Heizkosten 2026: Öl wird teuer, Gas nur auf Zeit billig
Ölheizungen verteuern sich 2026 um 24 Prozent, Gas wird günstiger. Der neue Heizspiegel deutet darauf hin: Wer jetzt nicht umsteigt, traegt langfristig ein hoeheres Kostenrisiko.
Eine Ölheizung kostet 2026 satte 24 Prozent mehr als im Vorjahr, während Gaskunden sich über sinkende Preise freuen dürfen. Diese Schere zwischen den Heizarten ist mehr als eine Randnotiz für Häuslebauer, sie ist ein handfestes Konjunktursignal für Energiewirtschaft, Baubranche und Heizungshersteller.
Der neue Heizspiegel der Beratungsgesellschaft co2online, den Oekotest veröffentlichte und den auch Adac aufgriff, liefert die Zahlen dazu und sie zeichnen ein Bild wachsender Ungleichzeitigkeit auf dem deutschen Heizungsmarkt.
Öl und Pellets ziehen deutlich an
„Besonders Heizöl und Holzpellets dürften deutlich teurer werden“, heißt es im aktuellen Heizspiegel für 2026. Für eine 70-Quadratmeter-Wohnung im Mehrfamilienhaus rechnet co2online mit einem Anstieg bei Heizöl um 24 Prozent auf 1.275 Euro Jahreskosten, wobei der Irankrieg als möglicher Preistreiber gilt.
Bei Holzpellets liegt das Plus bei 17 Prozent auf 870 Euro, als möglicher Hauptgrund gilt die anhaltende Knappheit der Pellet-Rohstoffe infolge der schwachen Baukonjunktur, wie Adac berichtet. Auffällig ist, dass beide Werte für dieselbe Referenzwohnung errechnet wurden, was die Vergleichbarkeit für Haushalte erleichtert, die vor einer Heizungsentscheidung stehen. Laut Adac zeigen sich ähnliche Kostenentwicklungen auch für ein durchschnittliches 130 Quadratmeter großes Einfamilienhaus, die Schere zwischen fossilen und erneuerbaren Systemen zieht sich also durch alle Wohnformen.
Gas wird zum überraschenden Gewinner
Wer mit Erdgas heizt, kann trotz gestiegener Großhandelspreise mit einem leichten Rückgang um vier Prozent auf 1.120 Euro rechnen. „Durch geringe Beschaffungskosten zum Jahresbeginn und den Wegfall der Gasspeicherumlage könnten die Heizkosten im Jahresdurchschnitt leicht sinken“, begründet co2online diese Prognose.
Die Entlastung gilt allerdings nicht dauerhaft: Steigende Großhandelspreise könnten mit Verzögerung durchschlagen und die Gaskosten Ende 2026 oder 2027 wieder anheben, wie ein Sprecher der Gesellschaft gegenüber Adac einräumte. Bei Fernwärme steigen die Kosten moderat um ein Prozent auf 1.310 Euro, bei Wärmepumpen um drei Prozent auf 735 Euro. Diese Werte zeigen, dass selbst die Heizarten mit Kostenanstieg im Vergleich zu Öl und Pellets fast stabil wirken, ein Effekt, der die Debatte um die richtige Heiztechnik zusätzlich befeuert.
Wärmepumpe bleibt der Preisanker
Langfristig verschiebt sich die Kostenstruktur zugunsten erneuerbarer Systeme. „Die Kosten für Wärmepumpen werden dagegen deutlich langsamer steigen und voraussichtlich dauerhaft am niedrigsten bleiben“, erklärt ein Sprecher laut Oekotest. Bis 2045 könnten sich die Heizkosten für Gas- und Ölheizungen mehr als verdoppeln, getrieben durch steigende CO2-Kosten, höhere Netzentgelte und gesetzlich vorgeschriebene Beimischungen wie Biomethan oder Wasserstoff, wie es sowohl bei Oekotest als auch bei Adac heißt.
Bei Fernwärme und Holzpellets rechnet co2online in den nächsten 20 Jahren dagegen nur mit einem moderaten Kostenanstieg, was diese beiden Heizarten preislich zwischen die günstige Wärmepumpe und die teurer werdenden fossilen Systeme einordnet. Für Immobilienbesitzer und Bauunternehmen könnte das eine wichtige Kalkulationsgrundlage sein, für Öl- und Pelletanbieter ein mögliches Absatzrisiko. Bemerkenswert ist dabei die politische Gegenposition: Der Einbau reiner Gas- und Ölheizungen ist wieder erlaubt, obwohl die eigenen Langfristzahlen der Branche gegen genau diese Systeme sprechen. „Wer heute eine neue Heizung plant, sollte diese Entwicklung kennen, auch wenn der Einbau von reinen Gas- und Ölheizungen wieder erlaubt ist“, mahnt ein Sprecher laut Adac.
Sparpotenzial bleibt ungenutzt
Rund 90 Prozent aller Haushalte verfügen laut co2online noch über Sparpotenzial. „Noch größere Einsparungen ermöglichen Heizungsoptimierungen, Dämmmaßnahmen oder der Umstieg auf erneuerbare Heizsysteme.“ Im Schnitt ließen sich in einer Wohnung laut Tagesschau rund 465 Euro pro Jahr einsparen, allein durch richtiges Heizen und Lüften könnten Haushalte den Energieverbrauch um bis zu zehn Prozent senken.
Damit liegt der größte Hebel für viele Haushalte nicht im teuren Heizungstausch, sondern im alltäglichen Verhalten, ein Punkt, den sowohl Oekotest als auch Adac in ihrer Berichterstattung betonen. Erst wenn dieses Potenzial ausgeschöpft ist, rücken laut co2online größere Investitionen wie Dämmmaßnahmen oder ein Heizungswechsel in den Fokus, die zwar höhere Anfangskosten verursachen, aber auf lange Sicht die stärkere Wirkung entfalten.
Business Punk Check
Die Politik erlaubt wieder den Einbau reiner Gas- und Ölheizungen, während die eigenen Prognosen zeigen, dass genau diese Systeme bis 2045 finanziell zum Bumerang werden. Das ist kein Widerspruch, den man wegdiskutieren kann: Wer heute in fossile Technik investiert, kauft ein Kostenrisiko mit Verfallsdatum, dessen Rechnung erst in einigen Jahren fällig wird. Für Bauträger, Vermieter und Hersteller entscheidet sich hier eine Marktstruktur neu. Wärmepumpen-Anbieter bekommen ein handfestes Preisargument, Öl- und Pelletbranche stehen vor einem schrumpfenden, aber kurzfristig noch lukrativen Markt. Wer als Investor oder Entscheider jetzt auf Sicht fährt, sollte die Kurzfrist-Entlastung bei Gas nicht mit langfristiger Stabilität verwechseln.
Auf einen Blick
- Heizöl verteuert sich 2026 laut Heizspiegel um 24 Prozent auf 1.275 Euro, Holzpellets um 17 Prozent auf 870 Euro.
- Erdgas wird um vier Prozent günstiger auf 1.120 Euro, die Entlastung gilt jedoch nicht dauerhaft.
- Wärmepumpen bleiben laut co2online mit einem Plus von drei Prozent auf 735 Euro dauerhaft die günstigste Heizart.
- Rund 90 Prozent der Haushalte haben ungenutztes Sparpotenzial von durchschnittlich 465 Euro pro Jahr.
Quellen: Oekotest, Adac, Tagesschau, KI-unterstützt