US-Exportstopp für Diesel: Darum könnte Tanken in Deutschland noch teurer werden
Ein möglicher US-Exportstopp für Diesel soll Trumps Wähler vor der Zwischenwahl entlasten, treibt aber laut Experten die Preise in Europa und Deutschland nach oben.
Politico berichtete am Mittwoch, die US-Regierung bereite ein 90-tägiges Exportverbot für Diesel vor. Das Weiße Haus dementierte den Bericht, dennoch bewegte die Nachricht sofort die Energiemärkte: US-Dieselkontrakte mit Lieferung in einem Monat verbilligten sich laut Handelsblatt um bis zu sechs Prozent, europäische Futures verteuerten sich um bis zu sieben Prozent.
Donald Trump erwägt den Schritt, um die heimischen Spritpreise vor den Zwischenwahlen im November zu drücken. Vor allem republikanische Politiker fordern das Verbot, wie Handelsblatt berichtet. Am Donnerstag stabilisierten sich die Kurse zwar wieder, das grundsätzliche Risiko für die europäische Versorgung bleibt laut Marktbeobachtern jedoch bestehen.
Europas Raffinerien fehlt Kapazität
Europas Raffinerien sind traditionell schwach bei Mitteldestillaten wie Diesel aufgestellt. Sie laufen laut WirtschaftsWoche bereits bei 95 Prozent der möglichen Kapazität, etwa ein Viertel des Bedarfs muss zugekauft werden. Früher kam dieser Anteil aus Russland, seit Kriegsbeginn ist der Weg versperrt. Katar kann wegen der eingeschränkten Durchfahrt durch die Straße von Hormus kaum noch liefern.
Eingesprungen sind seither die USA, Indien und Südkorea sowie die neue Dangote-Raffinerie in Nigeria. Fällt nun auch ein Teil der US-Lieferungen weg, müssten die übrigen Anbieter die Lücke füllen. Das dürfte laut WirtschaftsWoche die Preise zusätzlich treiben, weil Anbieter sich auf den lukrativsten Markt konzentrieren und das ist derzeit Europa.
Der Umweg über Südkorea und Indien
Ein Exportstopp würde ausgerechnet asiatische Konzerne begünstigen. Südkorea beliefert Europa laut WirtschaftsWoche schon seit Wochen mit großen Mengen Flugbenzin, im September stiegen die europäischen Importe aus dem Land laut Kpler auf 129.000 Barrel pro Tag. Die Raffinerien in Ulsan und Yeosu könnten künftig auch beim Diesel einspringen.