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Reverion: 154 Millionen für frischen Gas-Dauerstrom für Europas KI

Das Führungsteam von Reverion.
ABGEDREHT GmbH / Reverion GmbH Das Führungsteam von Reverion.
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Reverion holt 154 Mio. Euro für eine Brennstoffzellen-Fabrik. Ein zentraler Treiber: Rechenzentren brauchen Dauerstrom, den Wind und Solar nicht zuverlässig liefern können.

Sieben Kraftwerke sind bislang im Feld, jetzt soll daraus eine Serienfertigung mit 250 Megawatt Jahreskapazität werden. Reverion aus dem oberbayerischen Eresing hat eine Series-B-Finanzierung über 154,2 Mio. Euro (175 Mio. Dollar) abgeschlossen, wie berichtet. Angeführt wird die Runde von Kembara, dem Deeptech- und Klimafonds von Mundi Ventures, mit an Bord unter anderem Allianz, KfW Capital, Aurum Impact und Carbon Equity sowie die Bestandsinvestoren Extantia, Energy Impact Partners, UVC Partners, der European Innovation Council Fund, alfa8 und Possible Ventures.

Das eigentlich Interessante daran ist nicht die Summe, sondern wofür sie steht: ein Wettlauf um Dauerstrom für Europas KI-Infrastruktur. Robert Trezona, Climate Lead bei Kembara, bringt die Investitionslogik gegenüber Eu Start-ups auf den Punkt: Festoxid-Brennstoffzellen seien der effizienteste Weg, Gas in Strom umzuwandeln und Reverion setze in diesem Feld den globalen Maßstab. Der eigentliche Wachstumsmarkt liege in der Stromversorgung von Rechenzentren, wo der negative CO2-Fußabdruck ebenso zähle wie die Effizienz. Hyperscaler bräuchten massive, verlässliche Leistung, könnten aber bei ihren Klimazielen keine Kompromisse eingehen, so Trezona weiter.

Vom Biogashof zum KI-Stromlieferanten

Reverion baut Festoxid-Brennstoffzellen, die Gas ohne Verbrennung elektrochemisch in Strom umwandeln und dabei laut Unternehmensangaben einen elektrischen Wirkungsgrad von 74,2 Prozent erreichen. Munich Start-up ordnet diesen Wert im Vergleich zum bisherigen Rekordhalter, dem britischen Gaskraftwerk Keadby 2 mit 64,18 Prozent, als außergewöhnlich hoch ein. Ursprünglich kam die 2022 als TUM-Spin-off gegründete Firma aus dem Umfeld landwirtschaftlicher Biogasanlagen.

Nun verschiebt sich der Fokus, wie Munich Start-up dokumentiert, klar in Richtung Rechenzentren. Wie berichtet, erinnert die Grundidee an die klassische Brennstoffzelle aus Auto-Baukästen für Kinder, bei der aus Gas unter Zugabe von Sauerstoff sauberer Strom und Wasser entstehen. Für den großflächigen Einsatz in Autos hat sich die Technologie nie durchgesetzt.

Reverion setzt sie stattdessen in Anlagen von der Größe eines Schiffscontainers ein und betreibt sie bei deutlich höheren Temperaturen als frühere Generationen. Besonders daran ist die Reversibilität des Systems: Die Anlagen wandeln nicht nur Gas in Strom, sondern im Elektrolyse-Modus auch überschüssigen Strom zurück in speicherbares Gas. Das im Gasstrom anfallende CO2 lässt sich laut Unternehmensangaben in reiner Form abscheiden, weiterverwenden oder dauerhaft speichern. Wird erneuerbares Biogas als Brennstoff genutzt, ist der Ursprung des CO2 biogen, wodurch der Betrieb der Anlage rechnerisch carbon-negativ wird.

Der Mechanismus dahinter ist simpel und für die deutsche Industriepolitik hoch relevant: Wo Netzanschlüsse für neue Rechenzentren Jahre auf sich warten lassen, könnten Betreiber mit Reverion-Anlagen Strom direkt vor Ort aus vorhandener Gasinfrastruktur erzeugen. Das umgeht Netzengpässe, macht aber auch deutlich, wie sehr die Energiewende an der Geschwindigkeit des Netzausbaus hängt, nicht nur am Zubau erneuerbarer Kapazitäten. Zudem betont Reverion, dass diese Stromversorgung unabhängig von der Preisvolatilität an den Strommärkten funktioniert und nicht an das Tempo des Netzausbaus gekoppelt ist.

Vom Prototyp zur Massenproduktion

Die neue Finanzierungsrunde markiert für Reverion einen Sprung: Nach einer Series A von rund 56 Mio. Euro (62 Mio. Dollar) im Jahr 2024 folgt nun fast das Dreifache. Damals hatte das Unternehmen bereits Kunden-Vorbestellungen von etwa 88 Mio. Euro (100 Mio. Dollar) gemeldet. Mit dem frischen Kapital soll demnach eine neue Megafactory in Deutschland entstehen, die Produktionskapazität verzehnfachen und bis zu 800 zusätzliche Arbeitsplätze schaffen.

Am Stammsitz Eresing ist das Team bereits von 100 auf mehr als 200 Beschäftigte gewachsen. CEO Stephan Herrmann sagte gegenüber Business Insider: „Was die Welt braucht, ist sauberer Strom auf Abruf.“ Zur Standortsuche erklärte er: „Wir suchen vor allem Standorte mit Fachkräften, guter Infrastruktur, Strom- und Gasanschluss sowie ausreichend Fläche.“ Der Fokus liege dabei klar auf Europa, außerhalb plane Reverion aktuell keine Produktion, so Herrmann weiter.

Gegenüber Eu Start-ups ergänzte Herrmann, die Finanzierung lege das Fundament für die industrielle Massenproduktion und erlaube es, das Produkt bis in die Megawatt-Klasse zu skalieren, was völlig neue Märkte erschließe. Auch COO und Mitgründer Felix Fischer verweist gegenüber Eu Start-ups auf die international rasant wachsende Nachfrage: Versorger und Industriekunden erkennten zunehmend, dass echte Energiesicherheit steuerbare, saubere Leistung voraussetze.

Mit sieben im Feld laufenden Kraftwerken und einer auf 500 Kilowatt gesteigerten Leistung pro Einheit stelle das frische Kapital sicher, dass der bestehende Auftragsrückstand zügig abgearbeitet werden könne und das Unternehmen auf dem Weg zur langfristigen Profitabilität bleibe.

Die ersten internationalen Projekte außerhalb des deutschen Heimatmarkts sollen bereits im laufenden Jahr ausgeliefert werden. Die von Reverion genannte Projektpipeline soll ein Umsatzpotenzial von mehr als 1,76 Mrd. Euro (2 Mrd. Dollar) umfassen. Wichtig für die Einordnung: Es handelt sich um eine Pipeline, nicht um gesicherte Umsätze.

Auf einen Blick

  • Reverion hat eine Series-B-Finanzierung über 154,2 Mio. Euro (175 Mio. Dollar) unter Führung von Kembara abgeschlossen.
  • Das Kapital soll demnach eine neue Megafactory in Deutschland mit zehnfacher Produktionskapazität (250 Megawatt jährlich) und bis zu 800 zusätzlichen Arbeitsplätzen finanzieren.
  • Die Brennstoffzellentechnologie erreicht laut Unternehmensangaben einen elektrischen Wirkungsgrad von 74,2 Prozent und gilt als Rekordwert für thermische Kraftwerke.
  • Rechenzentren gelten inzwischen als zentraler Wachstumsmarkt, weil Reverions Systeme laut Unternehmensangaben Strom unabhängig von Netzengpässen direkt vor Ort erzeugen können.

Quellen: Eu Startups, Munich Startup, businessinsider.de, KI-unterstützt

Portrait Uli Weißgerber

Uli Weißgerber

Seit über 25 Jahren bewegt er sich an der Schnittstelle von Medien, Marketing und Technologie. Stationen? Sport1, ProSiebenSat.1, Bertelsmann – er war beim Start von Sport1.de dabei hat unter anderem die erste Affiliate-Kampagne in Polen ausgerollt hat. Später hat er mit getperformance das erste TV-Performance-Tracking entwickelt und Marken wie Trivago ins Fernsehen katapultiert. Als Gesellschafter von Promipool wurde er Publisher und baute ein starkes, unabhängiges Content-Portfolio auf. Heute bringt er mit seinem Team und Partnern eigene, komplexe KI-Workflow-Lösungen in Verlage und Agenturen, die mehr können als Buzzwords – unter anderem steuern sie die komplette digitale Plattform von Business-Punk.com.