Martin Salwiczek
„Das Ruhrgebiet ist ein Melting Pot – es überrascht immer wieder neu und die Menschen sind unglaublich herzlich.“
„Das Ruhrgebiet ist ein Melting Pot – es überrascht immer wieder neu und die Menschen sind unglaublich herzlich.“

Martin Salwiczek

Geschäftsführer SOLANIUS | Treiber praxisnaher KI-Beratung und Weiterbildung für den Mittelstand und Arbeitsuchende

Pottografie

Martin Salwiczek ist Geschäftsführer von SOLANIUS und spezialisiert auf KI-Beratung sowie Weiterbildung im digitalen Wandel. Mit seinem Team unterstützt er kleine und mittelständische Unternehmen bei der Integration von Künstlicher Intelligenz und begleitet gleichzeitig Arbeitssuchende durch Coaching und Qualifizierung in neue berufliche Perspektiven. Sein Ansatz verbindet technologische Innovation mit menschlicher Entwicklung: praxisnah, zugänglich und immer im Austausch. Geprägt vom Ruhrgebiet versteht er Transformation als Chance und als Prozess, der am besten gemeinsam gelingt.
Interview mit Business Punk Chefredakteur Oliver Stock: [Oliver Stock]: Hallo Martin, stell dich doch bitte einmal vor. [Martin Salwiczek]: Gerne. Ich bin Martin Salwiczek, 46 Jahre alt, verheiratet, habe eine 14-jährige Teenager Tochter und apollinischen Wurzeln. Salwiczek, da hörst du es raus. Seit Beginn meines Berufslebens mache ich Bildungsarbeit mit dem Fokus, Menschen in ihrer jeweiligen Situation weiterzubringen. Manche machen gerne Weiterbildungen, um ihr Wissen zu erweitern. Ich kenne in der Regel die Situation, wenn Menschen die Notwendigkeit haben, sich weiterzubilden, um ein Stück weiterzukommen oder sich aus einer Misere herauszuarbeiten. Das heißt, ich begleite Menschen auch bei der Suche nach einem neuen Job oder Beruf und inspiriere sie, eigene Grenzen auszutesten. Das ist es, was mich antreibt. Und heute, als Geschäftsführer von SOLANIUS , steht KI als Weiterbildungsthema im Zentrum. [Oliver Stock]: Super! Bei uns stehen das Ruhrgebiet und KI im Zentrum. Zunächst einmal das Ruhrgebiet. Wie erklärst du einer Person, die noch nie im Ruhrgebiet war, zum Beispiel jemandem in Polen, was das Ruhrgebiet ist? [Martin Salwiczek]: Ja, also wenn ich es jemandem aus Polen erkläre, der aus Schlesien kommt, sage ich: Es ist so wie bei euch, also sehr ähnlich. Aber wie erkläre ich das Ruhrgebiet? Es gibt diesen schönen Begriff des „Melting Pot”, also Schmelztiegels, in dem verschiedenste Kulturen und Menschen mit unterschiedlichsten Ansätzen aufeinandertreffen. Und das ist auch etwas, das mich während meines gesamten Lebens im Ruhrgebiet immer wieder neu überrascht. Man fährt nach Bochum in eine normale Wohnungssiedlung und kommt zu einer Agentur. Solche Sachen. Das Ruhrgebiet überrascht. Es ist nie langweilig und die Menschen sind sehr herzlich. Und das ist auch der Grund, warum ich gar nicht weg will. [Oliver Stock]: Was muss man hier besonders gesehen haben? [Martin Salwiczek]: Am besten nimmt man sich ein Fahrrad und fährt die Industrieroute entlang. Man wird immer wieder aufs Neue überrascht, denn es gibt nicht nur Schlote, die durchaus spannend zu beobachten sind. Es gibt zum Beispiel den Landschaftspark Nord, aber auch sehr viel Grün. Man sollte an den Büdchen halten und sich einen kleinen Smalltalk mit den Ruhrpottleuten gönnen. Das wird man nicht vergessen. Oder ein Wasser, das gehört dazu. [Oliver Stock]: Kommen wir nun zum Thema KI. Was war dein KI-Moment, in dem du dich zum ersten Mal mit KI beschäftigt hast? [Martin Salwiczek]: Eigentlich schon sehr früh mit Science-Fiction und Co., also mit Filmen wie „Terminator“ und Ähnlichem. Das war einer der ersten Filme, die mich geprägt haben. Das ist ja auch ein häufig gesetztes Narrativ: Die KI vernichtet uns. Aber dann, ich glaube, das, worauf du hinaus willst, ist der ChatGPT-Moment, den viele andere Menschen auch erlebt haben. Für viele ist KI gleich ChatGPT. Wenn man merkt: „Oh, krass! Dafür hätte ich jetzt normalerweise vier Stunden gebraucht, aber das habe ich in fünf Minuten fertig gekriegt!”, dann ist das ein sehr, sehr früher Moment. Ich würde mich also schon als Early Adopter bezeichnen. Gerade als ChatGPT frisch auf den Markt kam, habe ich mich sehr früh damit auseinandergesetzt und sehr schnell das Potenzial der KI erkannt. [Oliver Stock]: Wie funktioniert KI und Weiterbildung? Wie kann man Menschen dazu bringen, sich damit beruflich zu beschäftigen? [Martin Salwiczek]: Ich glaube, das tun viele sowieso schon. Das ist, glaube ich, eine große Herausforderung für Schulen und Universitäten, weil das Thema Lernen an Wert verliert, da wir die Ergebnisse relativ schnell zusammenhaben. Per Knopfdruck sagt mir ChatGPT: „Schreib mir eine Hausarbeit, schreib mir eine Abschlussarbeit.” Und ich glaube, in der Weiterbildung ist es umso wichtiger, den kritischen Umgang mit KI zu lernen und die Menschen dazu zu bringen, wieder zu entschleunigen. Ich sage immer: Lernen muss wehtun, und KI nimmt den Schmerz ein Stück weit. Die Herausforderung besteht jedoch darin, das zu fördern. Es kann durchaus wehtun, wenn man ungefragt Ergebnisse von der KI hinnimmt und dann auf die Nase fällt, weil die KI Fehler produziert. [Oliver Stock]: Deshalb hast du den Kernpunkt Präsenz dabei. Wie kann ich mir das vorstellen [Martin Salwiczek]: Ja, für uns ist es ein ganz wichtiger Faktor, die Menschen wieder zusammenzubringen, anders als es viele Anbieter da draußen machen. Das heißt, Präsenzunterricht in Gruppen zu ermöglichen. Lernen verändert sich auch, denn eine KI kann teilweise Inhalte besser vermitteln als ein Lehrer, der gerade frisch, also ohne despektierlich zu sein, für die Absolventen, auf dem Markt ist. Die Schüler schauen sich das parallel an und lernen damit. Aber dieses kritische Hinterfragen, das Teilen von Ergebnissen und schönen Sachen mit anderen, klappt immer noch am besten im Verbund. Wenn man also sagt: „Wow, ich will dir unbedingt zeigen, was ich da geschafft habe”, klappt das immer noch am besten im Verbund. Deswegen ist es für uns ein ganz wichtiger Faktor, die Menschen zusammenzubringen und anhand von praktischen Use Cases Dinge üben zu lassen, weil das rein faktische Lernen mit KI schon sehr schnell gelingt. [Oliver Stock]: Kannst du eine typische Unterrichtsstunde skizzieren? Was ist Frontalunterricht, was ist Gruppendiskussion? [Martin Salwiczek]: Ja, im Prinzip ist es tatsächlich so, dass du immer noch einen Dozenten oder Trainer hast, der gewisse Grundlagen vermittelt. Wir sprechen mittlerweile allerdings eher von Lernbegleitern. Das heißt, auch das Rollenbild des Lehrers bzw. Dozenten verändert sich. Er gibt gewisse Impulse und zeigt den Schülern zunächst Möglichkeiten auf, wie sie bestimmte Fakten selbst lernen können. Beispielsweise sollte er euch heute damit auseinandersetzen, was neuronale Netze sind und wie sie funktionieren. Findet man einen eigenen Lösungsweg mithilfe von KI? Dann wird in Gruppen besprochen, was dabei herausgekommen ist. Es wird diskutiert und präsentiert. Das ist sehr nah dran an dem, was im späteren Berufsalltag wichtig ist. Kommunikation ist ein Kernthema, das dürfen wir nicht aus den Augen verlieren. Kritisch reflektieren, motivieren. Das sind Punkte, die dann in die Rolle des Dozenten fallen. [Oliver Stock]: Was würdest du jungen Leuten mit auf den Weg geben, die sich jetzt anfangen, mit KI zu beschäftigen, vielleicht aus ihrer beruflichen Situation heraus? [Martin Salwiczek]: Ein bekannter Fußballer sagt: „Geht raus und spielt Fußball!” Was ich daran mag, ist, dass Franz Beckenbauer den Satz geprägt hat, sich nicht zu viele Gedanken zu machen. Natürlich sind Datenschutz und ähnliche Themen wichtig. Aber ein spielerisches Herangehen an die KI ist, glaube ich, ein ganz wichtiger Faktor, um immer wieder überrascht zu sein, wie viel Potenzial dahintersteckt. Das motiviert dazu, weiterzumachen und selbst Dinge zu lernen. Sich im Zusammenspiel mit dieser KI selbst auszuprobieren, heißt natürlich nicht, dass man es nicht auch ohne Kritik machen soll. Man sollte sich selbst schärfen und überprüfen, was dabei herauskommt. Das ist ein ganz wichtiger Faktor, am besten im Kontext mit anderen Menschen. Aber ich glaube, an erster Stelle sollte der spielerische Umgang und der Spaß mit der Materie stehen, denn es kann sehr viel Spaß machen, zu sehen, welches Potenzial in dieser KI steckt. [Oliver Stock]: Und was für eine schöne Aufgabe würde die KI im Unterricht bei euch bekommen! Zum Thema Ruhrgebiet. [Martin Salwiczek]: Zunächst denke ich an eine bildgebende KI, die ein schönes Bild skizzieren kann. Ich würde zum Beispiel gerne eine Route mit dem Fahrrad durchs Ruhrgebiet skizzieren, mit den herzlichen Menschen und den Hotspots der Region. Zeige sowohl die weniger schönen als auch die sehr schönen Seiten des Ruhrgebiets. Das ist mein erster spontaner Impuls. [Oliver Stock]: Super! Vielleicht noch ein abschließender Satz zum Thema „KI first” und „Ruhrpott first”. [Martin Salwiczek]: Ja, jetzt, wo du es so sagst, sind es zwei Punkte, die, glaube ich, ziemlich gut zusammenpassen. Das Ruhrgebiet steht schließlich wie keine andere Region für Strukturwandel und Veränderung. Und wenn wir jetzt sagen, dass bestimmte Regionen und Branchen vom Strukturwandel betroffen waren, dann wird es jetzt alle Berufe betreffen. Da kann man sich vom Ruhrgebiet sehr gut eine Scheibe abschneiden. Mal gucken, wie sie es gemacht haben. Wie sind sie durch diese riesige Transformation gegangen? Wir nehmen uns das Ruhrgebiet als Inspiration und Vorbild, um auch die KI-Transformation zu bestehen. [Oliver Stock]: Super! Ich verbinde dich ja mit Oberhausen. Was hat es damit auf sich? [Martin Salwiczek]: Ja, also tatsächlich bin ich seit meinem dritten Lebensjahr Oberhausener. Jetzt fragen uns viele, warum wir in Oberhausen gegründet haben und nicht in München oder Berlin. Wir sehen aber gerade hier im Ruhrpott die Notwendigkeit, den Digitalisierungsnachholbedarf, den wir sowieso schon haben, anzugehen. Das heißt aber nicht, dass wir auf Oberhausen fokussiert bleiben. Wir haben mittlerweile auch ein Tochterunternehmen in der Steiermark in Österreich. Da gibt es durchaus Parallelen zum Ruhrpott, was die Menschen und den Menschenschlag sowie die Herausforderungen angeht. Wie ich bereits gesagt habe, habe ich polnische Wurzeln. Dieses Verwurzeltsein ist mir wichtig, aber ich finde den Blick nach außen unglaublich wertvoll. Davon profitieren wir und auch die Region. [Oliver Stock]: Super, das müssen wir. In diesem Sinne Glück auf! [Martin Salwiczek]: Glück auf!
„Lernen muss wehtun, und KI nimmt den Schmerz ein Stück weit.“