Schön gefailt: Wieso Axel Donath nie Investoren mit Freunden verwechselt

Fails am Arbeitsplatz passieren wirklich allen: egal, ob es sich um ein fragwürdiges Design, eine schlechte Performance im Büro oder ein schiefgegangenes Experiment handelt, das die Chefin auf die Palme gebracht hat. In unserer neuen Reihe „Schön gefailt“ erzählen Gründer*innen und Unternehmer*innen jeden Freitag, was ihr größter Fail war, wie sie damit umgegangen sind – und was sie daraus gelernt haben und ihrem jüngeren Ich heute raten würden.

Axel Donath, Geschäftführer der Bravobike GmbH:

„Meine erste Gründung habe ich noch zu Schulzeiten vorgenommen und seit damals immer wieder Unternehmen gegründet. Außerdem verfolgte ich die Gründerszene aktiv. Ich war also erfahren – dachte ich zumindest. Als damals dann ein Investor auf mich zukam und mit mir gründen wollte, war ich geschmeichelt und zudem stolz, als ich am Ende deutlich mehr Anteile verhandelt hatte, als der Investor mir eigentlich geben wollte. Leider wurde mir später erst klar, dass 12 Prozent Anteile als Gründer (zusammen mit meinem Co-Founder waren es 24 Prozent) am Tag der Gründung nicht viel Spielraum lassen, um zu verwässern. Auch war es trotz „Verwässerungsschutzes“ (der ja auch eher eine Floskel ist als ein stehender Rechtsbegriff) um meine Entscheidungsgewalt im eigenen Unternehmen geschehen.

Dies war ein Fehler. Nicht nur wirtschaftlich gesehen. Weitere Investoren in frühen Phasen interessierten sich nur für mich als Gründer, nicht für das Unternehmen selber und wollten mit mir zusammen das Unternehmen steuern und aufbauen. Da aber bereits die Investoren die Mehrheit hatten, war das nicht möglich. Es folgte eine Abwärtsspirale, da die Bestandsinvestoren keine Anteile abgeben wollten, dadurch keine neuen Investoren interessiert waren und die Bestandsinvestoren weiter investieren mussten und dadurch sogar noch mehr Anteile erhielten – zumal sie dadurch die Unternehmensbewertung steuern und natürlich nach unten ziehen konnten. Ende vom Lied: Ich verließ das Unternehmen finanziell total ausgebrannt nach fünf Jahren harter Arbeit, als ich nur noch fünf Prozent der Anteile hielt und mir die Investoren nicht einmal eine Gehaltserhöhung erlauben wollten, die zur Deckung der privaten Kosten notwendig war.

Rückblickend würde ich mir raten, nicht nach Investoren zu streben, Finanzierungsrunden kleinzuhalten, lieber das Geschäftsmodell immer wieder zu hinterfragen und so lange zu bootstrappen, bis aus eigenen Mühen und ohne fremdes Kapital die ersten Umsätze entstehen. Ganz wichtig ist es, darauf aufbauend den einen Punkt rauszuarbeiten, der das Geschäftsmodell auf das nächst höhere Level bringt und dafür, aber auch nur dafür, gezielt Investitionen einzusammeln, wenn überhaupt nötig.

Es wird immer gesagt, dass Investoren teuer sind. Was dabei nicht erwähnt wird: Die Kosten gehen nur von dir privat ab. Investoren wollen, dass dein Leben vollständig von deiner Gründung abhängt. Geh diesen Weg nur, wenn du dir selbst bereits bewiesen hast, dass deine Gründung erfolgreich ist und wenn sich deine Mühen selbst bei einem mäßigen Ende für dich auszahlen werden.

Unser Lerneffekt:

Investor*innen lieber doppelt und dreifach checken, bevor man ihnen blind vertraut.

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