Schön gefailt: Wieso David Meinertz Pferde aus Comedyserien googelt

Fails am Arbeitsplatz passieren wirklich allen: egal, ob es sich um ein fragwürdiges Design, eine schlechte Performance im Büro oder ein schiefgegangenes Experiment handelt, das die Chefin auf die Palme gebracht hat. In unserer neuen Reihe „Schön gefailt“ erzählen Gründer*innen und Unternehmer*innen jeden Freitag, was ihr größter Fail war, wie sie damit umgegangen sind – und was sie daraus gelernt haben und ihrem jüngeren Ich heute raten würden.

Der fünfte Beitrag kommt von David Meinertz, dem Gründer und CEO der Online-Arztpraxis Zava. Das Healthtech Unternehmen mit Sitz in London berät und behandelt Patient*innen aus sechs europäischen Ländern über das Internet. Der gebürtige Hamburger ist studierter Jurist.

David Meinertz, Gründer und CEO der Online-Arztpraxis Zava:

„Bei der Gründung unserer Online-Arztpraxis in 2010 haben mein Freund und Mitgründer Amit und ich nach einem Markenamen gesucht, der kurz und einprägsam ist. Er sollte für mehrere Märkte funktionieren und unterstreichen, dass bei uns approbierte Ärzte arbeiten. Wir waren uns einig, dass ein „Dr” im Namen nicht fehlen darf. Schlussendlich fiel die Wahl auf „DrEd”. Wir dachten, das passt – allerdings haben Amit und ich beide keinen Marketing-Background.

„DrEd” fand sich letztendlich in den verschiedensten Schreibweisen wieder: Dr. Ed., Doktor Ed, Dr ED, um nur einige Beispiele zu nennen. Aber damit nicht genug. Viele Patienten dachten, der behandelnde Arzt hieße Dr. Ed oder sie assoziierten mit dem Markenamen, Mr. ED, das sprechende Pferd aus der US-amerikanischen Comedyserie. Häufig wurde ED auch als Kurzform für Erektile Dysfunktion, also Potenzstörung, interpretiert, da viele Betroffene hierzu Rat bei uns suchen. Erschwerend kam hinzu, dass sich der Name, wenn man ihn an falscher Stelle betont, wie das englische Wort „dread” anhört. Das ist im wahrsten Sinne des Wortes „schrecklich”.

Nach fünf Jahren haben wir die Entscheidung getroffen, die Online-Arztpraxis mit dem Markteintritt in Frankreich in Zava umzubenennen – dieses Mal basiert die Entscheidung auf umfangreicher Marktforschung. „Zava“ leitet sich ab von dem französischen „Ca va?” – „Wie gehts?”. Diese Frage bringt den Kern unserer täglichen Arbeit auf den Punkt: das Wohlbefinden des Patienten. Schritt für Schritt haben wir den Namen auch in England und Deutschland etabliert.

Trotz der Schwierigkeit bei der Namensgebung sind wir Europas größte Online-Arztpraxis geworden – mit mehr als drei Millionen Arzt-Konsultationen seit Gründung. Mittlerweile suchen Zava jeden Monat fast 100.000 Patienten auf, um medizinische Beratung und Behandlung zu erhalten. Wir haben daraus gelernt, dass Entscheidungen nicht ad hoc aus dem Bauch heraus getroffen werden sollten. Deswegen haben wir ein eigenes UX- und Research-Team aufgebaut, das Änderungen an der Marke und ihrem Auftritt gründlich und datenbasiert prüft. Das war ein Learning, das sich seitdem schon häufig bewährt hat.“

Unser Lerneffekt:

Bei der Findung des Markennamens lieber dreimal überprüfen, ob es im US-amerikanischen Raum ein sprechendes Pferd in einer Comedyserie gibt.

Mehr Fails gefällig?

– Wieso Lorenz Illing (TAM Akademie) immer den Hochseilgarten im Auge behält
– Wieso Yara Jentzsch Dib (Xouxou) mittlerweile auf ihre Ideen vertraut
– Wieso Axel Donath (Bravobike GmbH) nie Freunde mit Investoren verwechselt
– Wieso Michael Schweigkart (Tomorrow) über Speise-Eis reden will

 

 


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