Life & Style Wie das Startup Heyvie Menschen mit Migräne helfen möchte – per App

Wie das Startup Heyvie Menschen mit Migräne helfen möchte – per App

Ein ganz gewöhnlicher Morgen im Büro: Die Kaffeemaschine läuft, die ersten Mails sind schon beantwortet, nur noch zwei Minuten bis zum großen Meeting im Konferenzraum. Dann: plötzliche Übelkeit. Die Sehkraft lässt nach. Die Umgebung verschwimmt leicht. Die rechte Schläfe fängt an zu pulsieren, ein Schmerz fährt durch den Kopf. Sticht. Migräne. Attacke. Attacke deswegen, weil der Schmerz aus dem Nichts kommt. 

Laut der Schmerzklinik Kiel sind in Deutschland 18 Millionen Menschen von Migräne betroffen. Und dennoch: Die Krankheit ist weiterhin unterschätzt und nicht ausreichend erforscht. 

Marius Krämer und Hady Daboul wollen Betroffenen mit Migräne helfen. Ihr Ansatz: Neurozentrietes Training per App: Heyvie. Sie wollen Menschen den Schmerz nehmen. Denn Präsentismus ist in der Arbeitswelt ein großes Thema: „Viele Arbeitnehmer:innen wollen nicht zugeben, dass sie Migräne haben“, sagt Daboul, Gründer der App Heyvie. „Schaut man Statistiken an, gibt es nur wenige Krankheitstage aufgrund von Migräne“, sagt Krämer. „Viele gehen mit den Schmerzen arbeiten, haben viele Tage mit Präsentismus.“ Präsentismus heißt, man ist im Büro anwesend, kann sich nicht konzentrieren und quält sich durch den Arbeitsalltag. 

Bei der Neuroathletik, so der Fachbegriff, werden durch kleinste Bewegungen Reize im Gehirn gesetzt, die dann wiederum mittels des Nervensystems an den Körper kommuniziert werden. 

Was und wie wird trainiert?

Und so funktioniert Heyvie: Nach der Anmeldung füllt man einen Fragebogen aus. Im nächsten Schritt kommen Bewegungstests. Die macht man selbst zu Hause. „Man öffnet beispielsweise den Mund und beobachtet, ob man ihn grade oder leicht nach rechts oder links geneigt öffnet“, sagt Daboul. Leidet jemand unter Migräne, ist nämlich laut dem Gründer eine starke Einseitigkeit zu beobachten. Ob eine Überprüfung durch die Nutzer:innen selbst nicht gefährlich ist? Die beiden Gründer entwarnen. Laut ihnen funktioniere das sehr gut.

Die Übungen setzen da an, wo es nötig ist: Nacken, Kiefer, Augen und Gleichgewicht. Augen? Gleichgewicht? Wie soll das helfen? Beispiel: Sitzt man lange am Schreibtisch, werden die Augen müde, der Kopf kippt nach vorne, es entsteht hoher Druck auf den Nacken, der Nacken wird fest. Da lässt sich mit Übungen gegensteuern.

„Wenn eine Übung dir gut tut, reduziert sie den Stress im Nervensystem. Wenn du weniger Stress im Nervensystem hast, kannst du dich besser bewegen“, sagt Daboul. Also prüft man vor Beginn der Übung, wie weit man beispielsweise den Kopf nach rechts drehen kann und wiederholt das Ganze nach der Übung. Klappt es besser, ist die Übung für einen geeignet.

„Für mich war der Gedanke, Patient:innen bei Rückenschmerzen bloß eine Ibu und Physio zu verschreiben nicht sehr befriedigend“

Hady Daboul, Gründer Heyvie

Zwölf Wochen dauert das Programm von Daboul und Krämer. Die Übungen bauen aufeinander auf. Drei Mal Drei Minuten am Tag muss man sich für sie Zeit nehmen.

Studien, dass neurozentriertes Training hilft, kommen laut Daboul langsam. Bei den Übungen in der App werden die einzelnen Studienergebnisse zur Besserung der Migräne herangezogen. Wie ein Nerv stimuliert wird, durch einen Elektroimpuls oder eine Bewegung, ist egal, solange der Effekt am Ende der Selbe bleibt. Das nutzen Krämer und Daboul. So reguliert beispielsweise langes Ausatmen den Vagus-Nerv hoch. Ein Nerv von dem gezeigt werden konnte, dass er durch elektrische Stimulation, Attacken bei Menschen die unter Migräne leiden, einen positiv Effekt auf die Attacken hat. Dennoch: Bekannt ist neurozentriertes Training nicht. Viele Ärzt:innen schlagen es ihren Patient:innen erst gar nicht vor, weil sie damit nicht vertraut seien, sagt Daboul.

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