Funderbeam-Gründerin Kaidi Ruusalepp: „Mein Vorteil ist mein Lebenslauf“

Vor fünf Jahren hat Kaidi Ruusalepp Funderbeam gegründet, eine Online-Börse für Startups. Dieses Jahr wurde sie von den Tech Play Awards zur „Entrepreneur of the Year“ ausgezeichnet. Wir haben mit ihr über ihr Business und ihre Erfahrungen in der Fintech-Szene gesprochen.

Frau Ruusalepp, mit 20 Jahren waren Sie die erste Juristin für IT in Estland und haben den Digital Signatures Act des Landes mit verfasst. Dann haben Sie zwölf Jahre die Börse in Tallinn geleitet. Warum haben Sie sich entschieden nochmal von vorne anzufangen und ein Unternehmen zu gründen?

Wenn man so viele Jahre in einer Branche arbeitet, kommt man irgendwann an den Punkt, an dem das Berufsleben keine Überraschungen mehr bereithält. Ich war in Elternzeit und stellte mir andauernd die Frage, ob ich an die Börse zurückkehren oder etwas Eigenes machen soll. Die heutige Technologie ermöglicht es einige Dinge effizienter und schöner zu machen. Also habe ich den Entschluss gefasst herauszufinden, ob das Unternehmertum etwas für mich ist.

Und dann haben Sie Funderbeam gegründet. In einem Elevator Pitch: Was ist Funderbeam?

Funderbeam ist eine Plattform für die Finanzierung und den Handel von privaten Unternehmen, die auf der Blockchain Technologie basiert. Die Unternehmen sind zum einen Startups, aber auch Firmen, die bereits im Markt sind und Kapital für eine neue Produktionslinie brauchen oder um sich einen weiteren Markt zu erschließen. Investoren aus verschiedenen Teilen der Welt können investieren. Wir nutzen die Blockchain-Technologie, um die Investitionen zu erfassen und Transaktionen aufzuzeichnen und das auf eine sichere Art und Weise.

Gibt es besondere Bedingungen für Startups, um in die Funderbeam-Börse aufgenommen zu werden?

Es gibt einige Kriterien. Zum Beispiel ist Funderbeam nicht dafür gedacht, Mittel aufzubringen, um einen Prototypen zu entwickeln. Wichtiger ist aber, dass wir die Teams der Unternehmen, ihren Business- und Ausführungsplan kennen wollen und was sie mit dem Fond erreichen wollen. Als Gründer kann man einem Investor nämlich nicht sagen, dass man sein Geld für irgendetwas ausgeben möchte. Viele Founder sind auf diese Frage nicht vorbereitet.

Angenommen ich bin Investorin und daran interessiert in ein Startup via Funderbeam zu investieren: Wie genau funktioniert das?

Funderbeam funktioniert genauso wie die Börse: Unternehmen brauchen Kapital und Investoren wollen in liquide Geldanlagen investieren und damit handeln. Wenn man zum Beispiel 1000 Euro investiert, bekommt man dafür 1000 Tokens. Das sind die Wertpapiere. Damit kann man jederzeit Anteile verkaufen oder man kann auch weiter investieren. Die Investoren erhalten bei Funderbeam den ständigen Informationsfluss über die Entwicklung der Unternehmen.

Was sind Ihre persönlichen Investement-Hacks?

Lies unbedingt die Beschreibung und die Story vom Investment Case durch und versuche herauszufinden, ob du den Gründern glaubst. Diejenigen, die auf Zahlen vertrauen, sollen sich die Zahlen anschauen. Am besten sieht man die erste Investition, die man macht, als Learning an. Mache den ganzen Prozess einfach einmal durch und sammle so viele wertvolle Erfahrungen wie möglich. Damit wächst das Verständnis.

Apropos Kapital: Sie mussten für die Realisierung von Funderbeam auch Investoren für sich gewinnen. Was war Ihr peinlichster Pitch?

Unsere Idee für Funderbeam war vier Wochen alt und ich hatte die Möglichkeit sie im Silicon Valley zu pitchen. Unsere Website war super simpel und hatte drei Minuten Zeit unser Business vorzustellen. Diese drei Minuten und wie die Investoren mich danach in die Mangel genommen haben, waren der peinlichste Moment. Ich mag keine Pitches, wirklich nicht. Ich mag es auf Konferenzen zu sprechen, aber ein Pitch ist nochmal was völlig anderes. Ich weiß, dass ein Pitch irgendwie ein Spiel ist, und dass es auch für das Publikum interessant sein muss, aber ich finde nicht, dass junge Unternehmer in der Öffentlichkeit vernichtende Fragen gestellt bekommen sollten.

Sie wurden dieses Jahr von den Tech Play Awards zur Entrepreneur of the Year ernannt. Das spricht für Ihre Kompetenzen und Ihre Erfahrung. Was meinen Sie: Hat jeder von uns das Zeug zum Gründer?

Jeder sollte das tun, womit er sich wohl fühlt. Und nicht jeder fühlt sich wohl als Unternehmer. Man muss einen starken Willen haben, risikofreudig sein und in der Lage sein, schwierige Entscheidungen zu treffen. Das ist nicht für jeden etwas und das ist auch völlig okay.

Welche Learnings aus Ihren eigenen Erfahrungen können Sie jungen Gründern mitgeben?

Das Wichtigste ist, dass das Business immer an erste Stelle steht. Es geht nicht um dich. Es geht nicht um deinen Eifer. Es geht um das Unternehmen. Dann muss man ein gutes Team finden. Menschen, die die gleichen Grundwerte vertreten, sonst werden Probleme unlösbar. Nur geschäftliche Diskussionen bringen das Unternehmen weiter. Deswegen suche dir Leute, die unterschiedliche Kompetenzen haben. Und habe keine Angst Fehler zu machen. Die passieren sowieso. Ob eine Entscheidung falsch oder richtig war, erfährt man immer erst später.

Wo wir gerade von Fehlern sprechen: Was war Ihr größter Fehler während der Gründungszeit von Funderbeam?

Unser größter Fehler war es, dass wir zu bescheiden über unsere Visionen gesprochen haben. Anfangs hatten wir nur die Datenanalyse, die wir tatsächlich vorweisen konnten. Also haben wir bei wichtigen Gesprächen nur darüber gesprochen, nie aber über die Aspekte, dass man auf Funderbeam in Zukunft auch in Unternehmen investieren und mit ihnen handeln kann. Man muss mutig sein und seine angestrebten Ziele präsentieren.

Sie sind Unternehmerin, CEO und zweifache Mutter in einer Branche, in der Frauen immer noch stark unterrepräsentiert sind. Wie sind da Ihre Erfahrungen?

Ich glaube mein Vorteil ist mein Lebenslauf. Wenn die Leute lesen, dass ich die Börse geleitet habe, stellen sie meine Professionalität und mein Unternehmen nicht in Frage. Aber manchmal kommt es vor, dass ich mich mit Investoren treffe und ihre erste Frage an mich ist, wer sich um meine Kinder kümmert, während ich weg bin.

Was denken Sie muss sich verändern?  

Die Einstellung. Wir müssen den Menschen sehen und nicht das Geschlecht, die Religion oder die Kultur. Letztendlich müssen wir abschätzen, ob der Mensch in der Lage ist das Business zu führen und nicht die Frau oder der Mann.

Foundership Playbook

Gemeinsam mit der Illustratorin Arta Citko haben Sie dieses Jahr ein Foundership Playbook für Kinder herausgebracht. Warum sollten sich Kinder damit beschäftigen, wie man ein Business aufzieht?

Das Buch soll dazu ermutigen über eine Gründung nachzudenken. Egal, ob es Kinder, Jugendliche oder Erwachsene sind. Das ist nämlich der Erste von zwei Schritten. Wenn jemand schon ernsthaft mit dem Gedanken spielt ein Business hochzuziehen, dann fehlt nicht mehr viel, um die Idee in die Tat umzusetzen. Das Buch liefert einen strukturierten Ansatz wie man Step by Step ein Unternehmen aufbaut.


Nicole Plich

Nicole studiert den Klassiker „Irgendwas mit Medien” und hat noch den idealistischen Anspruch mit Wörtern die Welt zu bewegen. Wenn sie im Internet mal nicht nach lustigen Donald Trump-Memes sucht oder Fantheorien zu Game of Thrones liest, interessiert sie sich für Popkultur, Wirtschaft und was im Bundestag so vor sich geht.

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