Rente mit 63: Wenn 45 Jahre nicht gleich 45 Arbeitsjahre sind
Die Rentenkommission will die Rente mit 63 kippen. 3,4 Millionen Menschen nutzten sie bereits, doch laut einer älteren Auswertung der Deutschen Rentenversicherung erfüllen weniger als 60 Prozent der Berechtigten diese 45 Jahre ausschließlich mit Erwerbszeiten. Eine teure Regelung steht vor dem Ende.
„Seit 2014 haben 3,4 Millionen Menschen die abschlagsfreie Rente mit 63 in Anspruch genommen, knapp 30 Prozent aller Neuzugänge bei den Altersrenten“, wie der Wirtschaftsweise Martin Werding laut Rp Online erklärt. Jetzt will die Rentenkommission der Bundesregierung genau dieses Instrument abschaffen.
Für Unternehmen und Sozialkassen geht es dabei um mehr als Symbolpolitik: Es geht um die Frage, wer erfahrene Fachkräfte wie lange im Arbeitsmarkt hält.
Die 45-Jahre-Diskrepanz
Die Bezeichnung 45 Versicherungsjahre suggeriert lückenlose Erwerbsarbeit. Tatsächlich erfüllen weniger als 60 Prozent der Berechtigten diese Zeit allein durch Erwerbsjahre, bei Männern sind es rund drei Viertel, bei Frauen nur ein Drittel, wie Werding laut Rp Online einordnet.
Erziehungszeiten, Wehr- und Zivildienst, Arbeitslosengeld-Phasen oder Pflegezeiten zählen mit. Die Deutsche Rentenversicherung stellt klar, dass Versicherungsjahre systematisch nicht mit Arbeitsjahren gleichzusetzen sind, was politische Debatten immer wieder verzerre.
Wer wirklich profitiert
145.194 Männer und 117.167 Frauen gingen zuletzt erstmals über die Rente für besonders langjährig Versicherte in den Ruhestand, so Rp Online unter Berufung auf die Rentenversicherung. Die durchschnittliche Bruttorente der Männer lag bei 2.095 Euro, die der Frauen bei 1.672 Euro.
Nach Abzug von Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträgen bleiben laut Werding rund 1.680 Euro im Monat, während Versicherte mit nur 35 Jahren und Abschlägen im Schnitt bei 1.260 Euro landen. Diese Differenz zeigt den finanziellen Unterschied zwischen frühem und spaeterem Renteneintritt.
Was der Mittelstand zahlt
Für Betriebe mit Fachkräftemangel bedeutet jeder frühzeitige Renteneintritt einen Verlust an Erfahrungswissen, den Nachwuchskräfte nicht sofort kompensieren. Die Deutsche Rentenversicherung beziffert die durchschnittliche Bruttoaltersrente nach 45 Versicherungsjahren auf 1.806 Euro, ein Wert, der ohne die drei Säulen der Alterssicherung wenig über den tatsächlichen Lebensstandard aussagt.