„Ich glaube nicht, dass es so einen extremen Hype geben wird wie bei Sneakern“

Eine Sache darf momentan auf gar keinen Fall fehlen, wenn wir das Haus verlassen: Nein, die Rede ist nicht von Hosen, die in Homeoffice-Zeiten mal gerne als überflüssig erachtet werden, sondern von Atemschutzmasken.

Gedacht zum Schutz für Andere, sieht man auf der Straße immer mehr ausgefallenere Modelle – und erst recht im Internet. Beispielsweise hat ein Künstler aus China eine Maske aus der berühmt-berüchtigten blauen Ikea-Tasche designt, die schon lägst Einzug in die Modewelt erhalten hat.

Wir haben Tarek Müller, Co-Founder und Managing Director von About You, gefragt, ob Stoffmasken zum neuen Fashion-It-Piece werden, warum sie welche in ihrem Online-Shop verkaufen und wie die Produktion abläuft.

Tarek, wieso habt ihr euch dazu entschlossen, Masken in euren Online-Shop aufzunehmen?

Der Auslöser war, dass mein Kollege Sebastian Betz, Mitgründer und Co-CEO von About You, vor ungefähr vier Wochen gesehen hatte, dass bei Ebay und Amazon Stoffmasken für teilweise 50 Euro das Stück verkauft werden. Wir haben dann bei unserer Produktion nachgefragt, was eine Stoffmaske in der Herstellung kostet und haben erfahren, dass die Produktionskosten zwischen einem und fünf Euro liegen – je nach Qualität und Bedruckung.

Da kamen uns die Angebote auf Ebay und Amazon nach unnormalen Aufschlägen und Krisenwucher vor. Da gab es die Maskenpflicht in Deutschland noch nicht, aber es war schon klar, dass die Nachfrage nach Stoffmasken relativ hoch sein wird. Wir fanden es nicht in Ordnung, dass Leute versuchen, die Krise und Angst der Menschen auszunutzen, um daraus Profit zu schlagen, der weit über normale Margen hinausgeht.

Deswegen haben wir uns dazu entschieden, unsere eigene Produktion auf Stoffmasken umzustellen, unsere Lieferanten sowie Markenpartner anzufragen und die Masken zu Selbstkosten anzubieten. Damit wollten wir Krisenwucher entgegentreten und dafür sorgen, dass solchen Leuten die Geschäftsgrundlage entzogen wird.

Tarek Müller ©About You

Einige Stoffmasken wurden von unterschiedlichen Leuten designt, zum Beispiel von Guido Maria Kretschmar, Lena Gercke oder Riccardo Simonetti. Wie kam es zu den Kooperationen?

Neben den Basic und Marken-Masken entwickeln wir in der Tat viele Masken-Designs zusammen mit Celebrities. Das sind alles Leute, mit denen wir generell viel zusammenarbeiten, die teilweise auch ihre eigenen Kollektionen bei uns haben. Deswegen war das für uns naheliegend. Die Celebrities machen das ebenfalls kostenlos. Die meisten Masken gibt es ab Ende Mai im Shop.

Habt ihr euch auch dazu entschieden Masken designen zu lassen, damit ihr nicht nur einfarbige Modelle aus eurer eigenen Produktion im Sortiment habt?

Auch unsere eigene Produktion hat teilweise Farben und Muster. Aber davon kann man nicht genug haben. Unser Eindruck war, dass in der ersten Welle die Leute erstmal Basic-Masken kaufen, in den Farben schwarz, weiß oder blau. In der zweiten Welle entsteht dann vermutlich der Bedarf an ausgefallenen, schöneren Masken, weil manche durch Masken ihre Persönlichkeit ausdrücken möchten. Das ist wie mit Mode. Da gab es aber am Markt eigentlich nichts oder nicht zu genüge und deswegen haben wir uns entschieden, das mit den Celebrities zusammen zu machen, um größtmögliche Vielfalt zu bekommen.

Atemschutzmasken haben Modedesigner letztes Jahr eher nicht auf dem Schirm gehabt, als sie ihre neuen Kollektionen geplant haben. Werden Stoffmasken das neue Fashion-It-Piece?

Ich glaube nicht, dass jetzt alle Menschen mit ausgefallenen Masken rumlaufen wollen. Aber wie das oft der Fall ist, wenn man etwas relativ sichtbar trägt, entsteht bei vielen Leuten der Bedarf, etwas Besonderes zu tragen. Deswegen kann man schon sagen, dass für bestimmte Leute die Maske dieses Jahr eins von mehreren It-Pieces sein wird.

Könnten Atemschutzmasken denn als Fashion-Accesoire auch nach Corona bestehen bleiben in Europa?

Ich kann mir vorstellen, dass es ein paar Menschen geben wird, die Stoffmasken weiterhin tragen werden, aber ich denke nicht, dass das wie in Asien auch nach Corona zum Alltagsbild gehören wird. Das ist eher ein durch die Maskenpflicht-bedingter Trend. Ich schätze, dass er abflachen wird, sobald die Maskenpflicht vorbei ist.

Auf der nächsten Seite geht es mit dem Interview weiter.


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