work wise · Finanzpaket Steuerzahler Auswirkungen

Schulden-Offensive: Steuerzahler, das kommt auf dich zu!

Friedrich Merz und Lars Klingbeil
picture alliance/dpa | Michael Kappeler Lars Klingbeil (l), SPD Fraktionschef und Bundesvorsitzender, spricht mit Friedrich Merz, CDU/CSU Fraktionsvorsitzender und CDU Bundesvorsitzender, in den hinteren Sitzreihen der Union während der 213. Plenarsitzung der 20. Legislaturperiode im Deutschen Bundestag. In dieser und einer noch folgenden Sondersitzung des alten Bundestages sollen nach dem Willen von Union und SPD ein milliardenschweres Sondervermögen und eine Reform der im Grundgesetz verankerten Schuldenbremse beschlossen werden. Ziel sind Investitionen in Infrastruktur und Verteidigung.
Erschienen
Aktualisiert
Lesezeit4 Min · 768 Wörter
Seite2 / 3

Wohin das Geld fließen soll

Das Schuldenpaket setzt klare Prioritäten bei der Mittelverwendung:

  1. Verteidigung: Ausgaben für Verteidigung, Zivilschutz, Cybersicherheit und Nachrichtendienste fallen nur bis zu einer Grenze von einem Prozent der Wirtschaftsleistung unter die Schuldenbremse. Alles darüber hinaus kann unbegrenzt mit Krediten finanziert werden.
  2. Infrastruktur: Ein 500-Milliarden-Sondervermögen soll zwölf Jahre lang für Investitionen in die Infrastruktur zur Verfügung stehen. 100 Milliarden Euro davon fließen in den Klima- und Transformationsfonds, der unter anderem Zuschüsse für Wärmepumpen finanziert.
  3. Länderfinanzen: Die Bundesländer dürfen künftig gemeinsam Kredite in Höhe von 0,35 Prozent des BIP aufnehmen – aktuell etwa 15 Milliarden Euro. Zudem erhalten sie 100 Milliarden Euro aus dem Infrastruktur-Sondervermögen.

Wirtschaftlicher Turbo oder Verschwendungsmaschine?

Trotz der massiven Verschuldung sehen viele Experten in dem Paket eine Chance für die deutsche Wirtschaft. Eine Studie der Beratungsgesellschaft EY mit der DekaBank prognostiziert allein durch die Steigerung der Verteidigungsausgaben auf drei Prozent jährliche Zusatzausgaben von 65 Milliarden Euro, die 660.000 Arbeitsplätze in Europa schaffen oder sichern könnten.

Marcel Fratzscher, Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), bewertet das Schuldenpaket gegenüber „merkur.de“ als „Paradigmenwechsel für Politik und Gesellschaft“ und „riesige Chance, Deutschland zukunftsfähig zu machen“. Er mahnt jedoch, das Geld müsse tatsächlich in Infrastruktur und Sicherheit fließen: „Wenn der Staat mehr Geld ausgibt, um Renten zu erhöhen, um zusätzliche Staatsbedienstete einzustellen, um Gehälter zu erhöhen, dann heißt das nicht mehr Wachstum, sondern weniger Wachstum.“

Portrait Business Punk Redaktion

Business Punk Redaktion

Hier schreibt die Business-Punk-Redaktion. Mal er, mal sie, mal gar keiner. Ach und kauft unser Heft! Danke.