work wise · Anime

Anime-Boom: Marken pennen beim Milliardenmarkt

Anime-Boom: Marken pennen beim Milliardenmarkt
The Ambition
Erschienen
Lesezeit2 Min · 478 Wörter

Anime und Manga sind in Deutschland längst kein Nerd-Nebenschauplatz mehr: Das modellierte jährliche Konsumvolumen der 16- bis 45-Jährigen liegt laut einer neuen Studie bei rund 1,5 Milliarden Euro. Doch während Millionen Fans längst im Game sind, stehen Marken erstaunlich oft noch vor der Tür.

Fast jede:r Zweite aus Gen Z und Millennials hat in den vergangenen zwölf Monaten Anime oder Manga konsumiert, jede:r Vierte tut es mindestens wöchentlich. Die neuen „Cultureverse Insights Vol. 01: Anime & Manga“ von THE AMBITION und IKAI ZERO, für die Appinio im September 2026 insgesamt 1.200 Menschen in Deutschland befragte, machen vor allem eines deutlich: Hier liegt ein Milliardenmarkt brach, den viele Unternehmen offenbar noch immer nicht auf dem Radar haben.

1,5 Milliarden Euro – und kaum eine Marke greift zu

97 Prozent der Gen Z und Millennials erkennen mindestens einen der 20 abgefragten Anime- oder Manga-Titel. 81 Prozent der aktiven Fans geben Geld für Streaming, Manga, Games, Merchandise oder Events aus. Das daraus modellierte jährliche Konsumvolumen: rund 1,5 Milliarden Euro allein bei den 16- bis 45-Jährigen. Gleichzeitig herrscht im Markenregal gähnende Leere. Bei der offenen Frage, welche Marken die Befragten mit Anime und Manga verbinden, lautet die häufigste Antwort schlicht: keine. Selbst Spitzenreiter Crunchyroll kommt nur auf rund fünf Prozent – und gehört als Streaming-Plattform ohnehin selbst zum Anime-Ökosystem.

95 Prozent offen – aber bitte nicht peinlich

Mehr als 95 Prozent der Fans sind grundsätzlich offen für Markenengagement. Das ist allerdings kein Freifahrtschein für den nächsten halbherzigen Manga-Look auf einer Verpackung. Die Studie unterscheidet elf überlappende Communities mit eigenen Codes, Verhaltensweisen und kulturellen Räumen. Zu den zentralen Gruppen gehören die trendorientierten „Season Surfers“, die tief verwurzelten „Lore Keepers“, die kreativ produzierenden „Reality Shapers“ und die von Kawaii und visueller Selbstexpression geprägten „Soft Hearts“. Fans merken laut IKAI-ZERO-Co-Founder Jonas Selzer schnell, ob eine Marke die Codes der Kultur versteht oder lediglich deren Bildsprache benutzt.

Wer es kapiert, gewinnt

Glaubwürdigkeit kann sich ziemlich brutal auszahlen: 91 Prozent der Fans finden eine Marke sympathischer, wenn sie sich mit erkennbarem Mehrwert in Anime und Manga engagiert. 90 Prozent würden sie eher beim Kauf berücksichtigen, 87 Prozent eher weiterempfehlen. Den größten wahrgenommenen Marken-Fit haben Technologie und Gaming mit 63 Prozent, gefolgt von Musik mit 55 sowie Fashion und Food mit jeweils 50 Prozent. Grundsätzlich ausgeschlossen wird allerdings keine der untersuchten Branchen.

Reinrennen reicht nicht

Die Möglichkeiten reichen von Sponsoring und Brand Experiences über IP-Kollaborationen und Limited Editions bis zur langfristigen Förderung von Creators, Events und Communities. Doch die Studie liefert zugleich die Warnung zum Hype: Nicht jede Marke braucht jetzt panisch ihre eigene Anime-Kollabo. Entscheidend ist, welche Community tatsächlich zur Marke passt und welchen glaubwürdigen Beitrag sie dort langfristig leisten kann. Anders gesagt: Wer nur schnell ein bisschen Manga draufklebt, hat den Milliardenmarkt zwar gesehen – aber noch lange nicht verstanden.

Business Punk