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Sanders: Google erpresst Schulen – KI akzeptieren, sonst keine Suche

Schulbank mit verriegelter Suchleiste
BP | KI-generiert mit ChatGPT Schulbank mit verriegelter Suchleiste
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Lesezeit4 Min · 817 Wörter

Google kämpft um die Suche im Klassenzimmer. Der Preis: Wer die KI sperrt, verliert die Suche. Senator Bernie Sanders nennt das Erpressung. Googles Antwort folgt.

KI schlucken oder offline bleiben. Das ist der Deal, den Google US-Schulen seit dem 3. November 2026 auf den Tisch legt: Schulen, die Googles Software für die Klassen eins bis zwölf nutzen, bekommen die Suche nur mit aktivierten KI-Funktionen. Wer jede KI-Nutzung ablehnt, steht ohne Google-Suche da.

Senator Bernie Sanders sprach auf X von „extortion“, also Erpressung. Google nennt es das Gegenteil: „more choice, not less“. Es ist der älteste Trick der Plattformökonomie, nur diesmal im Klassenzimmer. Man baut das Produkt, das niemand abwählen kann und hängt das neue daran.

Der Deal: Alles oder nichts

Die Mechanik ist schnell erklärt. Laut Forbes schaltet Google ab dem nächsten Jahr die eingebauten KI-Funktionen für Schüler automatisch ab, Schulen müssen sie aktiv freigeben. Die Suche gehört zu den abgeschalteten Funktionen. Der Haken: Eine Suche ohne KI gibt es nicht mehr. Wie MediaNama berichtet, bietet Google keine Suche ohne AI Overviews und AI Mode an. Wer suchen lassen will, muss die KI zulassen und zwar entweder in der Standardvariante oder als „Guided Learning“, bei dem Schüler Schritt für Schritt Fragen gestellt bekommen statt fertiger Antworten.

Google-Bildungsvizepräsident Chris Phillips begründete das gegenüber der New York Times damit, KI und Suche seien „deeply integrated“. Schüler bekämen das eine nicht ohne das andere. Die Steuerungsoptionen sollen Anfang 2027 greifen, weitere Details will Google in den kommenden Monaten nachliefern.

Warum Schulen nicht einfach wechseln

Wer jetzt „dann nehmen die eben Bing“ ruft, unterschätzt die Lage. Nach Angaben von Forbes nutzen über 150 Millionen Schüler und Lehrkräfte Googles Werkzeuge für Schulen, Chromebooks machen etwa 60 Prozent aller Klassengeräte aus. Ein anderer Suchdienst ist dort, so schreibt es TechCrunch, keine einfache Alternative.

Besonders bitter ist es für Bezirke, die gerade versucht haben, sich zu wehren. New York City und Los Angeles, zusammen rund 1,4 Millionen Schüler, wollen generative KI auf Schulgeräten weitgehend einschränken. Los Angeles hatte gehofft, die normale Suche zu behalten und nur die KI-Übersichten abzuschalten. Genau diesen Kompromiss lässt die neue Regel nicht zu.

Googles Verteidigung: Wir geben doch Auswahl

Google verkauft die Änderung als Gewinn an Kontrolle. Der Konzern verweist darauf, dass Schulen Rückmeldung gegeben hätten, sie wollten Kontrolle und dass die KI in der Schulvariante Antworten bewusst nicht direkt liefern soll. Nach dem Protest stellte Google zudem klar, Gemini, Gemini Notebook und Suche seien standardmäßig aus und Schulen könnten sie einzeln einschalten. Das Wort „einzeln“ trägt allerdings wenig, solange die Suche ohne KI nicht existiert.

Die Kritik kommt von allen Seiten. Neben Sanders attackierte Senator Richard Blumenthal laut TechCrunch Googles Prioritäten: Der Konzern wolle Gemini in Schulen durchsetzen, statt Schülern beim Lernen zu helfen. Die frühere FTC-Chefin Lina Khan sieht ein Kartellproblem, New Yorks Bürgermeister Zohran Mamdani nannte Google einen Monopolisten. Die Senatoren Blumenthal und Hawley hatten den Konzern laut MediaNama bereits am 26. Oktober zu einer Erklärung aufgefordert.

Bildungsforscher Morgan Polikoff von der University of Southern California sprach in der New York Times davon, Google versuche, allen die KI aufzuzwingen. Common Sense Media hatte Googles KI-Suchfunktionen im Juli als „Unacceptable Risk“ eingestuft, Google nannte die dazugehörige Untersuchung eine Prüfung „eines engen Satzes mehrdeutiger und konstruierter Anfragen“.

Und die Vorgeschichte hilft Google nicht: Im August hatte der Konzern KI-Funktionen in Classroom noch standardmäßig eingeschaltet, was Schulleiter und Eltern verärgerte. Die neue Regel kehrt das teilweise um, nimmt Schulen aber die Wahlfreiheit bei der Suche.

Wer Schüler bündelt, erzieht Kunden

Das ist der Teil, den die PR-Abteilung nicht schreibt: Ein Konzern, der Kindern die Suche nur mit KI-Antworten liefert, prägt eine Generation, die gar nicht mehr nach der Alternative fragt. Ob das Absicht ist, belegt keine der ausgewerteten Quellen und Google weist den Erpressungsvorwurf zurück. Dass es strategisch nützt, liegt auf der Hand.

Google zeigt, wie Marktmacht heute funktioniert: nicht über den Preis, sondern über das Paket. Wer das Produkt kontrolliert, das niemand abwählen kann, entscheidet, welches Neue mitgeliefert wird. Ob das Erpressung im juristischen Sinn ist, werden Kartellbehörden und Gerichte klären. Politisch ist die Debatte längst da.

Auf einen Blick

  • Google hat am 3. November 2026 angekündigt, dass Schulen, die Googles Software für die Klassen eins bis zwölf nutzen, die Suche nur mit aktivierten KI-Funktionen bekommen.
  • Google-Bildungsvizepräsident Chris Phillips begründet das damit, Suche und KI seien eng integriert, und spricht von mehr Auswahl für Schulen.
  • Senator Bernie Sanders nannte das Vorgehen auf X Erpressung, Senator Richard Blumenthal, Lina Khan und Zohran Mamdani äußerten ebenfalls scharfe Kritik.
  • Betroffen sind Googles Bildungswerkzeuge mit über 150 Millionen Nutzern, die Steuerungsoptionen sollen Anfang 2027 in Kraft treten.

Quellen: TechCrunch, Forbes, MediaNama, KI-unterstützt

Portrait Uli Weißgerber

Uli Weißgerber

Seit über 25 Jahren verbindet er Medien, Marketing und Technologie. Von Sport1.de über ProSiebenSat.1 und Bertelsmann bis zur Entwicklung innovativer Geschäftsmodelle. Mit getperformance revolutionierte er das TV-Tracking und brachte Marken wie Trivago ins Fernsehen. Als Unternehmer entwickelte er mit seinem Team den VIPS – Value & Impact Publishing Service und bespielt damit unter anderem digitale Plattformen wie Promipool, Buzzfeed.de und Business-Punk.com.