Tankrabatt-Zoff: Spritpreise drehen schon wieder nach oben
Kaum sinken Diesel und Super E10 unter ihre Rekorde, dreht der Trend erneut. Der Tankrabatt kommt trotzdem, die Kritik an ihm wächst parallel.
Zwei Cent pro Liter binnen 24 Stunden: So schnell kippte am Donnerstagvormittag die kurze Verschnaufpause an deutschen Zapfsäulen. Nach Rekordständen der Vorwoche waren Super E10 und Diesel zunächst spürbar günstiger geworden, demnach auf Basis von ADAC-Zahlen.
Bevor Bundestag und Bundesrat am Freitag über einen neuen Tankrabatt entscheiden sollten, deutete sich bereits die nächste Kehrtwende an.
Der Rabatt kommt zu spät
Am Dienstag kostete ein Liter Super E10 im bundesweiten Tagesdurchschnitt 2,267 Euro, Diesel lag bei 2,428 Euro, wie n-tv unter Berufung auf den ADAC berichtet. Bis Mittwoch fielen die Preise weiter auf 2,265 Euro für E10 und 2,418 Euro für Diesel. Gegenüber den Rekordwerten der Vorwoche entsprach das einem Rückgang von 4,9 beziehungsweise 5,3 Cent. Schon am Mittwochnachmittag drehte der Trend jedoch wieder: Bis Donnerstag, 10 Uhr, kletterte E10 um 1,8 Cent, Diesel um 2,2 Cent nach oben. Als Treiber gilt demnach der wieder steigende Rohölpreis, wobei die Preise an einzelnen Tankstellen stark schwanken und sich der Trend rasch drehen kann. Schon am Mittwochnachmittag war Sprit laut dem Portal Tankerkönig wieder teurer als am Dienstagnachmittag und dieser Aufwärtstrend setzte sich bis in die Mittagszeit hinein fort.
Die Zahlen zeigen, wie fragil die kurzfristige Entspannung war und wie wenig sich aus einem einzelnen Tagestrend an den Zapfsäulen ableiten lässt. Für Autofahrer bedeutet das: Wer auf eine anhaltende Entlastung an der Tankstelle gehofft hatte, wird enttäuscht. Die Entwicklung fällt zudem in eine Phase, in der ohnehin schon über den richtigen Umgang mit hohen Energiepreisen gestritten wird.
Denn während die Bundesregierung mit dem Tankrabatt kurzfristig gegensteuern will, mahnen Ökonomen wie ZEW-Präsident Achim Wambach grundsätzlichere Debatten an, etwa über einen möglichen Spritpreisdeckel, den er für kontraproduktiv hält, weil er Versorgungsengpässe bei Kraftstoffen befürchtet. Auch politische Risiken wie ein möglicher Diesel-Exportstopp der USA unter Donald Trump werden diskutiert, da ein solcher Schritt neue Preisschübe in Europa auslösen und den Umweg von Diesel-Lieferungen über Asien verteuern könnte.
Kritik von allen Seiten
Ausgerechnet in diese volatile Phase fällt die Entscheidung über den neuen Tankrabatt: rund 17 Cent für Oktober bis Dezember. Der Sozialverband VdK nennt ihn einen falschen Weg. VdK-Präsidentin Verena Bentele kritisierte laut WEB.DE, es dürfe nicht zu viel Steuergeld in die Gewinne der Mineralölkonzerne fließen. Sie forderte stattdessen direkte Auszahlungen für Menschen mit wenig Geld und eine Senkung der Stromsteuer, von der alle Haushalte profitierten, nicht nur Autofahrer. Konkret nannte sie Familien mit wenig Geld und hohen Mieten, Menschen mit geringem Verdienst oder Bezug von Grundsicherung sowie Pflegebedürftige und deren Angehörige als vorrangig zu entlastende Gruppen.