Die Uhr am Ende der Nacht
Vier der besten Trailrunner:innen der Welt tragen jetzt TUDOR. Eine von ihnen ist Miao Yao. Ein Gespräch über Schlaflosigkeit nach dem Ziel, verletzte Beine und den Grund, warum sie jeden Morgen weiterläuft.
Der HOKA UTMB Mont-Blanc gilt als das härteste Rennen seiner Art. 170 Kilometer rund um das höchste Massiv der Alpen, rund 10.000 Höhenmeter, Temperaturen zwischen minus fünf und plus 35 Grad, eine komplette Nacht ohne Schlaf. Etwa 40 Prozent der Starter:innen geben auf. Wer überhaupt an die Linie darf, gehört zur absoluten Weltspitze. Der UTMB bildet das Finale der UTMB World Series, einer globalen Rennserie mit 64 Veranstaltungen in 29 Ländern, die 2021 aus einer Partnerschaft der UTMB Group mit der IRONMAN Group hervorging.
Seit dieser Saison steht ein neuer Name auf der Partnerliste: TUDOR. Die Genfer Uhrenmarke, 1926 von Rolex-Gründer Hans Wilsdorf ins Leben gerufen und seit 2015 mit eigenen Manufakturwerken unterwegs, positioniert sich seit einem Jahrzehnt mit dem Claim „Born To Dare“ als Marke für Menschen, die an Land, im Wasser und auf dem Eis bewusst an Grenzen gehen. Trailrunning passt in diese Logik, obwohl keine Athletin und kein Athlet im Wettkampf eine mechanische Uhr trägt. Die Marke sieht die Uhr nicht als Werkzeug im Rennen, sie ist das Dokument danach: eine Erinnerung an Jahre der Vorbereitung, an durchlaufene Nächte und an ein Finish, das nicht alle erreichen.

Vier Athlet:innen hat TUDOR dafür unter Vertrag genommen. Courtney Dauwalter aus den USA, die Franzosen Rémi Bonnet und Baptiste Chassagne sowie Miao Yao aus China.
Die Frau, die zwei Disziplinen beherrscht
Miao Yao war 21, als sie 2018 den UTMB-CCC gewann und im selben Jahr die Gesamtwertung der Ultra-Trail World Tour. Seither pendelt sie zwischen zwei Welten, die sich physiologisch eigentlich ausschließen: dem Tempo des Straßenmarathons und der Dauerbelastung alpiner Ultras. 2024 und 2025 gewann sie den UTMB-OCC in Folge. In Asien gilt sie als Gesicht einer Outdoor-Kultur, die in China gerade erst entsteht und in der sie gezielt eine neue Generation von Sportlerinnen stärken will. Beim letzten Rennen ging sie mit einer Verletzung an den Start. Sie kam ins Ziel. Danach sprachen wir mit ihr.

Du hast bereits viel erreicht. Was bringt dich jeden Tag wieder ins Training?
Ich bleibe nicht lange in der Vergangenheit. Wenn ein Tag vorbei ist, ist er vorbei, egal ob er gut oder schlecht war. Am nächsten Morgen beginnt ein neuer Tag. Ich will mich weiterentwickeln, stärker werden und beim nächsten Wettkampf wieder mein Bestes geben.
Wie sieht ein normaler Tag aus?
Training, Essen, Schlafen. Nach einem Rennen ist Erholung das Wichtigste. Nur schlafe ich direkt nach einem Wettkampf oft schlecht.
Warum?
Im Kopf sind noch zu viele Emotionen und Gedanken. Ich gehe das Rennen noch einmal durch und frage mich, was gut lief und was ich hätte besser machen können. Irgendwann versuche ich, diese Gedanken einfach kommen und gehen zu lassen.
Du läufst durch einige der schönsten Landschaften der Welt. Nimmst du das im Rennen überhaupt wahr?
Im Training ja, dann genieße ich die Berge. Im Wettkampf konzentriere ich mich auf jeden Schritt, auf die Atmung, auf den Trail. Für die Umgebung bleibt kaum Aufmerksamkeit.
Bleibt neben dem Training Zeit für etwas anderes?
Kaum. Ich trainiere fast jeden Tag. Eine längere Pause nehme ich mir einmal im Jahr, meist im Dezember. Selbst zum chinesischen Neujahr habe ich nur einen Tag frei, danach geht es weiter.
Welche Rolle spielt Ernährung?
Eine große. Früher habe ich ohne festen Plan gegessen. Heute werde ich dabei betreut. Entscheidend ist, dass ich genug Proteine, Vitamine und andere Nährstoffe für Training und Regeneration bekomme.
Was steht als Nächstes an?
Erholung. Vor dem letzten Rennen war ich bereits verletzt und konnte in den Wochen davor nur eingeschränkt trainieren. Trotzdem wollte ich unbedingt starten. Im Rennen hatte ich dann Schmerzen, vor allem bergab. Jetzt stehen Untersuchungen, Therapie und Regeneration im Vordergrund. Danach richte ich den Blick auf die nächsten Ziele.
Du lebst inzwischen in einer Bergregion in China. Ist das für dein Training ideal?
Absolut. Ich kann direkt in den Bergen trainieren, die Trails liegen praktisch vor meiner Haustür.
Was von der Partnerschaft bleibt
Miao Yao beschreibt ihren Sport ohne Pathos: ein Tagesablauf aus Training, Essen und Schlafen, ein einziger freier Tag zum wichtigsten Fest des Jahres, ein Rennen mit Schmerzen bis zum Ziel. TUDOR kauft sich mit dieser Partnerschaft keine Sichtbarkeit im Wettkampf, denn dort trägt niemand eine mechanische Uhr. Die Marke setzt auf den Moment danach. Auf die Erinnerung an das, was ein Mensch bereit war auszuhalten. Am Handgelenk von Miao Yao wird eine Uhr fortan genau daran erinnern.