Weil sie im Homeoffice arbeitet: Lauren G. ändert ihr Linkedin-Bild – und geht damit viral

Kurzer Profilbild-Check auf Linkedin: Seid ihr Team „Ich bin hammerprofessionell und präsentiere mich im 0815-Business-Look“ oder gehört ihr eher dieser Fraktion „Fuck it, ich sammle hier Kontakte wie früher Facebook-Freundschaften. Ein Hoodie tut’s auch“ an?

Was auch immer euer Bild über euch aussagt, es hat wahrscheinlich noch nie so eine Diskussion ausgelöst wie der Profilbildwechsel von Linkedin-Nutzerin Lauren G.

Sie ist HR Consultant bei Cisco. Letzte Woche hat sie sich dazu entschlossen, ihr Business-Foto mit Blazer, perfekter Frisur und seriösem Gesichtsausdruck durch ein semi-gut beleuchtetes Selfie mit breitem Lächeln und Kapuzenpulli zu ersetzen.

©Screenshot Linkedin/Lauren G.

Der Grund? Durch Corona hat sich die Arbeitswelt verändert. Viele Menschen befinden sich seit Monaten im Homeoffice. Niemand sitzt den ganzen Tag im unbequemen Business-Outfit vor dem Laptop. Auch nicht Lauren G.

„Die Grenzen zwischen meinem beruflichen und meinem persönlichen Ich sind verschwommen, deshalb habe ich mich entschlossen, das in meinem Profilfoto darzustellen“, schreibt sie in ihrem Post zum Bildwechsel.

Die Reaktionen? Mehr als 27.000 Kommentare und 800.000 Likes (Stand: 30. September 13:30). Viele der Kommentare sind positiv, finden das zweite Bild authentischer. Ein Kommentar merkte an, dass es mehr „reale Personen“ auf Linkedin benötigt.

Mehr Realness auf Linkedin?

Diese Aussage erinnert doch stark an die oft gehörte Kritik gegenüber einer anderen Plattform. Richtig. Instagram, mit seiner perfekten Healthy-Travel-Special-Scheinwelt.

Es ist spannend, dass die Diskussion um den Realness-Faktor nun auch auf Linkedin angekommen ist, wenn auch nicht verwunderlich. Schließlich geht es bei beiden Plattformen um Selbstdarstellung.

Auf der einen zeigt man, was für ein geiles Leben man hat, auf der anderen rühmt man sich mit seinen Skills und Professionalität im Job. Linkedin-Profile sind die Visitenkarten von heute. Dementsprechend wählen wir auch unsere Fotos aus.

Was macht Professionalität aus?

Auch wenn Lauren G. bei weitem nicht die einzige Person ist, die ein Freizeitfoto als Profilbild bei Linkedin hat, zeigen die Reaktionen auf ihren Post, dass sie einen aktuellen Nerv trifft.

Wie authentisch soll man wirklich sein? Muss man sich in der Arbeitswelt verstellen und sein inneres Business-Ich raushängen lassen? Muss es wirklich ein cleaner Business-Look sein, um professionell zu wirken oder können wir nicht einfach selbst bestimmen, was professionell ist?

Wenn sich durchs Home-Office unsere Art ändert, wie wir arbeiten, dann sollte das zukünftig doch auch Einfluss darauf haben, wie wir bei Business-Meetings, Geschäftsessen, Networkingveranstaltungen und Linkedin auftreten, oder?


Nicole Plich

Nicole studiert den Klassiker „Irgendwas mit Medien” und hat noch den idealistischen Anspruch mit Wörtern die Welt zu bewegen. Wenn sie im Internet mal nicht nach lustigen Donald Trump-Memes sucht oder Fantheorien zu Game of Thrones liest, interessiert sie sich für Popkultur, Wirtschaft und was im Bundestag so vor sich geht.

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