“Es gibt kein One-fits-all mehr“: Was die Generation Y von Karriere & Beruf erwartet

Dieses Überangebot an Möglichkeiten – ist es nicht genau das, was unsere Generation ausmacht und von früheren unterscheidet?

K: Klar, keine andere Generation hatte so viel Sicherheiten und Wohlstand – und wir sind unheimlich gut gebildet.

Hemmen Sicherheit und Wohlstand?

D: Es kann hemmen, muss es aber nicht. Der Großteil der innovativsten Firmen im Silicon Valley wurde von Personen ohne diese Absicherung gegründet.

K: Das meinte auch Heinz Dürr. Er gehört zur Nachkriegsgeneration und hatte eben nicht diese Auswahl. Er musste etwas aufbauen. Heute ist das anders. Viele fragen sich: Wenn ich einen guten Job habe, warum soll ich dann gründen? Das bringt viele Unsicherheiten mit sich.

Was wäre die Lösung? Wohlstand wegnehmen kaum. Kann da eine Unternehmenskultur helfen?

D: Wenn die Entscheidungsschwäche damit zusammenhängt, dass die Auswahl zu groß ist, dann kannst du aus Unternehmenskultur-Perspektive sagen: Lass uns den einen Weg einfach versuchen. Wenn wir feststellen, dass dieser nicht der beste ist, dann können wir immer noch umdrehen und einen neuen gehen. Du musst deinen Mitarbeitern klar machen: Falsche Entscheidungen treffen ist nichts Schlimmes.

Katharina de Biasi war selbst einige Jahre bei Startups tätig, bevor sie sich für ein Promotionsstudium in Betriebswissenschaften entschied.

Die Kultur des Scheiterns zelebrieren – davon hält der Altunternehmer Heinz Dürr nicht viel, wie im Buch zu lesen ist. Was stört ihn daran genau?  

K: Er ist dagegen, das Thema zu glorifizieren – was eben passiert, wenn wir von Fuckup Nights sprechen. Aber dass Scheitern immer eine Option ist, sieht auch Heinz Dürr so. Nur sagt er: Man sollte das Pferd nicht von hinten aufzäumen. Wenn ich daran denke, dass ich scheitere, dann werde ich auch scheitern. Das ist seine Argumentation.

D: An diesem Punkt kann man sehen, dass Unternehmertum nichts mit der Generation zu tun haben muss. Ich bin wie Heinz Dürr kein Fan vom harten Zelebrieren von Scheitern. Genauso falsch halte ich es aber auch, dass in Deutschland Scheitern häufig stigmatisiert wird. Aber als Unternehmer will ich erfolgreich sein und einen gesellschaftlichen Impact haben. Natürlich machst du dabei Fehler, der einzige richtige Fehler besteht aber darin, dauernd zu versuchen, keine Fehler zu machen. Sich bei Misserfolg hinzustellen und dafür feiern zu lassen, dass man die eigene Firma gegen die Wand gefahren hat, finde ich dann doch over the top.

Nicht nur bei den Fuckup Nights waren Heinz Dürr und du einer Meinung. Bei welchen anderen Themen gab es ebenfalls Gemeinsamkeiten?

D: Einen Ausspruch von ihm würde ich jederzeit blind unterschreiben: Unternehmertum ist eine gesellschaftliche Veranstaltung.

Inwiefern?

D: Wenn du ein Unternehmen gründest, dann siehst du für deine Idee einen Markt und möchtest etwas bewegen. Wenn du dann das Privileg hast, dass Erfolg eintritt, dann solltest du der Verantwortung gerecht werden und der Gesellschaft etwas zurückgeben. Verantwortung für die Gesellschaft übernehmen – das war früher bei klassischen Unternehmern viel ausgeprägter. Heute wollen viele schnell reich werden. Wenn dein einziger Antrieb aber ist, viel Geld zu verdienen, dann sollte man kein Unternehmen aufbauen.

K: Das ist auch der Grund, warum Heinz Dürr das Konzept der Work-Life-Balance nicht verstanden hat. Die Arbeit ist sein Leben. Er hat über die Arbeit den Sinn seines Daseins gefunden, sonst wäre er heute mit 85 Jahren nicht mehr unternehmerisch aktiv. Er hat aber auch eingeräumt, dass er rückblickend seine Familie zu sehr vernachlässigt hat. Für Heinz Dürr gab es keine Trennung zwischen Arbeit und Privatleben.

Aber will nicht gerade darauf die Work-Life-Balance eine Antwort finden? Eine Linie zwischen Job und Familie ziehen?

D: Was Heinz Dürr bei dem Konzept Work-Life-Balance nicht verstanden hat, ist diese harte Trennung zwischen Work und Life. Ich bin auch kein Freund von dieser harten Trennung. Ich habe aber heute dank meiner Generation das Privileg das Ganze viel flexibler gestalten zu können. Ich kann heute zum Beispiel Home Office machen – das war bei Heinz Dürr nicht möglich. Da bin ich wirklich dankbar, der Generation Y anzugehören.

K: Erst der technologische Fortschritt hat das möglich gemacht. Das erklärt auch die Forderungen der Generation Y. Hätten andere Generationen diese technologischen Möglichkeiten gehabt, dann hätten sie wohl ähnliche Forderungen nach mehr Flexibilität, nach Work-Life-Balance aufgestellt.


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