Christian Hallerbach
„Für mich hat der Pott eine offenherzige Art, miteinander umzugehen – und einen Humor, der einfach grandios ist.“
„Für mich hat der Pott eine offenherzige Art, miteinander umzugehen – und einen Humor, der einfach grandios ist.“

Christian Hallerbach

Geschäftsführer & Experte für Fachkräftemigration | Brückenbauer für internationale Talente und den deutschen Arbeitsmarkt

Pottografie

Christian Hallerbach ist Unternehmer aus Bochum und spezialisiert auf Fachkräftemigration im Pflegebereich. Nach ersten Stationen im Profifußball verantwortet er heute Unternehmen, die internationale Pflegekräfte, insbesondere aus Drittstaaten, für den deutschen Arbeitsmarkt gewinnen und integrieren. Sein Ansatz verbindet unternehmerisches Denken mit gesellschaftlicher Verantwortung: Fachkräftegewinnung versteht er als zentrale Antwort auf den demografischen Wandel. Geprägt vom Ruhrgebiet setzt er auf Offenheit, Pragmatismus und direkte Kommunikation, sowohl im Business als auch im Umgang mit Menschen aus unterschiedlichen Kulturen.
Interview mit Business Punk Chefredakteur Oliver Stock: [Oliver Stock]: Hallo Christian, schön, dass du da bist! Stell dich doch bitte kurz vor. [Christian Hallerbach]: Ich bin Christian Hallerbach, Anfang 40, geboren im Ruhrgebiet, in Herne. Ich habe Fußball bei Schalke gelernt und beim VfL Bochum, ein Jahr in der 2. Bundesliga gespielt. Heute bin ich Gesellschafter und Geschäftsführer von Unternehmen in Bochum und ausgewiesener Experte für Fachkräftemigration aus Drittstaaten. [Oliver Stock]: Das klingt super spannend! Vielleicht fangen wir mit Herne an. Wenn ich an Herne denke, fällt mir als Erstes die Cranger Kirmes ein. Erzähl mal, was fällt dir dazu sofort ein? [Christian Hallerbach]: Die Cranger Kirmes ist immer das Highlight im Sommer. Da sind wir jedes Jahr mit Freunden, größtenteils aber auch mit den Abschlussjahrgängen vom Abitur. Ich bin immer gerne dabei, meistens natürlich auch beim bekannten Steinmeister, aber Achterbahnfahren darf natürlich nicht fehlen. [Oliver Stock]: Was verbindest du sonst noch mit dem Pott? [Christian Hallerbach]: Für mich hat der Pott eine offenherzige Art, miteinander umzugehen. Den Humor. Ich liebe diesen Humor. Er ist einfach grandios. Er ist immer sehr direkt, natürlich auch mal ein bisschen unter der Gürtellinie, aber nie auf eine Weise, die der Person schadet, sondern eigentlich eher, um sich gegenseitig auf Augenhöhe zu begegnen. [Oliver Stock]: Welche Qualität hat der Pott für dich? Privat und beruflich? [Christian Hallerbach]: Privat muss ich sagen, liebe ich den Ort, weil du alles hast. Du hast einerseits Grünflächen, andererseits ein großes Kulturangebot, die Bildungsangebote sind enorm, es gibt tollen Fußball und auch beruflich ist einiges möglich. Du hast kurze Wege, die Distanzen sind überhaupt nicht lang, auch zu Entscheidern nicht. Und es gibt einfach eine hohe Dichte an wirklich guten Leuten. [Oliver Stock]: Super. Glaubst du, dass uns der Strukturwandel, den wir im Pott durchgemacht haben, resilienter gemacht hat? [Christian Hallerbach]: Ob man dadurch resilienter wird, weiß ich nicht genau. Aber was auf jeden Fall passiert ist: Du hast eine hohe Anzahl an Leuten, und je mehr Leute du hast, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass gute Ideen entstehen. Außerdem hast du dir mit diesem ganzen Strukturwandel die Möglichkeit erhalten, Start-ups zu gründen. Es gibt Inkubatoren und Universitäten bringen sich da unglaublich gut ein. Das hat uns dabei geholfen, aus dieser gesamten Phase des Abschwungs wieder einen Aufschwung zu machen. [Oliver Stock]: Kommen wir nun zum beruflichen Teil des Themas Pflege. Wie kam es dazu, dass du dich heute mit Pflege beschäftigst? [Christian Hallerbach]: Wir betreiben selbst privatwirtschaftlich geführte Pflegeeinrichtungen, insgesamt 25 mit 1500 Mitarbeitenden. Da ein Großteil der Pflegekräfte über 50 Jahre alt ist und demnächst in Rente geht, haben wir einen hohen Fachkräftebedarf. Aus dieser Not heraus haben wir beschlossen, Fachkräftemigration aktiv zu betreiben und den Markt offen zugänglich zu machen. [Oliver Stock]: Wie funktioniert die Fachkräfterekrutierung in Nordrhein-Westfalen? [Christian Hallerbach]: In Nordrhein-Westfalen wäre es schön, wenn man etwas stärker auf Public-Private-Partnerships setzen würde, weil man die Fachkräftemigration nicht losgelöst von der Privatwirtschaft denken kann. Wir können beispielsweise kein Visum ausstellen, das ist eine reine staatliche Hoheit. Über die Landesverbände ist natürlich auch der gesamte Ausbildungskatalog an ein Land bzw. ein Bundesland gebunden. Deswegen brauchst du immer eine Kooperation zwischen einer staatlichen und einer privaten Einheit, die das Risiko trägt. Pflegeeinrichtungen und Krankenhäuser können kein Geld ins Ausland transferieren in der Hoffnung, dass Fachkräfte kommen. Dafür braucht es die Privatwirtschaft, die wir wiederum abbilden, und wir begleiten die Projekte vor Ort. [Oliver Stock]: Kannst du ein konkretes Beispiel nennen, bei dem ihr sagt: „Das funktioniert bei uns in der Pflege wunderbar, weil wir es so und so gelöst haben“? [Christian Hallerbach]: Wir sind insbesondere auf den Philippinen tätig, einem Land mit einer großen Einwohnerzahl und Englisch als Amtssprache. Vor Ort schließen wir Ausbildungspartnerschaften. Wir helfen vor Ort, den Ausbildungsstandard zu erhöhen. Für die Fachkräfte sind alle unsere Projekte kostenlos, da wir die Verantwortung bei den Arbeitgebern sehen. Diese haben den großen Nutzen, aber wir sehen auch eine Verantwortung bei den Staaten, da du volkswirtschaftlich mit neuen Fachkräften auch neue Steuerzahler generierst. [Oliver Stock]: Wir sind ja auch ein Business-Magazin. Was würden andere Pflegeakteure dazu sagen? Wie überzeugst du Philippiner wirklich, in den Flieger zu steigen und nach Deutschland oder in den Pott zu kommen? [Christian Hallerbach]: Deutschland hat in der Außenwahrnehmung immer noch einen hohen Stellenwert. Deutschland ist als Industrienation sehr verbreitet, hier im Ruhrgebiet überhaupt kein Problem. Weltoffenheit spielt ja schon immer eine Rolle. Wir hatten viele Gastarbeiter. Integration ist hier so etwas wie ein „Melting Pot”. Das fällt natürlich auch Fachkräften aus dem Ausland leicht, sich hier in die Strukturen zu integrieren. [Oliver Stock]: Und wenn die philippinischen Fachkräfte hier sind, welche Bindungsmaßnahmen gibt es? Wie betreut ihr sie, damit sie auch hierbleiben? [Christian Hallerbach]: Einen großen Teil machen wir eigentlich mit Integrationsmaßnahmen zusammen mit dem Arbeitgeber, weil dieser nachher sozusagen das Gesicht nach außen hin ist. Die buhlen um Fachkräfte. Du benötigst Fachkräfte, um dir diese demografischen Veränderungen irgendwie zu erkaufen. Viele Leute werden jetzt über die Babyboomer-Jahre einfach in Rente gehen. Das heißt, der Arbeitgeber wird auch in die Pflicht genommen. Auf der anderen Seite unterstützen wir ihn dabei, kulturelle Unterschiede auszugleichen. Diese sind auf den Philippinen aber nicht sehr groß, da das Land katholisch geprägt und englischsprachig ist. Das heißt, viele Dinge sind dort ohnehin sehr westlich, obwohl das Land so weit weg in Asien liegt. [Oliver Stock]: Was würdest du Menschen, die neu hierherkommen, empfehlen, sich im Ruhrpott unbedingt anzuschauen? [Christian Hallerbach]: Im Ruhrgebiet gilt das definitiv für alles, was mit Sport zu tun hat. Diese Offenherzigkeit der Menschen haben wir bereits erwähnt. Wir sind es gewohnt, mit Menschen umzugehen, weil wir einfach so viele sind. Du bist hier nicht auf dem Land, wo jeder sein eigenes Süppchen kocht. Wir gehen aktiv auf Menschen zu. Insgesamt den Abend gemeinsam mit anderen zu erleben, ist nichts Ungewöhnliches. Man kann sich durchaus auch an die Gruppe andocken und „Hi, wie geht's dir?” sagen. Man wird sehr schön aufgenommen. [Oliver Stock]: Wie siehst du die Zukunft der Pflege in Deutschland? [Christian Hallerbach]: Das ist schwierig. Da muss ich ehrlich sagen, dass ich momentan nicht weiß, wie ich als Politiker in zehn Jahren reagieren würde, wenn die ganzen Pflegekräfte wirklich in Rente gehen. Das wird ein Problem, denn ich kann nicht sagen: „Die sollen doch einfach alle ihre Leute zu Hause pflegen.” Wenn ein Anwalt seine Mutter zu Hause pflegen muss, kann er nicht mehr als Anwalt arbeiten. Damit wird Gesundheitspolitik zur Wirtschaftspolitik. Wen trifft es meistens, wenn zu Hause gepflegt werden muss? Eigentlich trifft es die vulnerablen Gruppen, die wir eigentlich zu schützen versuchen. Insbesondere Frauen, die eigentlich arbeiten gehen sollten, pflegen dann, weil das Gehaltsgap sie häufig trifft. Das sollten wir uns als Gesellschaft eigentlich nicht erlauben. Eine der großen Lösungen ist deshalb, Fachkräfte aus dem Ausland zu rekrutieren, um sich die Zeit zu erkaufen, die uns der demografische Wandel gerade abgräbt. [Oliver Stock]: Eine letzte Frage: Was würdest du jungen Leuten aus dem Ruhrgebiet mit auf den Weg geben, das sie für die Zukunft wissen oder tun sollten? [Christian Hallerbach]: Bildung ist ganz klar der Standard. Selbst wenn KI viele der aktuellen Wissenseinheiten überflüssig macht, weil du alles erfragen kannst, ist Grundbildung trotzdem das A und O. Aus meiner Sicht sollte man viel mehr in soziale Kompetenzen investieren. Soziale Kompetenzen gegenüber sich selbst, anderen und Storytelling. Storytelling ist aus meiner Sicht eine der wichtigsten Fähigkeiten, weil du Leute davon begeistern musst, deine Ideen gut zu finden, damit du sie irgendwann auch in ein eigenes Unternehmen umsetzen kannst. [Oliver Stock]: Super, perfekt. In diesem Sinne Glück auf! [Christian Hallerbacher]: Glück auf!
„Eine der großen Lösungen ist, Fachkräfte aus dem Ausland zu rekrutieren, um sich die Zeit zu erkaufen, die uns der demografische Wandel gerade abgräbt.“