Ist Fernsehen beim Essen wirklich so schlimm?
Essen vor dem Fernseher hat einen schlechten Ruf – aber ist es wirklich so ungesund? Studien zeigen, dass Ablenkung durch TV das Essverhalten negativ beeinflussen kann.
Die Versuchung ist groß: Nach einem langen Tag einfach auf die Couch fallen, den Fernseher einschalten und dabei das Abendessen genießen. Doch ist das wirklich eine gute Idee? Oder sabotiert das Essen vor dem Fernseher die Bemühungen, gesund zu leben? Dieser Frage gehen wir auf den Grund.
Die dunkle Seite des TV-Dinners
Der Begriff „TV-Dinner“ stammt aus dem frühen 20. Jahrhundert und weckt oft Assoziationen mit stark verarbeiteten, salzigen und zusatzstoffreichen Fertiggerichten. Doch auch wenn das Essen vor dem Fernseher gesünder gestaltet wird, bleibt die Frage: Macht die Ablenkung durch das TV-Programm all die gesunden Entscheidungen zunichte?
Ablenkung und Erinnerung
Monique Alblas, Assistenzprofessorin für Kommunikationswissenschaft an der Universität Amsterdam, hat herausgefunden, dass Menschen länger essen, wenn sie dabei fernsehen. Laut BBC zeigen Ihre Studien, dass die Ablenkung durch den Fernseher dazu führt, dass wir nicht merken, wie viel wir tatsächlich essen. Die Daten des Niederländischen Instituts für Sozialforschung belegen, dass die Essensdauer an Tagen, an denen gleichzeitig ferngesehen wird, länger ist als an Tagen ohne TV-Begleitung.
Geschmack und Zufriedenheit
Floor van Meer, Neurowissenschaftlerin und Forscherin im Bereich Lebensmittelsicherheit, hat herausgefunden, dass abgelenktes Essen den Geschmack beeinträchtigen kann. In einer Studie mussten Teilnehmer während des Essens entweder eine kurze oder lange Zahl merken. Diejenigen, die sich längere Zahlen merken mussten, empfanden ihr Essen als weniger süß und zeigten weniger Aktivität in den Hirnregionen, die mit Geschmackswahrnehmung verbunden sind. Dies könnte erklären, warum man nach dem Essen vor dem Fernseher schneller wieder Hunger hat.
Emotionen und Essverhalten
Unsere emotionale Verfassung spielt ebenfalls eine große Rolle beim Essen vor dem Fernseher. Van Meer erklärt gegenüber BBC, dass wir dazu neigen, mehr zu essen, wenn wir uns langweilen oder unzufrieden sind. Eine Studie zeigte, dass Teilnehmer, die eine langweilige Kunstvorlesung sahen, mehr aßen als diejenigen, die eine spannende Serie sahen oder gar nichts schauten.
Fernanda Rauber, Forscherin am Zentrum für Epidemiologische Forschung in Ernährung und Gesundheit in São Paulo, fand heraus, dass Kinder, die beim Fernsehen Werbung für Lebensmittel sehen, eher zu stark verarbeiteten Lebensmitteln greifen. Diese Art von Lebensmitteln wird oft als bequemer angesehen und ist mit Fettleibigkeit und anderen Krankheiten verbunden.
Die Komplexität der Ablenkung
Interessanterweise kann Ablenkung auch dazu führen, dass wir weniger essen. Van Meer berichtet von niederländischen Grundschulen, die den Schultag verkürzen und die Schüler während des Unterrichts essen lassen. Viele Eltern berichten, dass ihre Kinder mit vollen Brotdosen nach Hause kommen, weil sie zu abgelenkt waren, um zu essen.
Sollte man das Essen vor dem Fernseher vermeiden?
Die Forschung zeigt, dass das Essverhalten durch viele Faktoren beeinflusst wird, einschließlich der Art der TV-Inhalte. Dick Stevenson, Professor für Psychologische Wissenschaften an der Macquarie University in Sydney, erklärt gegenüber BBC, dass spannende Programme uns vom Essen ablenken können, während langweilige uns dazu bringen, mehr zu essen.
Essen vor dem Fernseher ist also ein komplexes Thema. Es gibt viele Wege, wie das TV-Programm unser Essverhalten beeinflussen kann – von der Art des Programms bis hin zu den beworbenen Lebensmitteln. Es lohnt sich, darüber nachzudenken, ob man wirklich den Fernseher einschalten möchte, wenn man eine Mahlzeit genießt. Schließlich könnte es gesünder sein, das Essen bewusst und ohne Ablenkung zu genießen.