Life & Style Bewerbungsgespräch mit Olson: „Ich mag den Thrill in meinem Hinterkopf“

Bewerbungsgespräch mit Olson: „Ich mag den Thrill in meinem Hinterkopf“

Bewerbungsgespräche sind nie leichtMan präsentiert sich selbst auf dem Silbertablett und sitzt unbekannten Menschen gegenüber, die genau prüfen, ob man zum Team und Unternehmen passt. Dabei dreht sich alles um die richtigen Fragen – und die können manchmal echt abwegig sein. Die perfekte Ausgangslage für Business Punk, um bekannte Persönlichkeiten zum Bewerbungsgespräch einzuladen.

Olson ist seit 2011 Teil der deutschen Rap-Szene. Unter dem Pseudonym Oliver Avalon schreibt er zahlreiche Songs für andere Künstler:innen. Am 12.05. erschien seine neueste EP „Hier deine Blumen“.

Olson, was war der erste Job, den du je hattest?

Mein erster Job war Zeitungen austragen auf Rollerblades. Das dauerte viereinhalb Stunden und gab 20 Mark pro Woche. Dann habe ich noch für ein Unternehmen, das Spritzguss-Technik herstellt, am Telefon versucht, ihre Technik an andere Unternehmen zu verkaufen. Das war ein furchtbarer Job. Ich habe das acht Monate gemacht und nicht einen einzigen Kontakt hergestellt. Ich habe aber auch nebenbei die ganze Zeit Rap-Songs geschrieben und war auf Tour. 

Was hast du aus diesen zwei Jobs für dich mitgenommen?

Dass ich nie mehr für ein Unternehmen arbeiten will, sondern nur noch für mich. Jeder Tag, an dem ich das tue, ist ein Privileg. 

Ich habe gelesen, du hast BWL studiert?

Während des Studiums habe ich schon an einem Album gearbeitet und war auf Tour. 2012 bekam ich den ersten Vorschuss von meiner Musik, seither kann ich davon leben. Ich muss seit sieben Jahren meine Bachelorarbeit abgeben. Ich darf sie auch noch abgeben, aber ich zögere das noch hinaus. Ich mag den Thrill in meinem Hinterkopf.

Welches Küchengerät bist du?

Ich wäre eine Kaffeemaschine. Leute lieben Kaffeemaschinen. Ich möchte gefallen und Menschen in den Tag helfen. Aber ich wäre eine Siebträger-Kaffeemaschine, bei der das Aufwärmen und die Reinigung länger dauert als die Kaffeezubereitung selbst. Ich will die Extrawurst der Kaffeemaschinen sein. Da sehe ich mich langfristig. 

Was sagt uns das jetzt über dich? 

Ich will Menschen gefallen, aber nicht mit 0815-Charaktereigenschaften. Die Siebträgermaschine ist auch mal zickig oder lässt sich bitten. Die braucht Investment. 

Auf TikTok revealst du Songs, die du geschrieben hast, von denen bislang niemand wusste, dass du dahintersteckst. Wieso schreibst du Songs unter einem Pseudonym?

Ich hatte Angst, dass ich mir vor der strengen Hip-Hop-Community etwas verbauen könnte. Deswegen habe ich mir den Schlagernamen Oliver Avalon gegeben. Ich fand, das klingt wie Florian Silbereisen. Bevor ich bei jeder Session überlege, welchen Namen ich wähle, nehme ich für jedes Projekt, das nicht Olson ist, den Namen Oliver Avalon.

Du hast eine neue EP rausgebracht. Was war die schwierigste Aufgabe an dem Projekt?

Es geht bei der EP um die Verarbeitung einer Trennung. Das Schwierigste daran ist, die Zeit jetzt zu händeln, in der die Songs rauskommen, der Schmerz aber nicht mehr präsent ist. Viele Leute wollen mich trösten, aber mir geht’s gut. Ich habe die Songs in den ersten 30 Tagen nach der Trennung geschrieben und produziert. Sie sind auch nach den einzelnen Tagen benannt. Die Videos habe ich auch alle in einem Raum gedreht, das mein Schlafzimmer darstellen soll. Das war das erste Mal, dass ich nicht überlegen musste, wie ich ein Produkt vermarkten soll, weil das alles auf der Hand lag. 

Mit welcher Art von Misserfolg tust du dich besonders schwer?

Wenn ich von einem Song überzeugt bin, mich in die Vermarktung stürze und keine Unterstützung bei Listungen bekomme aus der Branche. Dann stirbt der Song nach zwei Monaten bei 70.000 Streams. Das ist ein Misserfolg, der mir künstlerisch wehtut. Aber weniger wegen der Zahlen, sondern weil es super schwierig ist, aus der Masse hervorzustechen.

Wodurch erfährst du Bestätigung?

Berufliche Bestätigung erfahre ich zunächst durch mein Team, wenn ich ihnen Sachen präsentiere, die ich gemacht habe. Und dann durch Menschen, die meine Musik hören und mir schreiben, dass meine Songs in ihnen Gefühle ausgelöst haben und sich bei mir dafür bedanken.

Wie gehst du mit der Verantwortung um?

Das macht mir auch ein bisschen Angst, weil ich in einer Position bin, die ich nicht beeinflussen kann. Es ist nicht immer so, dass ein Gespräch dann mit dem Dank aufhört. Es gibt auch Fans, die eine Beziehung zu mir aufbauen und Erwartungen an mich haben. Dabei kenne ich die Menschen ja nicht persönlich.

Welcher Song beschreibt deine Arbeitseinstellung?

Von Creeds „Push Up Original Mix“. Der Sound ist genau mein Arbeits-Ethos, der treibt mich an und macht mich besser. In dem Lied heißt es: „I got that good stuff that you want.“

Was ist dir wichtiger: einen Termin pünktlich einzuhalten oder sorgfältig zu arbeiten?

Letzteres, deswegen war ich heute zehn Minuten zu spät. Unpünktlichkeit ist in Deutschland zwar super verschrien, aber ja…

Hast du Rituale beim Arbeiten?

Nein. Wenn ich arbeite, vergesse ich alles um mich herum. Es gibt Momente, in denen ich so vertieft bin, dass ich seit vier Stunden aufs Klo muss und es nicht tue. Da bleibt kein Platz für Rituale. Ich arbeite, wann immer mir eine Idee kommt, egal wo ich bin. Ich setze mich nicht von 11 bis 14 Uhr an den Schreibtisch und nehme mir vor, etwas zu schaffen. So einen Tag gibt es nicht in meinem Leben. 

Letzte Frage, um zu sehen, ob das vom Gleichgewicht ins Team passt: Nutella mit oder ohne Butter? 

Ich hoffe, das wird jetzt nicht ausarten, weil da kenne ich keinen Spaß: Nutella mit Butter. 

Vielen Dank für das Gespräch. 

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