TSV 1860 München selbst schuld? Die 13 Mythen einer Münchner Lebenslüge
MYTHOS FÜNF — ANDERE KLUBS SCHAFFEN ES — IHR EBEN NICHT
Die Bayerische Variante: Hamburg hat ja auch Kühne, Hertha hat ja auch 777 Partners gehabt, Schalke ist auch abgestiegen, alle leben. Nur ihr Sechziger schafft es nicht. Das muss ja an euch liegen.
Schauen wir uns das genauer an.
Hamburger SV. Mehr als 110.000 Vereinsmitglieder. Klaus-Michael Kühne, einer der reichsten Männer Deutschlands, als langjähriger Geldgeber. Über 100 Millionen Euro Investment in einer Klubgeschichte ohne sportlich nachhaltige Wende. Sieben Jahre 2. Bundesliga. Mehrere Fast Abstiege. Eigentümerstruktur: Stabiler als bei 1860. Die Investorenkonflikte beim HSV verliefen weniger eskalativ. Kühne hat keinen Lizenz Erpressungs Move gegen den eigenen Klub gefahren. Sein Verhalten in der Krise war konservativ stützend. Selbst wenn er sich öffentlich beklagte, blieb das Geld in der Krise verfügbar. Das ist der entscheidende Punkt: Es ist nicht die Konstruktion, die schützt, sondern das Verhalten des Investors. Und hier zeigt sich die wahre Differenz: HAM hat im Mai 2017 und im Mai 2026 zweimal die Liquidität in der finalen Stunde verweigert. Kühne hat das nie getan.
Schalke 04. Abstieg in die 2. Bundesliga in der Saison 2020/21. Ähnliche sportliche Schieflage. Aber die Sanierung verlief geordneter. Schalke hat Liquidität durch Sponsoren Pakete, Stadion Refinanzierung und e.V.- Aktivitäten strukturiert. Es gab keinen Lizenz Boykott durch einen Mehrheitsinvestor. Es gab eine Sparte mit institutioneller Erfahrung, die die KGaA ähnliche Struktur intern managen konnte. Schalke wurde nicht von einem Mehrheitsinvestor in den Lizenzentzug geschoben. Schalke ist in einem Mitglieder Verein organisiert, in dem die operative Macht beim Vereinsvorstand selbst liegt.
Hertha BSC. Das ist der interessanteste Vergleich. Rund 100 Millionen Euro Investment-Zusage von 777 Partners zwischen 2022 und 2024. Heute auf unter 70 Millionen Marktwert abgewertet. 777 hat globale Schulden in Milliardenhöhe. Sportlich abgestiegen. Hier zeigt sich das Risiko der Hochzins Finanzierung mit kurzem Anlagehorizont. Anders als bei 1860 keine einzelinvestorengetriebene Eskalation, sondern strukturelle Insolvenz des InvestmentVehikels. Auch das ist eine Lehre: PE Geld in der Branche, die Cashflow volatil ist, funktioniert nicht. Sechzig hatte zumindest nie das 777 Partners Problem. Sie hatten ein anderes Problem. Ein Einzelinvestoren Problem.
Hannover 96. Martin Kind, langjähriger Klubpräsident und Geschäftsführer, versuchte über Jahre, die 50+1-Regel für sich aufzuweichen. Der DFL Streit darüber zog sich bis in den Sommer 2024. Kinds Position war: Er habe genug investiert, um operative Kontrolle zu beanspruchen. Der DFL hat das abschließend abgelehnt. Hier zeigt sich, dass die 50+1-Regel auf Aktionärsebene rechtssicher verteidigt wird.
Mehrere weitere Klubs ließen sich nennen. Werder Bremen mit seinem regionalen Investorenbündnis. RB Leipzig mit der Red Bull Sonderkonstruktion. Eintracht Frankfurt mit dem AG Modell. 1. FC Köln mit den eigenen SponsorSpannungen. In keinem dieser Fälle ist die operative Macht im Aufsichtsrat so deutlich zugunsten eines einzelnen ausländischen Investors verteilt wie bei 1860. In keinem dieser Fälle hat ein Investor zweimal in neun Jahren den Lizenz Boykott betrieben. In keinem dieser Fälle wurde ein Klub durch das Verhalten seines Mehrheits Kapitaleigners zweimal in die Regionalliga geschoben.
Was alle diese Vergleichsfälle zeigen: Es gibt nicht ein einheitliches Erfolgsmodell für deutsche Traditionsklubs unter Investorenbeteiligung. Es gibt verschiedene Modelle, verschiedene Risiken, verschiedene Ergebnisse. Was sie nicht teilen, ist ein Investor, der die operative Aufsichtsrats Mehrheit gegen die eigenen wirtschaftlichen Interessen einsetzt. Genau das macht den HAM Fall bei 1860 zum Lehrstück. Es ist nicht die Sechzig Unfähigkeit. Es ist die HAM Konstruktion und das HAM Verhalten. Wer das weiterhin als selbst verschuldet bezeichnet, hat sich von der Vergleichsanalyse nicht abschrecken lassen.
Ein weiterer Vergleich, der gerne übersehen wird: Karlsruher SC. Ein Traditionsklub mit ähnlicher Größenordnung. Über lange Zeit in 2. und 3. Liga. Mit klarer Vereins Mitgliederstruktur ohne ausländischen Mehrheits Investor. Wirtschaftlich nicht schwerelos, aber stabil. Der Stadion Umbau wurde mit Stadt Beteiligung realisiert. Die SanierungsPhasen wurden mit lokalen Mittelständlern strukturiert. Karlsruhe hat keine HAM. Karlsruhe ist nicht in der Drei zu drei plus StichentscheidFalle. Karlsruhe ist das Vorbild, das eine moderne Sechzig-Sanierung aufgreifen kann.
Auch FC Augsburg. Die Hofmann Investoren GmbH hält die FCA-Mehrheit. Innerhalb dieser Holding teilen sich seit Februar 2021 David Blitzers Bolt Football Holdings (45 Prozent), Klaus Hofmann persönlich (rund 30 Prozent), die Project Green GmbH (rund 20 Prozent) und Thilo Sautter (rund 4 Prozent) die Anteile. Hofmann bleibt alleiniger Geschäftsführer. Ein Mehrheits-Eigentümer ja, aber mit sportlich-ökonomischer Kontinuitäts-Strategie. Keine Aufstiegswetten, die fünfundfünfzig Prozent Personalsprung verlangen. Keine Saison mit vier Trainern. Keine zweimaligen Lizenz Verweigerungen. Augsburg ist seit Jahren in der 1. Bundesliga mit moderaten Erfolgen. Das hat nicht mit glücklichem Investor zu tun. Das hat mit professionellem Investor zu tun. Hofmann und HAM sind zwei verschiedene Klassen von Eigentümer-Verhalten.
Auch Holstein Kiel, 1. FC Nürnberg, SV Sandhausen, SC Paderborn — in keinem dieser Klubs ist eine HAM vergleichbare Konstellation entstanden, in der ein einzelner ausländischer Investor mit operativer Aufsichtsratsmehrheit über fünfzehn Jahre den Verein in zwei Zwangsabstiege schiebt. Wer der Sechzig Mitgliedschaft die Lage anlastet, soll bitte einen vergleichbaren Fall benennen. Es gibt keinen. Es gibt nur diesen einen Klub mit diesem einen Investor. Und das ist der Beweis, dass die Lage nicht selbst verschuldet ist, sondern Konstruktionsspezifisch.
MYTHOS SECHS — DIE TRAINER KARUSSELLE WAREN EUER WERK
Sechzig hat in den letzten fünfzehn Jahren mehr Trainer verbraucht als die Bayern in dreißig. Diese Aussage stimmt — fast. Sie übersieht nur eine Kleinigkeit: Die Trainer Entscheidungen werden in der KGaA getroffen, nicht im e.V. Und in der KGaA von der Geschäftsführung und dem Aufsichtsrat.
Schauen wir uns ein paar Trainer Episoden an, die in der Sechzig Mythologie als Beleg für die Vereinsunfähigkeit gelten.
Saison 2016/17. Drei Cheftrainer in einer Spielzeit. Kosta Runjaic startet die Saison und wird Ende November 2016 beurlaubt. Daniel Bierofka übernimmt interimsweise für drei Spiele. Vitor Pereira wird im Januar 2017 verpflichtet und bleibt bis zum Abstieg im Mai 2017. Co-Trainer Daniel Bierofka übernimmt unmittelbar nach Saisonende in der Regionalliga. Drei Trainerwechsel in einer einzigen Saison sind ein Phänomen, das in der zweiten Bundesliga selten auftritt. Die Aufsichtsrats-Protokolle der KGaA für diese Saison sind nicht öffentlich. Aus den Pressemitteilungen und Berichten der Sportpresse lässt sich aber rekonstruieren: Jede Trainer Entlassung wurde durch die KGaAGeschäftsführung umgesetzt. Der Aufsichtsrat — mit HAM Mehrheit — hat zugestimmt. Der e.V. wurde informiert. Das e.V.-Präsidium hatte kein Veto Recht.
Saison 2022/23. Michael Köllner wird Ende Januar 2023 freigestellt. Maurizio Jacobacci übernimmt Ende Februar. Ein anderer Trainerwechsel, mitten in einer laufenden 3.-Liga Saison. Auch hier: Entscheidung der KGaA Geschäftsführung mit Aufsichtsrats-Genehmigung.
Saison 2025/26. Patrick Glöckner wird in der Winterpause entlassen. Manfred Paula, der neue Notgeschäftsführer, holt einen neuen Trainer für die Restsaison. Diesmal: e.V.-nahe Geschäftsführung. Aber auch hier mit KGaA Aufsichtsrats-Genehmigung — der jetzt anders zusammengesetzt ist als in den HAM Boom Jahren.
Wer in der Sport Berichterstattung den vermeintlich Sechzigtypischen Trainerverschleiß als kulturelle Eigenheit des Vereins beschreibt, hat die Strukturen nicht verstanden. Trainer Karussells entstehen in der KGaA nicht, weil der Verein wankelmütig wäre. Sie entstehen, weil die Sportgeschäftsführung — von HAM bestellt und vom Aufsichtsrat genehmigt — im Modus von Wett Saisons agierte. Wer auf Aufstieg setzt und die sportliche Wende nach acht Spieltagen nicht sieht, entlässt den Trainer. Wer als Klub das Aufstiegs Budget nicht hat und stattdessen TrainerKontinuität wählt, verbraucht weniger Trainer. Aber er wird auch nicht in eine sportliche Wette gezogen, die er nicht gewinnen kann.
Genau dieser Modus — Wett Saison, Trainerverschleiß, Personal Sprünge — ist das eigentliche Problem. Er wurde nicht vom e.V. produziert. Er wurde von der KGaA Geschäftsführung im Auftrag der HAM Aufsichtsratsmehrheit betrieben. Wer das dem Verein vorwirft, hat die Hierarchie der Entscheidungen umgedreht.
Vergleichen wir das mit anderen Trainerkulturen. FC Bayern: in den letzten fünfzehn Jahren neun Cheftrainer (Heynckes, Guardiola, Ancelotti, Heynckes-Rückkehr, Kovac, Flick, Nagelsmann, Tuchel, Kompany). FC Schalke 04 in der Phase 2010 bis 2018: acht Cheftrainer. Werder Bremen: fünf Cheftrainer in einer ähnlichen Zeitspanne. TSV 1860 München in der gleichen Zeit: zwölf bis vierzehn Cheftrainer in der KGaA, je nach Zählweise. Das ist eine Größenordnung, die unter Vereinen ähnlichen sportlichen Niveaus deutlich heraussticht. Es ist nicht die Sechzig Eigenheit. Es ist die HAM getriebene Wett Saisons Architektur, die einen Trainerverschleiß produziert hat, den keine andere ähnliche Klub Struktur in dieser Größenordnung zeigt.
Hinzu kommt eine Trainer spezifische Bilanz Position, die in der KGaA über die Jahre wiederholt aufgetaucht ist: Abfindungen für entlassene Trainer und Co Trainer Teams. Diese Abfindungen sind in den Jahresabschlüssen unter sonstige Personalaufwendungen verbucht. In mehreren Geschäftsjahren waren sie sechsstellig. Über fünfzehn Jahre summieren sie sich auf einen mittleren einstelligen Millionen Betrag. Geld, das nicht in den Sport floss, sondern in die Folgen falscher Personalentscheidungen. Auch das ist eine Lasten Verschiebung, die nicht der e.V. zu verantworten hat.
MYTHOS SIEBEN — DIE ALLIANZ ARENA WAR EUER STADION PROBLEM
Sehr beliebte Variante: Wenn ihr nicht selbst aus der Allianz Arena ausgezogen wärt, hätte das alles nicht so weh getan. Das war doch eure Entscheidung.
Auch hier eine Mythologie, die mit der Realität wenig zu tun hat.
Tatsächlich wurde das Stadion bereits 2006 von 1860 verkauft. Genauer: Die Hälfte des Stadions, die zuvor 1860 gehörte, wurde im Frühjahr jenes Jahres für 11,3 Millionen Euro an FC Bayern übertragen. Plus Buyback-Option in Höhe von 1,3 Millionen Euro plus Zinsen, gültig bis Juni 2010 — von 1860 im April 2008 notariell aufgegeben. Damals verhinderte der Verkauf die unmittelbare Insolvenz der Sechziger. Das war die Wildmoser Ära. Die Allianz Arena Mit Eigentümerschaft war kein Gewinn Modell. Sie war eine Kosten Strukturierung, die die Sechziger nie voll tragen konnten.
Nach 2006 blieb der Mietvertrag mit den Bayern bestehen. Gesamtbelastung pro Saison: rund 5,0 Millionen Euro. Diese Summe setzt sich aus mehreren Posten zusammen: Stadionmiete 1,5 bis 2,0 Millionen, VIP-Catering-Obligo gegenüber Arena One (eine FC-Bayern-nahe Gesellschaft) 2,3 Millionen pro Saison auch bei null geladenen Gästen, plus Werbeverzichtsablöse rund 1,0 Million. Über die sechs Saisons 2011/12 bis 2016/17 summiert sich diese strukturelle Belastung auf rund 30 Millionen Euro. Geld, das vom Klub direkt an den Stadt Konkurrenten floss, gegen den 1860 in derselben Stadt antrat.
Hier kommt der eigentliche Punkt: Die HAM Aufsichtsratsmehrheit hat fünfzehn Jahre lang die Möglichkeit gehabt, eine Stadion Strategie zu entwickeln. Sie hätte mit den Bayern über eine vorzeitige MietvertragsAuflösung verhandeln können. Sie hätte in das Grünwalder Stadion auf der Sendlinger Anhöhe investieren können — das städtische Stadion, in dem 1860 seit der Vorkriegs Ära seine Wurzeln hat. Sie hätte ein Investorenkonsortium für einen Stadion Umbau aufstellen können. Sie hat nichts davon getan.
Erst nach dem ersten Wand Crash 2017 — als der Klub aus der 2. Bundesliga abgestiegen war und seine Lizenz für die 3. Liga verloren hatte — zogen einigten sich beide Klubs auf eine vorzeitige Auflösung des bis 2025 laufenden Mietvertrags. Der FC Bayern verzichtete dabei auf ausstehende Mietforderungen in Millionenhöhe (die genaue Summe wurde nie veröffentlicht). Die Sechziger kehrten ins Grünwalder zurück. Die fünf Millionen Euro pro Saison Fixkosten verschwanden. Über die Saisons 2017/18 bis 2025/26 hat 1860 ungefähr 45 Millionen Euro gespart, weil die Sechziger nicht mehr in der Allianz Arena gespielt haben. Wenn dieser Schritt im Mai 2011 statt im Juni 2017 gemacht worden wäre, hätte er die Sechziger ungefähr die Hälfte der HAM Ära Verluste erspart.
Wer hat diese Schwerfälligkeit zu verantworten? Nicht die Sechzig Mitgliedschaft. Nicht der eV Präsident. Die Stadion Strategie wurde im KGaA Aufsichtsrat — mit HAM Mehrheit — verschoben. Sechs Saisons lang floss Geld vom Klub zum Konkurrenten. Erst die sportliche Katastrophe beendete diese Asymmetrie. Wer den Sechziger vorwirft, sie hätten sich nicht selbst geholfen, übersieht, dass die Sechziger im KGaA Aufsichtsrat keine Mehrheit hatten. Sie konnten sich nicht selbst helfen. Sie wurden fünfzehn Jahre lang nicht erhört.
MYTHOS ACHT — DIE BAYERN HABEN EUCH FAIR BEHANDELT
Selten ausgesprochen, aber implizit oft mitgemeint. Wenn die Bayern euch 2006 mit 11 Millionen Euro für eure Allianz Arena Anteile vor der Insolvenz gerettet haben, war das ja großzügig. Wenn die Bayern euch danach weiter in ihr Stadion gelassen haben, war das ja anständig. Wenn die Bayern euch ihre eigene Akademie Tradition vor die Tür stellen, ist das ja sportlich.
Diese Erzählung verdreht die ökonomischen Verhältnisse.
Der Allianz Arena Verkauf 2006 war nicht eine Rettungsaktion. Er war eine Übernahme. FC Bayern hat sich für 11 Millionen Euro die Hälfte eines Stadions gesichert, das in der heutigen Bewertung mit mehreren hundert Millionen Euro angesetzt wird. Im Frühjahr 2006 war 1860 in akuter Liquiditätsnot. Der Verkauf wurde unter Zeitdruck verhandelt. Die 11-Millionen Bewertung lag deutlich unter dem damaligen Marktwert. Plus Buyback Option, die niemals realistisch ausgelöst werden konnte, weil die Sechziger das Geld nicht hatten. Es war ein klassischer DistressedAsset Erwerb. Hilfreich für den Verkäufer in der Akut Krise, aber strukturell nachteilig für die Vereinsbilanz auf Jahre hinaus.
Die nachfolgende Mietkonstellation war ebenso asymmetrisch. Der Mietvertrag schrieb 1860 jährliche Fixkosten zu, die die KGaA in jeder Saison strukturell verlieren ließen. Der Vermieter — FC Bayern — verdiente in jeder Saison. 1860 zahlte in jeder Saison drauf. Der Vermieter und Stadt Konkurrent profitierte. Eine Vertragskonstruktion, die unter normalen wettbewerbsrechtlichen Gesichtspunkten zumindest diskussionswürdig gewesen wäre.
Was die Bayern für 1860 gar nicht getan haben: Sie haben nie auf eine schnellere Mietvertrags Auflösung gedrängt. Sie haben nie ein gemeinsames Stadt Marketing für beide Klubs entwickelt. Sie haben nie eine gemeinsame Stadion Betriebs Lösung mit reduzierten Belastungen für 1860 angeboten. Sie haben die 1860-Mieten kassiert. Punkt.
Das ist nicht moralisch verwerflich. Es ist ökonomisch rational aus Bayern Sicht. Aber es ist auch nicht großzügig. Wer der SechzigSeite vorwirft, sie sei undankbar gegenüber den Bayern, sollte sich das 2006-Geschäft und die nachfolgenden Mietverträge im Detail ansehen. Es war ein Geschäft. Es war kein Geschenk. Es war für 1860 strukturell teuer.
Und wer die Bayern Großzügigkeit weiter zitieren möchte, sollte sich daran erinnern, dass auch die Bayern in den Jahren 1995 bis 2005 als 1860- Stadt Konkurrenten Profit aus dem Olympiastadion gezogen haben, in dem beide Klubs spielten. Geld floss damals durchaus auch von Bayern zu 1860, in Form von gemeinsamen Stadion Erträgen. Diese Geschichte ist komplexer als das Stammtisch Märchen vom rettenden FC Bayern.
Schauen wir zum Schluss auf den 03. Juni 2026. Als der DFB den Lizenzentzug verkündete, gab es vom FC Bayern weder Mitleids Bekundungen noch Solidaritäts Hinweise. Es gab — nichts. Schweigen. Was in einer Stadt mit zwei Vereinen, die jahrzehntelang sportliche Konkurrenten waren, durchaus eine Aussage ist. Wer angeblich groß ist, kann auch großzügig auftreten. Wer aber bei der zweiten Lizenz Tragödie des Stadt Konkurrenten nichts sagt, dokumentiert sein Verhältnis zur Stadt Konkurrenz selbst. Das ist nicht unfair von Bayern Seite. Es ist gewinn orientiertes Verhalten. Aber es ist auch nicht das Bild der freundschaftlichen Münchner Doppelstadt Fußballkultur, das in SportBerichten manchmal beschworen wird.