Aylin
Bönneken
Hallo Aylin, stell dich doch bitte einmal vor.
Ja, ich bin Aylin Bönneken, 24 Jahre alt, komme aus Witten und bin sowohl Unternehmerin als auch Künstlerin.
Welche Art von Kunst machst du?
Hauptsächlich abstrakte Malerei.
Und wie bist du dazu gekommen?
Ich hatte Unterricht, aber ich fange mal ganz vorne an. Ich war früher überall angemeldet: beim Turnen, beim Ballett und so weiter. Ich habe alle möglichen Sportarten ausprobiert und am meisten hat mir die Kunst gefallen. Meine Eltern haben gemerkt, dass ich sehr früh angefangen habe zu malen. Als ich in die Schule kam, habe ich dann Unterricht bekommen, bis ich 18 oder 19 war.
Und wie ging es nach der Schule weiter?
Ja, ich habe dann schnell versucht, irgendwie weiterzumachen, aber nach der Schule stellt sich natürlich die Frage: Was macht man dann? Ich habe dann angefangen, Kunst zu studieren. Da probiert man ja alles aus, aber nach dem Studium male ich hauptsächlich abstrakte Malerei.
Wo wurde die Kunst bislang ausgestellt?
An vielen Orten, zum Beispiel im Leonardo da Vinci Museum, im Louvre oder in Zürich, also auch an verschiedenen Orten in der Schweiz.
Und dein Atelier ist im Ruhrgebiet, oder?
Ja, in Witten. In Witten auf dem Land.
Und wie kann man sich das vorstellen? Wo malst du und in welchem Raum? Erzähl auch ein bisschen, wie du zu Hause in Witten malst.
Ich habe zwei Räume. Das ist ein kleines Atelier. Aber es muss nicht immer alles groß sein, um etwas zu erreichen.
Wenn du so Witten jemandem beschreibst, der noch nie in Witten war, was macht Witten aus? Landschaftlich, kulturell, von den Menschen?
Witten und das Ruhrgebiet haben viel zu bieten. Hier ist es sehr multikulturell, alle treffen aufeinander, unterstützen sich gegenseitig und hier gab es ja auch schon immer eine große Gastarbeiterkultur. Die Veränderung, die man jetzt zum Beispiel in vielen Ländern miterlebt, war hier im Ruhrgebiet schon immer vorhanden.
Und wie, glaubst du, kann sich das Ruhrgebiet in Zukunft noch weiterentwickeln? Was Kunst und Kultur betrifft? Welche Ideen hast du dazu?
Ja, die Möglichkeiten sind da und es gibt viele Ideen, gerade von jungen Menschen. Die Umsetzung ist jedoch eine andere Sache.
Glaubst du, das Ruhrgebiet tut jetzt genug für junge Menschen? Oder geht noch mehr?
Es ist auf jeden Fall noch Luft nach oben, aber ich finde es bewundernswert, wenn jungen Menschen auch Wege gezeigt werden.
Und was ist so dein Ziel als Künstlerin im Ruhrgebiet? Willst du hier bleiben, willst du mal woanders hin?
Da es hier so viele Möglichkeiten gibt, finde ich es einfacher, wenn man jung ist und hier bleibt, weil man die Chancen dann besser nutzen kann.
Und welche Persönlichkeiten kennst du aus dem Ruhrgebiet?
Ehrlich gesagt finde ich, dass das immer die jungen Menschen sind.
Kannst du jemanden konkret nennen?
Ich finde, junge Leute sind das wichtigste Gut, das quasi nachkommt. Ich habe kein besonderes Idol oder eine bestimmte Person, sondern es ist die jüngere Generation, die für mich am wichtigsten ist. Ihre neuen innovativen Ideen zu unterstützen, lohnt sich immer.
Jetzt erzähl uns doch mal von deiner Klinikgeschichte und wie es zu deinem Unternehmen kam.
Vor fünf Jahren hatte ich die Möglichkeit, zahlreiche Werke von mir in einem großen Klinikum auszustellen. Leider hat es nicht funktioniert, da der Brandschutzbeauftragte sein Veto eingelegt hat. Meine Kunstwerke konnten den erforderlichen Brandschutz nicht nachweisen. Den B1-Nachweis.
Was ist dann passiert?
Ja, ich habe fünf Jahre lang entwickelt, produziert und alles Mögliche gemacht. Zunächst habe ich geschaut, welche Materialien es gibt, und dann habe ich diese kombiniert, um einen nicht brennbaren Keilrahmen zu entwickeln. Ich habe ein internationales Patent auf den nicht brennbaren und nicht verziehenden Keilrahmen angemeldet.
Und was ist jetzt der Vorteil für einen Kunden oder das nächste Krankenhaus, das zu dir kommt? Was ist der Vorteil deines Keilrahmens?
Ja, also erst einmal ist er nicht brennbar, das heißt, die B1-Anforderungen sind alle erfüllt. Er ist nicht verziehbar, das bedeutet, dass sich der Rahmen nicht mit der Zeit verzieht. Ich fand es immer schade, dass sich der Rahmen nach der ganzen Mühe mit der Zeit verzieht. Man kann ihn wieder in allen öffentlichen Gebäuden ausstellen.
Und wie stellst du dir das Unternehmen in Zukunft vor? Über die Internetseite kann man dann einen Rahmen verkaufen. Wie genau produzierst du die Rahmen? Vielleicht fangen wir damit an.
In der eigenen Garage zu Hause, dafür habe ich auch schon einige Stipendien bekommen.
Also in der Wittner Garage.
Genau, in der Wittner Garage.
Super. Und wie vertreibst du die in Zukunft?
Zunächst wird der Artikel über einen Webshop vertrieben. Ich hoffe, dass er dann auch in die richtigen Hände kommt.
Und dann hast du sozusagen dein Bilderrahmen-Business und parallel verleihst du Kunst.
Ja, ich vermiete die.
Vielleicht kannst du das nochmal kurz erwähnen, wie du sozusagen deine Kunst vermietest.
Ja, viele Firmen können jetzt nicht aufhängen, weil sie auch öffentliche Bereiche haben. An diese Firmen vermiete ich meine eigene Kunst. Ich mache schließlich schon mein ganzes Leben lang Kunst und habe dementsprechend viel produziert. Diese Werke drucke ich auf einen speziellen, nicht brennbaren Stoff und vermiete ihn dann.
Und Unternehmen mieten das für wie lange?
Ich habe drei Jahresverträge und wechsle alle sechs Monate.
Wo siehst du dich in fünf Jahren mit dem Bildrahmen-Business und als Künstlerin? Was würdest du gern machen?
Ich hoffe, dass man Kunst generell wieder viel mehr in allen öffentlichen Bereichen sieht. Es muss nicht nur meine Kunst sein, auch die von anderen Künstlern. Ich hoffe, dass der Rahmen in den Geschäften erhältlich ist und für die Leute zugänglich ist. Das es die Plattform dafür auch gibt, diese ist auch im Patent angemeldet, eine KI-Plattform mit der man Unternehmen und Kunst hinterher zusammenbringen kann. Das, was man sucht, wird mit dem Künstler gematcht, der das bieten kann. Wenn man jetzt zum Beispiel als Unternehmer blaue abstrakte Kunst sucht, dann wird man über die Plattform mit dem Künstler gematcht, der blaue abstrakte Kunst malt.
Glaubst du, es gibt im Ruhrgebiet genug Museen und so weiter? Kann man sich hier im Ruhrgebiet bislang genug Kunst anschauen? Wie siehst du die Szene?
Ja, hier gibt es sehr viel Kunst und Kultur. Gerade aus den alten Zechengebäuden und Bergbaumuseen. Das waren früher alles Arbeitsplätze und jetzt ist daraus Kultur entstanden. Ich finde, das ist schon auch einzigartig hier in Wuppertal.
Glaubst du, dass sich junge Menschen diese Sachen auch ansehen? Oder müsste es noch andere Sachen geben, die speziell für Jüngere sind?
Im Ruhrgebiet müsste definitiv mehr Kulturangebote für junge Leute geben, damit das ansprechender wird für die jungen Generationen.
Hast du Beispiele aus anderen Ländern, wie man das machen könnte? Kennst du etwas in der Schweiz, Österreich oder einem anderen Land, wo du warst und wo du sagst: „Das haben die gut gemacht. Das können wir hier auch machen.”?
Also, wir haben ja schon ziemlich viele Angebote, auch zusammen mit Duisburg. Da ist zum Beispiel das Museum Küppersmühle. Aber ich finde, man könnte es manchmal noch offener gestalten, weil viele, die ich kenne, sagen, dass es eher für ältere Leute ist. Viele junge Leute gehen nicht ins Museum. Wenn man es noch ein bisschen offener gestaltet, werden auch jüngere Leute darauf zurückkommen.
Zum Abschluss noch einmal ein Statement: Was wünschst du dir für die Zukunft des Ruhrgebiets? Für dich, für deine Familie, für junge Leute. Wenn du einen Wunsch frei hättest, was müsste sich hier noch verändern? Da gäbe es die Förderung von jungen Menschen oder, wie du sagst, kostenlose Angebote für junge Menschen. Oder man sollte jungen Menschen öfter eine Chance geben und nicht nur etablierten älteren Künstlern.
Ja, das ist mir schon wichtig. Es ist sehr wichtig, das viel offener zu gestalten. Man sollte vielleicht nicht immer so verklemmt sein und sagen: „Okay, wir haben das immer so gemacht und das bleibt auch so.” Oder nur die Leute, die entschieden haben, entscheiden jetzt auch noch. Das ist schade, weil viele dann gar nichts davon mitbekommen.
Unser Format heißt „Business Punk”. Punk steht für Rebellion. Ist in deiner Kunst auch ein bisschen Rebellion mit drin? Wenn ja, wie? Wenn nicht, warum nicht? Siehst du dich also als Punk der Rahmenszene, der seinen eigenen Weg geht und jetzt selbst produziert? Siehst du dich auch als Unruhestifterin?
Ja, ich finde schon, dass das bestimmt wird. Natürlich muss man Aufklärungsarbeit leisten, was den Brandschutz und den Rahmen betrifft. Das gibt es ja noch nicht, aber ich denke, dass der neue Rahmen zum Monopol werden könnte, weil er innovativer ist, mehr Qualität hat und durchdachter ist als ein normaler Rahmen.
Und wie, glaubst du, kannst du wirklich dranbleiben? Das wird ja hoch und runter gehen, so ist das nun mal im Leben. Was motiviert dich, über die nächsten Jahre hinweg dranzubleiben, dich morgens mit dem Thema zu beschäftigen und abends damit ins Bett zu gehen? Hast du eine besondere Fähigkeit oder etwas anderes, das dich motiviert, weil du unbedingt dranbleiben willst, weil das dein Lebensthema ist?
Ja, mein Lebensthema ist die Kunst. Daher gehört auch der Rahmen irgendwie dazu. Es ist für die Kreativwirtschaft, aber für mich ist es auch Kunst. Am besten verfolgt man das, was man gerne macht. Dann stößt man zwangsläufig auf Dinge, die vielleicht nicht ganz passen. Daraus etwas zu machen, ist dann eine Frage der Überzeugung. Wer diese für ein eigenes Produkt oder eine Lösung hat, hat auch nicht das Gefühl, den ganzen Tag daran zu arbeiten, sondern macht es einfach, weil er davon überzeugt ist.
Ja, Business Punk ist aktuell noch ein Wirtschaftsmagazin. Wirtschaft bedeutet schließlich auch immer Geld, und es gibt den Begriff der brotlosen Kunst. Ist es für dich als Künstlerin oder Unternehmerin finanziell auch mal schwierig?
Ja, es gibt den Ausdruck „brotlose Kunst”. Meiner Meinung nach gibt es immer Möglichkeiten. Wenn man wirklich das verfolgt, was man gerne macht, dann gibt es immer Wege sich zu finanzieren.
Super, vielen Dank, Aylin! In diesem Sinne: Glück auf!
Glück auf!