mit meinem Unternehmertum ein gutes Leben leben kann. Ich möchte, dass es keine Grenzen für mich gibt.

Hat man diese Einstellung im Blut, oder kann man sie auch lernen?

Ich denke, dass viele Unternehmer in der Tat von zu Hause geprägt sind. Meine Eltern sind Migranten und waren Kleinunternehmer. Meine Mutter hatte eine Bäckereifiliale, und mein Vater war Fenstermonteur mit einem Kleingewerbe. Obgleich sie Unternehmer mit durchschnittlichem Einkommen waren, wusste ich, mein Weg zum Glück ist nur das Unternehmertum. Auch, weil ich eine sehr schlechte Angestellte bin und auf Hierarchien pfeife. Ich glaube, es kommt viel von der Herkunft her. Aber man kann es natürlich auch lernen, zum Beispiel durch ein passendes Studium oder Jobs in entsprechender unternehmerischer Umgebung.

Welchen Tipp geben Sie einem Neuling im Unternehmertum?

Ich sage immer: Starte klein. Sieh erst mal zu, am Wochenende vom Wohnzimmer aus oder abends nach der Arbeit mit der Idee zu starten. Nicht alles hat Potenzial, ein Unternehmen zu werden, von dem man langfristig leben kann. Und das muss es auch nicht. Es muss nicht immer groß sein. Nicht alles muss ein Unicorn werden. Denn Unternehmer sein bedeutet auch, sich jeden Morgen selbst zu motivieren. Und wenn etwas scheiße läuft, sich selbst aus einem Tief herauszuziehen.

Welche negativen Seiten hat es, seine eigene Chefin zu sein?

Schlecht daran ist, man hat die wirtschaftliche Verantwortung. Schlecht daran ist, man muss vielleicht dafür sorgen, dass man selbst oder seine Familie davon leben kann. Schlecht daran ist, die eigene Leistung ist dafür verantwortlich, wie es den Mitarbeitern geht.

Das ist aber nicht gerade wenig.

Es ist nicht romantisch, Unternehmer zu sein. Und je größer und erfolgreicher man wird, desto schlimmer wird es. Aber der Grund, selbst entscheiden zu können, wie ich mein Leben lebe, wiegt alles auf, was ich gerade aufgezählt habe.

Wann gibt man die Verantwortung besser an Externe ab?

So spät wie nötig und so früh wie möglich. Eine andere Antwort habe ich darauf nicht wirklich. Meine Vermutung ist, dass es die meisten viel zu spät machen. Weil wir nicht genügend darauf vertrauen, dass die Mitarbeiter noch mehr Umsatz einbringen können. Weil wir egozentrisch sind. Ich selbst stelle auch ungern ein, ich mache es meist zu spät.

Wann ist der richtige Zeitpunkt für einen Exit?

Die kapitalistische Antwort: Wenn ich mehr kriege als die Verbindlichkeiten, die in der Bilanz stehen. Großes Thema für Marken, die Gründungskredite bei der Bank aufgenommen haben. Häufig melden sie Insolvenz an, weil sie mit dem Unternehmensverkauf den Kredit nicht abbezahlen können.

Und die nichtkapitalistische Antwort?

Das hat viel mit der eigenen Energie, der Motivation und mit der Vision für das Unternehmen zu tun. Ich selbst hänge an keinem einzigen meiner Unternehmen, weil ich so gerne immer wieder an neuen Dingen arbeite. Trotzdem verkaufe ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht, weil sich alle meine Unternehmen gerade verzahnen und Synergien entstehen.

Was muss passieren, dass Sie nicht mehr gründen?

Niemand von uns ist davor geschützt, an den Rand der Möglichkeiten, der Energie zu kommen. Deswegen müssen wir als Unternehmer wirklich lernen, auf uns selbst zu hören. Gerade habe ich drei große unternehmerische Ideen, von denen ich hoffe, dass sie in den kommenden Jahren starten können. Dafür müssen wir noch etwas erfolgreicher und sichtbarer sein.

Dieser Text stammt aus unserer Ausgabe 03/23. Dieses Mal dreht sich in unserem Dossier alles um das Thema Danach. Wie geht es nach einem Fuck-Up oder Wendepunkt im Leben weiter? Außerdem haben wir mit Nationaltorhüterin Merle Frohms gesprochen und die Seriengründerin Marina Zubrod erzählt alles über ihre Hassliebe zum Unternehmertum. Viel Spaß beim Lesen! Hier gibt es das Magazin zum Bestellen.

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