Trump-Zölle: Wer kaum zahlt und wer die Rechnung stattdessen bekommt
Der Supreme Court hat Trumps Zölle gekippt, die EU hat ihre eigenen gestrichen, deutsche Firmen bekommen Geld zurück. Für den Verbraucher in Deutschland ist die Lage ruhiger, als die Schlagzeilen glauben machen.
„Diese Produkte werden jetzt teurer“ – so sehen sie aus, die Zoll-Artikel dieses Jahres. Doch wer die Daten liest, findet für Deutschland vor allem eines: kaum direkte Preiswirkung. Die Rechnung landet woanders.
Das Urteil, das alles verschoben hat
Am 20. Februar 2026 entschied der US-Supreme Court im Fall Learning Resources gegen Trump mit 6 zu 3, dass das Notstandsgesetz IEEPA keine breiten Importzölle erlaubt. Die gegenseitigen Zölle, für die EU zuletzt 15 Prozent, wurden damit ab dem 20. Februar nicht mehr erhoben. Als Ersatz galt von Ende Februar bis zum 24. Juli ein Zoll nach Section 122 von 10 Prozent.
Weiter in Kraft bleiben die Sektorzölle nach Section 232: Seit dem 6. April 2026 gelten 50 Prozent auf gelistete Metalle, bei Pharma ist die EU auf 15 Prozent gedeckelt. Neue Maßnahmen nach Section 301 bringen bestimmte EU-Waren seit Juli auf insgesamt etwa 10 Prozent.
Wer das Geld zurückbekommt
Die US-Zollbehörde erstattet die IEEPA-Zölle samt Zinsen. Zwischen Februar 2025 und Februar 2026 waren rund 166 Milliarden Dollar auf mehr als 53 Millionen Einfuhren erhoben worden. Börsennotierte deutsche Unternehmen haben laut WirtschaftsWoche bereits mehr als 790 Millionen Euro erhalten, darunter DHL mit 416 Millionen, Siemens Healthineers mit rund 200 Millionen und Puma mit etwa 49 Millionen Euro. Die Erstattung geht an den eingetragenen Importeur, der nicht der deutsche Hersteller sein muss.
Die EU räumt ihre eigene Seite
Seit 1. Juli 2026 können US-Industriegüter und Hummer zollfrei in die EU. Die Regelung gilt bis zum 31. Dezember 2029. Die EU-Kommission erwartet davon Preisvorteile für Verbraucher, nennt aber keine Zahlen. Das Kieler Institut hatte schon im April 2025 gesagt, die Preise würden vor allem in den USA steigen, bei uns eher nicht.
Wo es für Deutschland trotzdem wehtut
Die Schmerzgrenze liegt bei den Exporteuren. Im Mai kündigte Trump an, den Zoll auf Autos und Lkw aus der EU von 15 auf 25 Prozent anzuheben. Das Center Automotive Research in Bochum rechnete mit rund 2,5 Milliarden Euro zusätzlicher Kosten pro Jahr für die deutsche Autoproduktion. Ifo-Chef Clemens Fuest warnte vor einer Rezession 2026, falls daraus ein Handelskrieg wird. Ob und in welcher Form die Autozölle gelten, ändert sich laufend und sollte tagesaktuell geprüft werden.
Business Punk Check
Die Zollrechnung zahlt, wer den Zoll abführt, und nicht, wer das Produkt kauft. Das hat sich in diesem Jahr bestätigt: Die Erstattungen zeigen, wo das Geld zuerst floss. Für deutsche Verbraucher entsteht der Schaden indirekt, über Jobs, Investitionen und die Konjunktur.
Für Entscheider heißt das: Prüfen Sie Ihre Lieferkette auf Importeurstatus und Erstattungsansprüche. Und rechnen Sie nicht mit dem Zollsatz von heute. Er hat sich in diesem Jahr dreimal geändert.
Auf einen Blick
- Der US-Supreme-Court entschied am 20. Februar 2026 mit 6 zu 3, dass das IEEPA-Gesetz keine breiten Importzölle erlaubt.
- Die US-Zollbehörde erstattet IEEPA-Zölle mit Zinsen; börsennotierte deutsche Firmen erhielten laut WirtschaftsWoche bereits mehr als 790 Millionen Euro.
- Die EU erhebt seit 1. Juli 2026 keine Zölle mehr auf US-Industriegüter, die Regelung läuft bis Ende 2029.
- Für EU-Autos kündigte Trump im Mai einen Zoll von 25 Prozent an, den das Center Automotive Research mit rund 2,5 Milliarden Euro Kosten pro Jahr für die deutsche Produktion beziffert.
Quellen: Handelskammer Bremen, ms aktuell, Volksstimme, ZDFheute, KI-unterstützt