Schön, aber hochgiftig: Instagramer wollen nicht auf Selfie-Spot verzichten

Was tut man nicht alles für das perfekte Selfie, oder? Sich auf Bahngleisen (fast) vom Zug überfahren lassen, sich auf die Autobahn stellen oder auf dem peruanischen Machu Picchu für ein blödes Foto in die Höhe springen, dann das Gleichgewicht verlieren und in die Tiefe  stürzen – das ist alles in den letzten Jahren tatsächlich vorgefallen. Nicht nur deswegen haben ein paar US-Forscher*innen das Selfie in „Killfie“ umbenannt und forschen zu insgesamt 127 Todesfällen von 2014 bis 2016. Zum Großteil sind die Toten unter 24 Jahre alt. Klüger scheint die Menschheit mit zunehmendem Alter auch nicht zu werden: Mittlerweile gibt es eine Forderung nach sogenannten No-Selfie-Zones, die an Touristenattraktionen weltweit eingerichtet werden sollen – sozusagen um die Menschen vor der eigenen Dummheit zu schützen. Daneben soll die App Saftie Abhilfe schaffen. Sie ist eine Art Datenbank, die ihre Nutzer*innen darauf hinweist, ob sie gerade nahe an einem gefährlichen Ort stehen oder sogar in Lebensgefahr schweben.

Viel zu bringen scheint das allerdings nichts. Gerade kursieren einige Selfies der besonderes Art im Netz. Der Hotspot: ein See nahe der russischen Stadt Nowosibirsk. Sieht mit seiner türkisblauen Oberfläche bombastisch aus, ist aber leider hochgiftig. Darauf haben sogar die Betreiber des Kohlekraftwerks hingewiesen, die Schutt darin entsorgen und damit dem Wasser chemische Stoffe zusetzen – und es für Menschen hochgiftig machen. Außerdem ist es aufgrund des vielen Schlamms sehr schwierig, wieder aus dem See herauszukommen. Nur interessiert das scheinbar die Riege der Selbstdarsteller*innen kein bisschen. Der Hashtag, der auf Instagram kursiert: #maldivesnsk, in Anlehnung an „Die Malediven von Nowosibirsk“. Auch offizielle Warnungen seitens der Firma scheinen nichts zu bringen. Da heißt es nämlich sinngemäß, die Besucher*innen sollten beim Selfie-Machen bitte nicht in den Entsorgungsplatz fallen. Nur die Instagrammer*innen lassen sich davon nicht beeindrucken. Wieso auch auf die perfekten Spots verzichten, wenn er soooo traumhaft schön aussieht?


Business Punk Redaktion

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