Apple-Umbau: Ternus opfert Management für KI-Tempo
John Ternus räumt kaum einen Monat nach Amtsantritt mit Apples Führungsschichten auf und setzt auf KI-Tempo statt Frühjahr-Herbst-Rhythmus. Das Timing sagt viel über den Druck aus, unter dem der neue CEO steht.
John Ternus ist seit Anfang September Apple-Chef, als Nachfolger von Tim Cook. Schon jetzt plant er demnach, wie WirtschaftsWoche berichtet, einen weitreichenden Konzernumbau.
Im Zentrum stehen ein schlankeres mittleres Management, eine mögliche Abkehr vom traditionellen Frühjahr-Herbst-Veröffentlichungszyklus und eine stärkere Rolle von Künstlicher Intelligenz in der Produktentwicklung. Für einen Konzern, der jahrzehntelang auf feste Rhythmen und tiefe Hierarchien setzte, wäre das ein Bruch mit der eigenen Tradition. Bemerkenswert ist auch das Tempo: Kaum vier Wochen im Amt, greift Ternus bereits in gewachsene Strukturen ein, die unter Cook über Jahre stabil blieben.
Schlankere Hierarchien, kürzere Wege
Ternus will laut WirtschaftsWoche Stellen im mittleren Management streichen, um die Distanz zwischen Entwicklerteams und Konzernspitze zu verringern. Die Hardware-Sparte hat demnach bereits begonnen, Positionen im Projektmanagement abzubauen, betroffen sind rund ein halbes Dutzend Direktoren. Das ist ein struktureller Eingriff: Wer Ebenen entfernt, verändert auch Entscheidungswege und Machtverhältnisse im Unternehmen.
Für ein Unternehmen der Größe Apples ist das ein ungewöhnlich früher Eingriff eines neuen CEOs, noch dazu ohne offizielle Bestätigung des Konzerns selbst. Eine Stellungnahme von Apple lag laut Handelsblatt zunächst nicht vor. Bemerkenswert ist zudem die Symbolik dahinter: Ternus, selbst langjähriger Hardware-Chef unter Cook, greift ausgerechnet in jene Sparte ein, die er zuvor selbst verantwortete. Das deutet darauf hin, dass die Umbaupläne nicht von außen aufgezwungen wirken, sondern aus eigener Kenntnis der internen Reibungsverluste entstehen.
Kürzungen bei Siri und Vision Pro
Besonders auffällig sind laut WirtschaftsWoche die Einschnitte ausgerechnet in jenen Bereichen, die als Apples KI-Zukunft galten: Siri, das Headset Vision Pro und die KI-Softwareentwicklung verzeichnen demnach erhebliche Kürzungen. Das wirkt paradox, wenn gleichzeitig KI als strategischer Hebel für die Produktentwicklung dienen soll.
Wahrscheinlicher ist eine Umschichtung statt eines Rückzugs: Ternus sucht offenbar nach neuen Einnahmequellen und trennt sich von Strukturen, die nicht performen, während er anderswo auf KI-Tempo setzt. Belegt ist bislang nur der Abbau selbst, nicht dessen genaue strategische Zielrichtung. Gerade Siri und Vision Pro galten intern lange als Prestigeprojekte, deren schleppende Fortschritte zuletzt öffentlich Kritik auf sich zogen. Dass ausgerechnet dort Personal abgebaut wird, lässt sich als Eingeständnis lesen, dass frühere Ansätze nicht den erhofften Fortschritt brachten.
Abschied vom festen Produktzyklus
Der zweite große Baustein betrifft den Marktauftritt selbst. Apple erwägt laut Handelsblatt, den festen Rhythmus aus Frühjahrs- und Herbstvorstellungen aufzugeben, um Produkte in kürzeren Abständen zu veröffentlichen. Das würde nicht nur Marketingpläne durcheinanderwirbeln, sondern auch Zulieferer, Handelspartner und Investoren zwingen, sich auf ein volatileres Muster einzustellen.
Zugleich soll Künstliche Intelligenz nach Angaben aus dem Bericht Aufgaben von Beschäftigten übernehmen und die Entwicklung beschleunigen. Damit verknüpft Ternus zwei Baustellen, die bislang getrennt liefen: Organisationsstruktur und Produkttakt, beide unter dem Vorzeichen von mehr KI-Einsatz. Ein solcher Bruch mit dem seit Jahren etablierten Kalender wäre für Apple ein weitreichender Schritt, weil sich Handel, Presse und Kundschaft an den festen Rhythmus gewöhnt haben.
Auf einen Blick
- John Ternus, seit Anfang September Apple-CEO, plant laut Bloomberg einen weitreichenden Konzernumbau mit schlankerem Management.
- Die Hardware-Sparte hat laut WirtschaftsWoche bereits begonnen, Projektmanagement-Stellen abzubauen, betroffen sind rund ein halbes Dutzend Direktoren.
- Erhebliche Kürzungen betreffen laut WirtschaftsWoche die Teams für Siri, Vision Pro und KI-Softwareentwicklung.
- Apple erwägt laut Handelsblatt eine Abkehr vom traditionellen Frühjahr-Herbst-Veröffentlichungszyklus zugunsten kürzerer Produktabstände.
Quellen: WirtschaftsWoche, Handelsblatt, KI-unterstützt