Life & Style Wenn das Auswandern nicht für ewig ist

Wenn das Auswandern nicht für ewig ist

Die Zahl der Deutschen, die ihrer Heimat den Rücken kehren, nimmt Jahr für Jahr zu. Doch es gibt auch die anderen: Die, die zurückkommen. Oft ernüchtert. Oft mit einem geplatzten Traum im Gepäck. So wie im Fall von Vanessa Schulz.

Traditionell ist Deutschland ein Auswanderungsland. Vor allem im 19. Jahrhundert zog es die Menschen übers Meer in die USA, nach Kanada, Südamerika oder Australien. Das deutsche Wort „Wanderlust” hat es unverändert in die englische Sprache geschafft. War es in der Vergangenheit oft pure Not, die die Leute ihr Glück woanders zu suchen trieb, so steckt heute meist eine Mischung aus Motiven dahinter – von einfacher Abenteuerlust über materielle Anreize bis hin zu Unzufriedenheit im Leben und im Job zuhause. Dazu kommt der Trend problemlos ohne festen Aufenthaltsort arbeiten und leben können. Dank Internet sind neue Jobs auch vom anderen Ende der Welt her machbar. Das reicht vom Callcenter-Mitarbeiter bis hin zum Webdesigner, vom Architekten bis zum Finanzdienstleister. Selbstständige haben es dabei leichter. Oder es lockt eine Gründung oder ein Kauf in der Ferne, der in Deutschland nicht bezahlbar wäre.

So wie bei Vanessa Schulz (Name geändert). Zusammen mit ihrem Ehemann, beide Anfang fünfzig, plante sie akribisch die Übernahme eines Touristenresorts mit Tauchbasis – und sie wählten dafür ihren liebgewordenen Urlaubsort, die Karibikinsel Curaçao, Teil des Königreichs der Niederlande, dabei aber nicht EU-Gebiet. Denn die aktuellen Besitzer – ebenfalls Deutsche – des weitläufigen Areals mit mehreren Gästeapartments waren auf dem Sprung – ironischerweise zurück nach Deutschland. Aus privaten Gründen, wie sie sagten. Das Ehepaar Schulz verkaufte den heimischen Familienbetrieb, behielt aber eine vermietete Immobilie im ländlichen Osten Deutschlands. Die Umsiedelung war mit einigem bürokratischen Aufwand verbunden, aber Investoren sind, wie fast überall, in Curaçao höchst willkommen. Das Ferienresort, erschwinglich, aber renovierungsbedürftig, forderte anschließend alle Kräfte und handwerklichen Fähigkeiten der Neu-Insulaner. Womöglich war es dies, zusammen mit vielen neuen Herausforderungen, die die Eheleute belasteten und es zunehmend knirschen ließen in der Beziehung. 

Im letzten Jahr haben fast 280.000 Deutsche ihre Heimat mit dem Ziel verlassen, woanders neu anzufangen. Zwar meldeten sich im gleichen Zeitraum auch rund 80.000 Bürger amtlich in der Heimat an, aber ob diese nun zuvor ausgewandert, oder zum Beispiel im Ausland geboren waren, ermittelt das Statistische Bundesamt nicht. Ebensowenig tauchen in der Statistik jene Auswanderer auf, die einen Wohnsitz in Deutschland behalten. 

Die Emigranten werden stark von zwei Gruppen geprägt: Zum einen sind es oft jüngere Akademiker, deren Kenntnisse im Ausland gefragt sind und auch entsprechend honoriert werden. In vielen beliebten Ländern sind dazu noch die Steuern und Sozialabgaben erheblich niedriger als in Deutschland – es bleibt mehr des sprichwörtlichen Netto vom Brutto. Eine weitere Gruppe sind Rentner, die ihren gewohnten Lebensstandard im Ruhestand beibehalten wollen, wozu die deutschen Lebenshaltungskosten bei einer vergleichsweise bescheidenen Rente nicht besonders gut geeignet sind. Zielländer sind meist südlichere Gefilde, das bekannte Mallorca-Rentnerparadies oder, besonders erschwinglich, asiatische Länder wie Thailand. Gute Gesundheitsversorgung zählt dabei besonders, ebenso wie Infrastruktur allgemein, das verbindet die beiden Gruppen laut Umfragen am meisten.

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