39 Unicorns: Deutschlands Start-up-Boom hat einen Haken
Rekordzahl bei Milliarden-Start-ups, acht Milliarden Euro Wagniskapital: Der deutsche Gründerboom läuft. Doch junge Start-ups gehen dabei leer aus.
Neununddreißig Unicorns, Rekordwert, so viele wie seit 2021 nicht mehr: Deutschlands Start-up-Szene meldet Zahlen, von denen die Old Economy nur träumt. Der Haken steckt im Detail, das der Deutsche Start-up Monitor sauber dokumentiert: Das Kapital konzentriert sich auf wenige Rüstungs- und KI-Konzerne, während junge Gründungen zunehmend um jede Finanzierungsrunde kämpfen müssen. Wer jetzt jubelt, sollte genau hinschauen, wer eigentlich profitiert.
Zehn neue Einhörner, eine Richtung
Bis Ende September sind laut Tagesschau zehn neue Start-ups mit einer Bewertung von mindestens einer Milliarde Euro entstanden, darunter Osapiens, Neura Robotics und die Rüstungsfirma Stark Defense. Insgesamt zählt Deutschland damit 39 Unicorns, Rekordwert. Verena Pausder, Vorstandschefin des Start-up-Verbands, bringt die Dynamik auf den Punkt: „Deutschland gründet wieder – in der Breite und auf einer starken technologischen Basis.“
Laut Handelsblatt gehören zu den neuen Milliarden-Start-ups außerdem die Softwarefirma Camunda, die KI-Firma Dash0, das Auto-Abo-Start-up Finn, das Fintech Moss sowie die Fusionsunternehmen Proxima Fusion und Focused Energy und der Batteriespeicheranbieter Cmblu. Zum Vergleich: Im Vorjahr waren zu diesem Zeitpunkt erst fünf neue Einhörner entstanden, die aktuelle Zahl markiert also nicht nur einen Rekord, sondern eine Verdopplung binnen eines Jahres. Die Breite ist allerdings relativ.
Treiber sind Rüstungsfirmen wie Helsing und Quantum Systems sowie KI-Anwendungen, die für 53 Prozent der befragten Start-ups im Zentrum des Produkts stehen, gegenüber 39 Prozent im Jahr 2024. Zwischen Januar und September flossen acht Milliarden Euro Wagniskapital in deutsche Start-ups, mehr als im gesamten Vorjahr. Hält der Trend, könnte 2026 laut Monitor mit zwölf Milliarden Euro den zweithöchsten Wert seit dem Boomjahr 2021 erreichen. Das Handelsblatt ordnet den Aufschwung zudem in den größeren konjunkturellen Kontext ein: Die Start-up-Szene entwickelt sich zum Hoffnungsträger für die deutsche Wirtschaft insgesamt, gerade weil Firmen wie Helsing, Neura Robotics und das auf Kernfusion spezialisierte Proxima Fusion als mögliche Technologieführer der nächsten Generation nach Siemens und SAP gehandelt werden.
Wo das Geld wirklich hinfließt
Genau hier beginnt die Schieflage. Helsing, Quantum Systems und Neura Robotics haben Finanzierungsrunden von weit mehr als einer Milliarde Dollar gestemmt, Summen, die es in Deutschland zuvor nie gab. Trotzdem reichen diese Runden nicht, um im internationalen Vergleich unter die Top Ten der größten Finanzierungsrunden in den USA zu kommen, wie Tagesschau berichtet. Junge Start-ups außerhalb dieser Boombranchen hätten es dagegen immer schwerer, an Geldspritzen zu kommen, so der Verband laut Spiegel.