Tanken im Ausland: Deutschlands Extra-Steuer an der Zapfsäule
Bis zu 45 Cent Unterschied pro Liter: Warum Nachbarländer wie Tschechien, Polen und Luxemburg günstiger tanken lassen und wo sich der Umweg wirklich rechnet.
Eine Tankfüllung Benzin kostet in Kroatien laut ADAC rund 23 Prozent weniger als in Deutschland. Das ist kein Zufall, sondern das Ergebnis unterschiedlicher Steuerpolitik, staatlicher Preisdeckel und einer Ölkrise, die europäische Regierungen zu sehr unterschiedlichen Antworten gezwungen hat.
Wer jetzt über die Grenze fährt, tankt nicht einfach billiger, er profitiert von politischen Entscheidungen, die deutsche Verbraucher so nicht bekommen. Noch deutlicher wird der Unterschied bei einer 50-Liter-Tankfüllung: Wer hierzulande rund 113 Euro für Benzin zahlt, kommt in Slowenien mit etwa 81,50 Euro davon, in Ungarn mit rund 82 Euro. Das sind Ersparnisse von über 30 Euro pro Tankfüllung, die sich vor allem für Vielfahrer und Firmenflotten summieren.
Preisbildung ist Politik, kein Zufall
In Luxemburg legt der Staat alle paar Wochen einen Höchstpreis fest, an den sich praktisch jede Tankstelle hält, so Tagesschau. Belgien geht noch weiter: Dort berechnet die Generaldirektion Energie den Höchstpreis täglich neu, ein Mechanismus aus der Ölkrise 1974. Frankreich verzichtet auf staatliche Eingriffe, hat aber einen freiwilligen Deckel von TotalEnergies, der Benzin auf 1,99 Euro und Diesel auf 2,25 Euro pro Liter begrenzt.
Kroatien wiederum begrenzt die Höchstpreise per Regierungsbeschluss für Benzin, Diesel, blauen Diesel und Flüssiggas in Flaschen und Kanistern, klammert dabei aber Premiumkraftstoffe und höhere Oktanzahlen aus, wie Adac dokumentiert. Deutschland kennt solche Instrumente nicht, obwohl der Liter Benzin hierzulande laut ADAC bei 2,26 Euro und Diesel bei 2,32 Euro liegt. Die EU-Kommission beziffert die Preisspanne zwischen den Mitgliedstaaten bei Super E10 mittlerweile auf über einen Euro, bei Diesel auf rund 70 Cent, ein Ausmaß, das zeigt, wie unterschiedlich Steuerlast und Markteingriffe in Europa gehandhabt werden.
Wer profitiert, wer zahlt drauf
Am deutlichsten ist der Vorteil im Osten: In Tschechien und Polen kostet der Liter Benzin rund 1,81 Euro, ein Preisvorteil von etwa 45 Cent gegenüber Deutschland. Österreich liegt mit 1,91 Euro für Benzin und 2,13 Euro für Diesel ebenfalls deutlich darunter, gestützt durch eine bis Ende September verlängerte Spritpreisbremse, die die Mineralölsteuer um 1,9 Cent je Liter senkt. Italien verbilligt Diesel noch bis zum 17. September durch eine Steuerentlastung. Auch in Spanien, der Slowakei, Slowenien und Ungarn bleiben sowohl Benzin als auch Diesel unter der Zwei-Euro-Marke, während Portugal, Italien und Griechenland als Ausreißer gelten und über diese Schwelle steigen. Besonders günstig zeigt sich Schweden: Dort kostet der Liter Benzin nur 1,59 Euro, Diesel 1,90 Euro, womit Benzinfahrer hier europaweit am stärksten sparen. Wer die Schweiz durchquert, sollte beim Diesel dagegen nicht auf Ersparnis hoffen, mit 2,44 Euro pro Liter liegt das Land nahezu gleichauf mit den Niederlanden.