Productivity & New Work Quiet Thriving statt Quiet Quitting: Wie dir dein Job wieder mehr Spaß bringt

Quiet Thriving statt Quiet Quitting: Wie dir dein Job wieder mehr Spaß bringt

Ein Gastbeitrag von Désirée Pascual, Chief People Officer bei Headspace Health

Quiet Quitting gilt als Absage an die Hustle-Kultur. Statt sich für den Job völlig zu erschöpfen und immer alles zu geben, möchte sich eine wachsende Zahl von Arbeitnehmenden lieber anders aufstellen. Die Idee: Innerhalb der vertraglich festgelegten Arbeitszeiten nur das leisten, was mindestens erwartet wird. Mehr nicht. Das kann aber auch negative Konsequenzen für die eigene Motivation und Zufriedenheit im Job haben. Es gibt aber auch einen Mittelweg zwischen Burn-out und Bore-out.

Viele Mitarbeitende wollen niemanden mehr beeindrucken, nicht die berühmte Extrameile gehen und keine zusätzlichen Projekte übernehmen, die über ihre Pflichten hinausgehen. Einerseits ist diese Entwicklung begrüßenswert, denn sie zeigt, dass Arbeitnehmende eine gesündere und realistischere Beziehung zu ihrer Arbeit entwickeln.

Es geht nicht mehr darum, für den beruflichen Erfolg ans Limit und darüber hinaus zu gehen, sondern noch genügend Energie und Zeit für Privates zu haben. Statt dem Burn-out entgegenzuarbeiten, kümmern sich viele lieber achtsam um ihre mentale Gesundheit. Statt Überstunden anzuhäufen, ist es angesagt, eine gute Work-Life-Balance zu etablieren. Darüber hinaus muss der Job auch nicht mehr alles erfüllen. Viele Mitarbeitende finden ihre Selbstverwirklichung inzwischen in anderen Bereichen und definieren sich nicht mehr so stark über ihren Beruf.

Stiller Protest

Nur verrät das Phänomen Quiet Quitting noch etwas anderes: Die Zufriedenheit von Mitarbeitenden sinkt. Laut einer Studie von Capgemini sind aktuell nur 28 Prozent der Arbeitnehmenden ohne Führungsverantwortung mit ihrem Job zufrieden. Das legt nahe, dass es bei Quiet Quitting nicht nur um ein gesundes und bewusstes Einsetzen der eigenen Kräfte geht, sondern auch um stillen Protest. Statt Veränderungen einzufordern oder zu kündigen, geben Arbeitnehmende auf und ziehen sich auf die Mindestanforderungen ihrer Rolle zurück. 

Bleibt die Frage, ob das die beste Lösung ist? Denn Quiet Quitting bedeutet ja trotzdem noch zu arbeiten. Je nach Vertrag in Vollzeit. Das heißt, viele Menschen schleppen sich aktuell bis zu 40 Stunden durch die Woche und warten ab neun Uhr immer nur auf den Feierabend. Jeder, der schon mal eine Tätigkeit ohne Motivation und Freude ausgeübt hat, weiß, wie sich die Zeit dabei ausdehnen kann.

Was also tun? Ich empfehle innerlich mal den Reset-Button zu drücken und mit einer konstruktiven und lösungsorientierten Haltung die eigene berufliche Rolle neu zu gestalten. Mit diesen fünf Hacks kann das gelingen.

Ursache verstehen: Warum habe ich innerlich gekündigt?

Laut der Gallup Studie “State of the Global Workplace 2022” haben negative Emotionen im Arbeitsalltag in den letzten zehn Jahren extrem zugenommen: Der Wert für Stress ist von 34 Prozent auf 44 Prozent gestiegen, der Wert für Sorgen und Ängste liegt bei 40 Prozent (früher 28 Prozent) und hat sich damit sogar noch stärker erhöht. Es ist also sinnvoll mal zu prüfen, woher Stress und Sorgen kommen.

Für manche ist die Arbeitsbelastung und der Druck zu hoch, andere betrübt das Verhältnis zu den Vorgesetzten, wieder andere sehen keinen Sinn mehr in ihrer Arbeit. Es gibt viele verschiedene Gründe, die letztlich zur inneren Kündigung führen können. Nur wer aber weiß, woher Unmut und Frust kommen und sich bewusst damit auseinandersetzt, kann etwas ändern.

Aktiv das Gespräch suchen: Was wünsche ich mir?

Auch wenn es zunächst unangenehm erscheinen mag, ist es sinnvoll, das Gespräch mit dem oder der Vorgesetzten zu suchen und die eigenen Bedürfnisse klar zu formulieren. Dabei kann es helfen, sich vorzustellen, sich erneut für die eigene Position zu bewerben. Denn sind wir neu auf Jobsuche, beschäftigen wir uns meistens sehr bewusst mit unseren Wünschen und fordern diese auch selbstbewusst ein.

Mit der Zeit in einer Position aber neigen viele von uns dazu, Kompromisse zu machen, immer wieder nachzugeben, bis vieles nicht mehr passt und das Gefühl der ständigen Unzufriedenheit alles überlagert. Also, am besten gleich mal prüfen, was sich ändern müsste, damit der Job wieder etwas mehr Freude bringt. Was darf es sein: Flexiblere Arbeitszeiten, Remote Arbeit, regelmäßige Feedbackgespräche, eine bezahlte Weiterbildung, mehr Gehalt, andere Aufgaben oder mehr Routine, mehr oder weniger Verantwortung?

Ich empfehle dringend eine Wunschliste zu schreiben und es aber eben nicht dabei zu belassen. Statt zu resignieren und sich zu sagen: „Das wird eh nichts”, lieber mutig sein und im gemeinsamen Gespräch mit der Führungskraft ausloten, was möglich ist. Auch wenn sich dann herausstellen sollte, dass die Wünsche gar nicht oder nur teilweise erfüllt werden können, haben wir immerhin wieder mehr Klarheit, was wir eigentlich gerade brauchen.

Désirée Pascual, Chief People Officer bei Headspace Health ©Headspace

Innere Haltung ändern: Wer will ich sein?

Wenn wir uns wieder mehr damit auseinandersetzen, weshalb wir so unzufrieden mit unserem Job sind, kommen wir nicht daran vorbei, uns mit der eigenen inneren Haltung zu beschäftigen. Glück und Zufriedenheit hängen ja auch damit zusammen, wie wir auf etwas schauen. Eine Studie von Patricia Chen, Professorin für Psychologie an der Universität in Texas hat zum Beispiel herausgefunden, dass die innere Haltung unsere Leidenschaft für den Job stark beeinflusst.

Die sogenannten “perfect fit-Überzeugten” glauben, dass es für jeden Menschen den perfekten Job gibt. Ist man unglücklich, handelt es sich folgerichtig um den falschen. Gibt es gerade nicht die Möglichkeit, sich neu umzuschauen und zu suchen, bleibt also nur die innere Kündigung.

Anders sieht das die zweite Gruppe, die Chen im Rahmen ihrer Forschungen als “Entwicklungspotential-Überzeugte” beschreibt. Diese sind eher der Auffassung, dass grundsätzlich jeder Job glücklich machen kann. Wichtig ist ein ständiger Lernprozess und die eigene Weiterentwicklung. Hier wäre die innere Kündigung eher nicht die Option der Wahl, sondern eher eine Neuausrichtung im Rahmen der gegebenen Möglichkeiten.

Aktiv werden: Wie motiviere ich mich wieder selbst?

Die Studie von Chen gibt auch Hinweise darauf, mit welchen Strategien die vom eigenen “Entwicklungspotential-Überzeugten” sich selbst motivieren. Dazu gehört einerseits, sich immer mal wieder die persönliche und gesellschaftliche Relevanz der eigenen Arbeit zu verdeutlichen. Wenn wir den Sinn unserer Arbeit wieder wahrnehmen, folgen meist Stolz und Freude.

Gerade wenn wir einen Job schon etwas länger machen, können wir den Blick für die Sinnhaftigkeit unserer Aufgabe verlieren. Für andere sind es öde Routinen oder stressige Deadlines, die das Warum der beruflichen Tätigkeit in den Hintergrund geraten lassen. Also am besten noch mal die Vogelperspektive einnehmen und sich über den eigenen Wirkungskreis bewusst werden.

Hilfreiche Fragen könnten sein: „Was gibt mir meine Arbeit?” und „Welchen positiven Beitrag leiste ich für andere?”. Wem diese Vorgehensweise zu abstrakt vorkommt, der kann sich auch von einer anderen Strategie inspirieren lassen und wieder in die Rolle des Lernenden schlüpfen. Vielleicht ist es mal wieder Zeit für eine Weiterbildung, um die Neugierde und Leidenschaft für das Berufsfeld zu entfachen oder seine Fähigkeiten sinnvoll zu ergänzen. Das kann einen aus der Starre heraus katapultieren und wieder einen neuen Sinn geben.

Unterstützung suchen: Wer inspiriert mich? 

Manchmal schaffen wir das alles nicht aus eigener Kraft und das ist vollkommen in Ordnung. Wer sich stuck fühlt und nicht weder ein noch aus weiß, dem empfehle ich, sich Unterstützung zu suchen. Manchmal hilft es schon bewusst, mehr Zeit mit den eigenen Kollegen und Kolleginnen zu verbringen, die mit viel Energie und sichtbarer Freude arbeiten. Das kann aber auch jemand außerhalb der Organisation sein, eine Mentorin oder ein Coach, den wir uns gezielt zur Unterstützung suchen. Der Blick von außen hilft uns oft dabei, die eigenen Gestaltungsmöglichkeiten wieder klarer zu sehen.

Ich finde, darum geht es letztlich. Bevor wir innerlich kündigen und resigniert unsere wertvolle Zeit absitzen, lieber noch mal prüfen, ob wir unseren Job vielleicht doch noch mehr nach unseren eigenen Bedürfnissen und Wünschen gestalten können. Dann vergeht auch die Zeit bis zum Feierabend wieder schneller. Versprochen.

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