Life & Style Wie Du Coaching-Hochstaplern nicht auf den Leim gehst

Wie Du Coaching-Hochstaplern nicht auf den Leim gehst

Gastbeitrag von Dr. Alexander Brungs, Coach für Persönlichkeitsentwicklung und Karriereplanung.

Unruhige Zeiten, in denen die globalen Hiobsbotschaften einfach nicht abreißen wollen, sind goldene Zeiten für Scharlatane im seriösen Coaching-Gewand. Aktuell sind viele Menschen erschöpft. Für Hilfe zur Selbsthilfe werden in vielen Fällen Coaches angefragt. Doch der aktuelle Coaching-Boom hat eben auch seine Schattenseiten: Von den mittlerweile weit über 50.000 ‚Coaches‘ in Deutschland hat vielleicht etwa ein Viertel eine tragfähige, anerkannte Qualifikation. Die Restlichen sind nicht selten Blender.

Ob schneller finanzieller Erfolg der Klientinnen versprochen wird („Verdienen Sie dank meines Mentoring-Programms innerhalb kurzer Zeit 10.000€ im Monat“) oder Problemlösungsgarantien für Coachees ausgesprochen werden („In zwölf Wochen haben ich Ihnen geholfen – unter Garantie“) – mit solchen negativen Geschichten werden seriöse Coaches nur all zu oft konfrontiert und auch um Rat gefragt. Doch meist kommt unser Rat zu spät – der Coachee ist bereits in den Brunnen gefallen. Es kommt vor, dass besorgte Angehörige von Betroffenen anfragen, was man denn tun könne – da habe jemand sich verschuldet, 10.000 Euro für ein halbes Jahr im Voraus für zweiwöchentlich aktualisierten Zugriff auf Video-Tutorials bezahlt, die in keiner Weise mit der Lebens- und Arbeitssituation des Betroffenen zusammenpassen und nur allgemeine Weisheiten in der Art von Bauernregeln oder die Forderung ‚Du musst endlich wollen und das richtige Mindset haben‘ vermitteln. Mitunter haben die „Coaching-Angebote“ auch sektenartigen Charakter, der die Coachees immer tiefer in fundamentale Abhängigkeit hineinzieht. Hier wird, wie bei all den Erleuchtungs- und Kunst-Gurus allein mit charismatischer Ausstrahlung operiert. Der Wunsch jedoch, so werden zu wollen wie der Coach (erfolgreich, wohlhabend etc.) oder wenigstens etwas an seiner Ausstrahlung teilhaben zu können (indem man zu seiner Entourage gehört), ist nicht guter Ratgeber, sondern Wegweiser in Abhängigkeit und potenziellen Ruin.


Häufige Warnsignale, auf die Du unbedingt achten solltest:


• Fragwürdige Qualifikation(en): Der deutsche Coachingmarkt ist schwer zu überblicken, ‚Coach‘ ist keine geschützte Berufsbezeichnung, sodass unterschiedlichste Angebote unter diesem Label firmieren. Qualifizierte Coaches haben kein Problem damit, Personalentwicklungsmaßnahmen wie Trainings, Organisationsentwicklungsformate oder gar Therapien von Coaching abzugrenzen und ihr eigenes Vorgehen zu erläutern. Ihr methodisches Wissen und die zugehörige Praxis haben sie in belegbar coachingspezifischen Ausbildungsgängen erworben und entwickeln es nachvollziehbar kontinuierlich weiter. Blumige Formulierungen oder pseudotheoretische, selbstreferentielle Begrifflichkeit, Betonung einer angeblichen völligen Neuartigkeit der „Methode“ oder stetige Forderungen nach mehr „Offenheit“ bzw. die wiederholte Behauptung, es stünden einem sichtbaren Fortschritt leider noch zu überwindende „Glaubenssätze“ im Wege, deuten eher auf ein bestimmtes Geschäftsmodell als auf sinnvolles Coaching hin.


• Unklares Contracting: Ohne einen Vertrag, der die Rahmenbedingungen klar regelt und sowohl Coachee als auch Coach ohne Nachteil die (vorzeitige) Beendigung des Coachingprozesses erlaubt, ist eine seriöse Zusammenarbeit nicht möglich. Der Vertrag schafft für die beteiligten Parteien Klarheit und Transparenz, hält allgemein Ausgangssituation und Ziel des Prozesses sowie die voraussichtliche Dauer fest und regelt die Art der Bezahlung – Vorauszahlungen sind nicht üblich und oft Hinweis auf zweifelhafte Geschäftspraktiken.


• Angebliche Lösung für jedes Problem mit Erfolgsgarantie: Manche Coaches behaupten, wahre Zauberer zu sein. Das klingt verlockend, ist aber unrealistisch. Coaching ist keine Wunscherfüllungsmaschine, und nicht jedes Problem ist durch Coaching zu bewältigen. Der Erfolg eines Coachingprozesses bemisst sich nicht daran, dass ein ganz bestimmtes, zuvor festgelegtes Ergebnis erzielt wird, sondern daran, dass das im Prozess erarbeitete Ergebnis sich als förderlich für die Coachees und ggf. auch für die auftraggebende Institution erweist. Denken Sie an Fußball: Von Ihrer Mannschaft erwarten Sie, dass sie mehr Tore schießt als die Gegner und das Match gewinnt. Sie würden zuvor aber kaum mit dem Kapitän vereinbaren wollen, dass das dritte Tor in der 39. Minute durch Ecke von rechts fällt. Garantie auf im Voraus konkret benannte Ergebnisse ist ausgeschlossen und das Versprechen auf 100 Prozent Erfolg in der Erreichung bestimmter Ziele ist nicht seriös!

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