Adidas-Chefdesigner Jürgen Rank: “Als würden Fußballfans aus aller Welt gemeinsam kreieren“

Vom Hauptschüler zum Chefdesigner bei Adidas – Jürgen Rank über seine ungewöhnliche Karriere, über authentisches Design und was Unternehmer heute noch von Adolf Dassler lernen können.

Herr Rank, Ihr Vater benannte Sie nach dem Mittelfeld-Genie Jürgen „Grabi“ Grabowski, Weltmeister von 1974 und Eintracht Frankfurt-Legende. Ist bei diesem Namen der berufliche Weg schon vorprogrammiert?

Schon irgendwie. Ich hab früher viel Handball und auch etwas Fußball gespielt. Für eine richtige sportliche Karriere hat es aber leider nicht gereicht, also musste ich mich umorientieren.

Nie versucht Profifußballer zu werden?

Nein, im Handball war ich sowieso besser. Irgendwann kam aber auch dort die Arbeit dazwischen und die nächtliche Freizeitgestaltung hat in dem Alter mehr Spaß gemacht als eine sportliche Laufbahn.

Ab wann war klar, dass Sie Designer werden wollen?

Zeichnen hat mich schon immer fasziniert. Bevor ich zum Studium nach London gegangen bin, habe ich auch Graffiti gemalt oder Tätowierungen und Firmenlogos für Freunde entworfen.

Gab es da ein bestimmtes Erweckungserlebnis?

Als Graffiti aufkam. Anfang der Achtziger waren zwei Freunde in New York, haben sich inspirieren lassen und dann nachts bei uns losgelegt. Wenn ich auf dem Weg zur Schule war und jeden Tag ein neues Bild gesehen habe, habe ich versucht das nachzuzeichnen.

Sie waren in der Graffiti-Szene aktiv?

Ja, das war sehr prägend. Wenn man in den Tagesthemen Züge aus New York gesehen hat, die komplett bemalt waren, dann war das einfach sensationell. Ich habe aber auch schon immer Fankurven gezeichnet – zum Beispiel von meinem Heimatverein.

Die Spielvereinigung Bayreuth?

Genau. Wir waren nie mit hohen Zuschauerzahlen gesegnet, also habe ich das Stadion einfach voll gezeichnet. Inklusive imaginären Fanklubs usw.

Made in Herzogenaurach: Jürgen Rank bei der Arbeit am WM-Trikot für die Nationalmannschaft (Credits: Adidas).

1995 gingen Sie nach London, um Design zu studieren. Da waren Sie 25. Wie kamen Sie als junger Bayreuther in der Megacity zurecht?

Mich hat die Stadt schon immer fasziniert. Ich habe Kunst und Design studiert, mich in den Galerien der Museen umgeschaut – und, ganz wichtig, gleichzeitig auch die britische Fußballkultur beobachtet.

War das auch der Grund, warum Sie nach London gegangen sind – wegen der Fußballkultur?

Das lag eher am Studiengang. Mein Lebenslauf verlief nicht so gradlinig wie bei den meisten, insofern wollte und musste ich ins Ausland.

Wie sieht Ihr Lebenslauf aus?

Ich war nie der brillante Schüler und habe deshalb auch nur einen Hauptschulabschluss. Nach der Schule habe ich eine Ausbildung zur Dienstleistungsfachkraft im Postbetrieb gemacht. Tatsächlich habe ich dann aber drei Jahre lang nur Pakete ein- und ausgeladen – das war harte Arbeit, die ich aber keinesfalls missen möchte. Nebenher habe ich weiter gezeichnet und gemerkt: Ich möchte etwas Kreatives machen und bin deshalb wieder auf die Schule gegangen. Nach der Mittleren Reife hätte ich auch das Abitur nachholen können, aber nach einem Jahr Schule hat es mir wieder gereicht.

Wieder raus ins richtige Leben?

Ja. Zuerst Zivildienst, danach verschiedene Jobs und anschließend Studieren. Das ging aber nicht ohne Abitur. Die Lösung war dann: London, wo nach Talent und nicht nach Noten entschieden wurde.


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