New Work: Sind flache Hierarchien und agiles Arbeiten wirklich besser?

Dem New-Work-Trend zur Folge gehören Rangordnungen in Unternehmen abgeschafft. Agilität lautet das Zauberwort. Alles muss schneller laufen, einfacher werden und sich dem modernen Zeitgeist anpassen. Aber ist das wirklich für jeden sinnvoll? Im Gespräch mit zwei Experten, sind wir dieser Frage auf den Grund gegangen.

„Agilität ist die Zukunft.“

Aus dem Gespräch mit Philip Siefer. Mitgründer des Unternehmens Einhorn für vegane und nachhaltige Kondome und Periodenprodukte

Per se: Agiles Arbeiten ist das Modell der Zukunft. Für Befehls- und Hierarchieebenen sind wir nicht mehr gemacht, schließlich zerstört das unser Verantwortungsbewusstsein und die Kreativität. Unternehmen wünschen sich selbstständige Mitarbeiter*innen, die mit guten Vorschlägen die Arbeitsprozesse unterstützen. Genau das ist mit der Agilität gegeben. Hier gilt nicht mehr, was der Chef sagt ist Gesetz, und das Gehalt dient nicht dem symbolischen „Bestechungsgeld“, um sich jeden Tag ins Büro zu quälen. Im Kollektiv entscheidet es sich besser – schließlich haben Skandale aus manch großer Firma bereits bewiesen, dass ein alleiniger Kopf nicht immer die besten Entscheidungen trifft. Außerdem: Wenn man Menschen wie Erwachsene behandelt, agieren sie auch so. Hierarchiedenken ist mehr Push als Pull – erinnert ein wenig an die Zeiten zurück, an denen man die Schulbank drücken musste.

Durch Digitalisierung und Automatisierung fallen Aufgaben weg, die früher noch nötig waren. Allein schon in der Industrie. Stichwort: Fließbandarbeit. Niemand würde von sich behaupten, darin den Traumjob gefunden zu haben. Hierarchien sind in Zeiten entstanden, in denen es Nichts gab und man eben was fertigbringen musste. In der heutigen Zeit des Überflusses und der scheinbar grenzenlosen Möglichkeiten, wünschen wir uns nicht nur andere Arbeitsmodelle, sondern sind auch auf der Suche nach einem neuen Führungsstil. Und der wird in meinen Augen agil sein.

Außerdem: Klar, Agilität ist jetzt Trend, aber dem sollte man nicht nachlaufen. Wer sein Unternehmen umstellen möchte, der muss davon überzeugt sein. Wer sich sein ganzes Leben lang als alleiniger Entscheider in der Führungsposition gesehen hat, wird nicht von heute auf morgen die Rolle abgeben können.


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