Inspiring People · Ausgabe #03

Dr. Thomas
Müller

Ruhrgebiet

Oliver Stock: Guten Morgen, Thomas. Thomas Müller: Hi.„Die Frage ist, wie gehst du mit Herausforderungen um? Das Ruhrgebiet macht aus schwierigen Rahmenbedingungen das Beste – dieses Mindset überzeugt mich.“Dr. Thomas Müller Oliver Stock: Wer bist du…

Dr. Thomas Müller
„Viele Talente wissen noch gar nicht, was in ihnen steckt. Mein Job ist es, dieses Potenzial sichtbar und Unternehmen damit zukunftsfähig zu machen.“
Erschienen
Lesezeit23 Min · 4.545 Wörter
Feld Wirtschaft

Oliver Stock: Guten Morgen, Thomas.

„Die Frage ist, wie gehst du mit Herausforderungen um? Das Ruhrgebiet macht aus schwierigen Rahmenbedingungen das Beste – dieses Mindset überzeugt mich.“
Dr. Thomas Müller

Thomas Müller: Hi.

Oliver Stock: Wer bist du eigentlich?

Thomas Müller: Das ist eine gute Frage. Ich bin Thomas Müller, ich bin Arbeiterkind, ich bin Berater, Sprachlingspartner und letztlich auch Zukunftsgestalter. Manche nennen mich auch Spin-Doktor, weil ich schon über 1000 Besetzungsverfahren in meinem Leben begleitet habe und will Organisationen besser machen, will für Talente da sein, für Unternehmen und für Aufsichtsgremien, damit gemeinsam Zukunft gut gestaltet wird.

Oliver Stock: Das heißt, du bist ein Personalberater?

Thomas Müller: So kann man das sagen. Ich bin Geschäftsführer 1 Personal- und Unternehmensberatung und in Personam sozusagen verantworte ich die Personalberatung.

Speaker C: Können wir das nochmal ruhig mit der Vorstellung nochmal ansetzen? Olli, ich würde sagen, rutsch mal noch mehr neben die Kamera, weil dann zwangsläufig ein bisschen mehr… Genau, wo soll ich hingucken? Das hätte ich mich gerade auch gefreut. Nur so wirkt es dann, weil er noch ein bisschen zu weit aus ist.

Thomas Müller: Achso, weil ich sonst immer… Ja, ja,

Speaker C: ja. Aber guck Olli mal an, wie du ihn auch normal anguckst. Genau, aber so passt er dann auf jeden Fall rein.

Thomas Müller: Ganz tief durchdringend.

Speaker C: Intensiv unangenehm.

Thomas Müller: Intensiv unangenehm.

Oliver Stock: Das ist das Stichwort.

Speaker C: Genau. Und ich muss ein Stück nach hinten. Du musst gar nicht am Tisch unbedingt anlehnen. Ich weiß, du bist bequemer. Hinten nach hinten ist gut.

Oliver Stock: Ich bin natürlich bei dem Gespräch, bis du engagiert bist. Aber wenn du mal nicht da bist, müssen wir das ja irgendwie ersetzen können. Deswegen würde ich es so machen. Deswegen bitte gerne noch mit der ersten Frage ansteigen.

Oliver Stock: Guten Morgen Thomas, wer bist du eigentlich?

Thomas Müller: Das ist eine sehr gute Frage. Du weißt es aber auch nicht. Die Frage ist wie viele Ich bin:

Thomas Müller, ich bin Arbeiterkind, ich bin Berater, ich bin Sprachingspartner, Zukunftsgestalter, ich bin quasi Geschäftsführer 1 Personal-Unternehmensberatung und ich berate Aufsichtsgräbien in der Nachfolgebesetzung, Ich berate Geschäftsführer und ich berate Talente.

Oliver Stock: Personalberater also?

Thomas Müller: Yes.

Oliver Stock: Und wo sitzt du hier in Bochum, wo wir das jetzt gerade aufnehmen?

Thomas Müller: Natürlich im Herz des Ruhrgebietes am relativ neu gestalteten Gesundheitscampus. Da haben wir unser Headquarter. Wir sind als Kontext zwar bundesweit tätig, aber unter uns hier ist unser Herz, Hirn und Verstand.

Oliver Stock: Bist du ein Kind aus dem Pott?

Thomas Müller: Nein, ich bin ganz ursprünglich aus dem Saarland geboren, jetzt kann man natürlich, oder im Saarland geboren, aus dem Saarland kommend, Jetzt kann man sagen, da gibt es natürlich auch Parallelen, Bergbaugeschichte und so weiter, aber ehrlich gesagt mich hat überzeugt das Thema Ehrlichkeit, Verbindlichkeit und Straightness, aber auch Herzlichkeit des Ruhrgebiets. Deshalb ist meine Family und ich gerne vor 20 Jahren hierher gezogen.

Oliver Stock: Und ihr fühlt euch hier wohl. Stell dir mal vor, es kommt jetzt 1 und sagt, Mensch Thomas, München, Hamburg, ich gebe dir nochmal eine ordentliche Prämie oben drauf und du kannst da hinziehen und von da aus deinen Job machen und vielleicht sogar noch ein größeres Rad drehen. Was würdest du machen?

Thomas Müller: Drum führe mich nicht in Versuchung, sagen. Und ganz ehrlich, es mag verlockend klingen, aber nicht für mich. Ich finde, das Ruhrgebiet hat einen ganz eigenen Charme. Es hat eine Klarheit, es hat eine Reflexionsebene, die Herzlichkeit und auch dieses Zusammenhalten in der Nachbarschaft, im Business, das kannst du dir nirgendwo kaufen. Das ist für mich Ruhrgebiet und das brauche ich.

Oliver Stock: Ist das die Qualität, die diese Region ausmacht? Wie würdest du die, wenn du die mal ein bisschen umfassend beschreibst, Was gehört wirklich für dich dazu? Ich meine, ich bin hier gerade gekommen auf der Ruhrautobahn und da steht irgendwann an der Brücke Wir kommen aus mir. Da geht mir immer das Herz auf.

Thomas Müller: Ja, naja, ich glaube es ist schon so dieses Zusammenhalt-Thema und diese Frage, wie gehe ich eigentlich mit Herausforderungen Wir alle haben Herausforderungen. Wir haben Herausforderungen im Business, wir haben Herausforderungen im Leben und die Frage ist, wie gehst du damit Es ist eine Frage des Mindsets und dieses kollektive Mindset hier im Ruhrgebiet auch aus vielleicht schlechteren Rahmenbedingungen oder nicht ganz optimalen Rahmenbedingungen das Beste zu machen. Das ist glaube ich etwas, was diese Region seit Jahrzehnten, Jahrhunderten auch geprägt hat und dieses wir sitzen im Driver Seat, wir gehen die Dinge an Mindset, das elektrisiert und das überzeugt mich. Weil das ist letztlich auch aus meiner Sicht die Coping-Strategie, auch im Business Erfolg zu haben, aber letztlich auch im Privatleben als Mensch. Herausforderung hast du immer. Die Frage ist, wie gehst du damit

Oliver Stock: Jetzt hast du gesagt, seit Jahrhunderten ist das hier vielleicht schon der Fall. Fällt dir eigentlich so eine Persönlichkeit ein, Frau, Mann, historische Persönlichkeit oder Lebende, die für dich diese Region charakterisieren?

Thomas Müller: Also historisch, mal überlegen, würde ich vielleicht Franz Haniel sagen. Also wenn ich das alles so richtig sehe, so im 18. 19. Jahrhundert hat er es quasi geschafft, etwas aufzubauen und diese unternehmerische Fragestellung auch mit sozialer Verantwortung zu verbinden das finde ich sehr beeindruckend es prägt mich selber auch und uns als Kontakt und wenn ich so eine aktuelle Persönlichkeit nehmen oder einen noch lebende würde ich tatsächlich das nicht geringen oder kann man nicht kriegen oder kann man nicht hoch genug schätzen so rum was Herbert Grönemeyer für diese Regierung gemacht hat und Bochum dieses Lied wenn ich Bochum höre kriege ich immer noch Gänsehaut bist

Oliver Stock: Du Grönemeyer fan?

Thomas Müller: Ja total also wenn ich Als ich das erste Mal hier in Bochum war, war ich abends in der Disco und kam nachts 12 Bochum. Du kannst dir das Gefühl nicht vorstellen. Da stehen einfach keine Ahnung wie viele Leute da drin waren. 100 Leute, jeder krölt Bochum mit. Ich kann den Text auswendig.

Oliver Stock: Sag mal, Bochum ich komme aus dir.

Thomas Müller: Bochum, Ich hänge an dir. Glück auf.

Oliver Stock: Du bist Personalberater, du hast es eben gesagt. Du suchst nach Talenten, du versuchst das optimal zu besetzen. Wen möchtest du eigentlich mit deiner Arbeit inspirieren?

Thomas Müller: Ich möchte vor allem Unternehmen inspirieren, Talente, zu sagen, dass es gemeinsam darum geht, das Beste aus der Zukunft zu gestalten. Also es gibt viele Talente, die noch gar nicht wissen, dass sie Potenzial haben und Talente haben. Das ist mein Job, das rauszukriegen, das besser zu machen und das rüber zu transportieren und ich möchte natürlich auch für Unternehmen dafür Sorge tragen, gerade in der strategischen Nachfolge, wenn verdiente Geschäftsführungen und Vorstände in den Ruhestand gehen, dass die bestqualifiziertesten nachkommen, dass die mit dem Zukunftsmindset, quasi Future Leadership auch vorantreiben können und da durchaus auch ungewöhnliche Wege gehen, weil für mich ist die Frage, welcher Mensch passt zu welchem Unternehmen, gerade auch vor dem Hintergrund der strategischen Herausforderungen der Zukunft entscheidend und ich habe schon 25 jährige auf Geschäftsführerposten gebracht, weil ich gesagt habe mit diesem Mindset und mit diesen Fähigkeiten, da braucht man ein bisschen Begleitung, aber der kann es.

Oliver Stock: Wir haben ja im Moment so ein Generationenthema eigentlich. Wir haben die Boomer, die langsam abtreten und wir haben auf der anderen Seite die Gen Z, die da nachwächst. Beide halten nicht vielleicht so viel voneinander, ist vielleicht aber auch ein ganz normaler Generationenkonflikt, war wahrscheinlich immer so, aber wenn du mal beschreibst, was für eine Generation da kommt, was fällt dir dazu ein?

Thomas Müller: Also ich glaube, das ist eine Generation, die will was, die will aber was anderes. Und die hat so diese alten Primärtugenden aus dem Schwäbischen würde man vielleicht sagen Schaffe, schaffe, Häusle, baue. Die hat das sozusagen auf 1 anderen Form. Die strebt sehr nach Sinn, nach dem Thema Technisierung, KI, Longevity, also wie kann ich sozusagen gesund alt werden oder gesund auch bei der Arbeit bleiben. Es ist keine Generation, die per se 85 Stunden Wochen macht, wie wir das vielleicht in unserer Generation noch irgendwie eingetrichtert bekommen haben oder intrinsisch quasi tun. Gleichzeitig ist das eine Generation, die auch sehr, wie soll ich sagen, das Thema Selbstwirksamkeit, Sinn und dergleichen sucht. Und das zu orchestrieren, also diese Generationen-Mix auch gemeinsam gut im Einklang zu halten, das ist eigentlich Job von Business und von Leadership im Business. Wir haben ja im Moment die Situation, dass aktuell 4 Generationen auf dem Arbeitsmarkt sind oder in Organisationen.

Ehrlich gesagt, wenn man die Generation Alpha noch dazu rechnet, sind wir sogar bei 5 Generationen. Und das ist die Nachkommende, die ab glaube ich 2013 oder so geboren ist.

Oliver Stock: Wie alt bist du eigentlich?

Thomas Müller: Ich bin 42.

Oliver Stock: Gut, damit wir das für mal einsortieren. Wir sind ja nicht immer mit Bild unterwegs.

Thomas Müller: Ich bin in der Mitte sozusagen von der ganzen Geschichte. Und das ist vielleicht auch so ein bisschen die Fragestellung. Also ich fühle mich so ein bisschen als Brückenkopf auch zwischen den Generationen, weil ich natürlich von meinem Elternhaus, von meiner eigenen Sozialisation die anderen Werte mitbekommen habe, aber gleichzeitig fühle ich mich noch jung genug, beschäftige mich auch mit den Themen, dass ich auch die andere Generation verstehen kann und sagen kann, was heißt das eigentlich letztlich fürs Business und fürs Unternehmertum.

Oliver Stock: Das ist ein Wandel bei den Generationen. Du hast gerade so die Werte angesprochen, die diese Generationen triggern. Wir stecken hier in 1 ganzen Region, die den Wandel verkörpert. Wahrscheinlich so verkörpert, wie keine andere Region in Deutschland. Ist das ein Vorteil? Können andere von uns was abgucken?

Thomas Müller: Total. Also das Thema ist ja nicht, wenn man mal hinfällt oder wenn es einem nicht gut geht, dass das nicht passieren darf, sondern die Frage ist, wie gehst du damit Und dieses Ruhrgebiet, ich erinnere, seit ich hier wohne und hier lebe, war diese Region, gerade auch Bochum, schon sehr, wie soll ich sagen, ja, die mussten einfach mit Krisen umgehen. Also ich nehme das Thema Opel, Opel ging weg, das war ein bedeutender Arbeitgeber dieser Stadt. Das Thema Nokia hat gesagt, tschüss, wir gehen. Und da hängen ja ganz viele Arbeitsplätze dran, da hängen Steuern dran, da hängen und und und dran und die Frage ist, wie gehst du damit Bochum hat es geschafft nach vorne zu gehen. 2 Dinge will ich besonders hervorheben. Zum einen die Flächen Mark 51 Ruhr, das ist quasi Längen- und Breitengrad, wo das Opel-Gelände war oder Bochum steht. Und die haben es geschafft, dass die quasi dort eine neue Flächenansiedlung geschafft haben, also Start-ups hergebracht haben.

Die haben quasi Max-Planck-Institut für Datensicherheit dort her gelotst, sie haben VW Entertainment oder Infotainment, also quasi dieses ganze Gebiet transformiert und aus meiner Sicht ist das ein Vorzeigemodell und natürlich, das muss ich sagen, da sitzen wir auch und da stehen wir auch voll hinten dran, das Thema Gesundheitscampus. Als Bochum sich vor knapp 10, 12 Jahren war das ungefähr, beworben hatte für die damals erste akademisierte Anbindung an Hochschulen von Heilberufen, also Logotherapie, Ergotherapie, Physiotherapie und Pflege hat jeder gesagt, ihr seid bekloppt, warum soll so eine Hochschule ausgerechnet nach Bochum kommen. Aber Bochum hat daran geglaubt und die haben es vor allem verbunden mit einem Gewerbegebiet, nämlich am Gesundheitscampus und ehrlich gesagt, wir als Contech, wir fanden das so geil und so überzeugend, dass wir gesagt haben, here we are, wir sind da und das ist unser Headquarter. Und das ist wiederum ein Mindset, das ist eine Transformationsqualität. Aus meiner Sicht, da können andere Regionen davon lernen. Ich lasse nichts über Saarland kommen, meine Heimat, aber wenn ich aus dem Ruhrgebiet komme, in Saarland fahre und dann sehe, was dort noch bevorsteht, dann wünsche ich mir ein bisschen mehr Ruhrgebietspower. Natürlich ist eine andere Größenordnung, Allein das Ruhrgebiet ist fünfmal so groß als das Saarland. Aber diese Mentalität darüber zu transformieren, vielleicht machen wir die nächste Folge mal über das Saarland.

Da wären es keine 53, sondern 5, 3 Personen.

Oliver Stock: Schließ doch mal die Augen und denk mal an deinen Lieblingsort im Pott. Was fällt dir ein? Das Bütchen oder irgendeine Landschaft oder ein Ort?

Thomas Müller: Also mein absoluter Lieblingsort ist die Burg Plankenstein in Hattingen. Warum? Weil man hier das Ruhrgebiet so erlebt, wie es keiner auf dem Schirm hat. Jeder denkt das Ruhrgebiet ist staubig, oh je, da gibt es keine grünen Flecken und da gibt es keine Landschaft und und und. Wenn du da stehst, du kannst hoch auf den Turm gehen, da siehst du rüber nach Bochum, du siehst runter auf den Chemnader See, du hast die Freiheit, du hast dieses Open-Minded-Thema, das ist mein absoluter Super-Place. Wahrscheinlich, wenn ich das jetzt hier im Business Punk erzähle, ist ja dem nichts überlaufen, aber das Risiko gehe ich ein, weil der Platz ist echt geil.

Oliver Stock: Zum Schluss, sag mal, Was ist eigentlich mit Schalke los?

Thomas Müller: Ach, herrje. Naja, also ich finde, Schalke, die haben es verkackt, es mal auf Deutsch zu sagen. Jetzt bin ich kein Insider, ich kann ja nur von außen Zuschreibungen machen. Ich glaube aber, dass das wieder hinzukriegen ist, wenn sich Schalke auf die Ruhrgebietsmentalität, auf die Pottqualitäten fokussiert und rückbesinnt, die damals die Eurofighter, die Assauer, also die quasi diese ganzen prägenden Persönlichkeiten von Schalke auch haben. Und dann, ehrlich gesagt, würde ich sagen, wenn du durch Schalke durchfährst, ich bin das letzte Woche nochmal gemacht, du spürst an jeder Ecke, Schalke ist quasi der Sehnsuchtsort für die Gelsenkirchener, für die Schalker und darüber hinaus natürlich. Das heißt, die Menschen stehen hinter dem Verein und mein Thema ist, mit den Menschen aus dem Pott im Rücken wird der Pott irgendwann, wenn diese Tugenden wieder Einzug halten, wieder nach Schalke kommen.

Oliver Stock: Amen. Herzlichen Dank, Thomas. Ich würde sagen, Glück auf!

Thomas Müller: Glück auf!