Pocketschange: Diese Amerikaner wissen, wie man hip über Geld spricht

Eltern sprechen mit ihren Kindern lieber über Sex und Drogen als über dieses eine Thema. Lehrer streichen es ganz aus dem Lehrplan. Und Erwachsene meiden es – aus Scham oder um Streit, Neid und Gier zu vermeiden. Dabei hat es jeder, braucht es jeder und will es jeder. Es geht um Geld: Geld verdienen, Geld vermehren, Geld behalten.

Seit mittlerweile acht Jahren bringen Andrea Ferrero, Pamela Capalad und Brian Kushner ihren amerikanischen Landesgenossen, Kindern wie jungen Erwachsenen, bei, wie sie ihre Finanzen managen. Und das nicht Lehrer-like im Frontalunterricht, sondern in angesagter Hip-Hop-Manier. Hip-Hop-Pädagogik heißt die Lehrmethode in den Workshops von Pocketschange. Die hat allerdings wenig mit Breakdancen oder Popping zutun, sondern geht zurück zu den Basics der Hip-Hop-Kultur: zu Rhythmus, Identität und Community-Building. „Manchmal wird aber auch getanzt“, sagt Ferrero.

Brunch, Podcast, Hip-Hop: Settings für den Money Talk

Die drei Coaches kommen aus den verschiedensten Disziplinen: Ferrero war jahrelang Lehrerin, Hip-Hop-Pädagoge Kushner macht gleichzeitig als „Dyalekt“ Musik und schreibt Theaterstücke. Capalad ist zertifizierte Finanzplanerin und hat eine eigene Firma namens Brunch & Budget, wo sie beim Brunchen Erwachsenen mit ihren Finanzen hilft. Auch macht sie gemeinsam mit ihrem Ehemann Kushner einen Finance-Podcast. Beide supporten mit der Dead Day Job Army People of Colour, denn diese Gruppe hätten andere Finanzproblemen als weiße Amerikaner: Hohe Studienkredite, aber kein familiäres Sicherheitsnetz, weniger Einkommen und die Verpflichtung, die Familie im Ausland mit Geldpäckchen zu versorgen, so Capalad im „Forbes“-Interview.

Finanzielle Freiheit, das wollen sie jedem ermöglichen. Auch den Unter-18-Jährigen. Die Idee entstand in einem Summer Camp, wo Ferrero und Capalad Kinder in Finance unterrichteten. Dann entschieden sie sich, das Thema für alle zu öffnen, gründeten Pocketschange und gingen an die Schulen und Colleges Amerikas. Mit Hip-Hop-Pädagoge Kushner kam dann mehr Rhythmus ins Projekt.

Rhythmus ist mehr als nur Bewegung. Du verstehst vielleicht nicht meine Sprache, aber durch Rhythmus erkennst du meine Stimmung und was ich versuche zu sagen“, erklärt er ein Kernelement der Hip-Hop-Methode. Kennen Menschen ihren Rhythmus, wissen sie, wo sie in der Community hingehören und verstehen auch ihre Beziehung zu Geld besser.

Um ihren Rhythmus zu finden, schreiben die Kids im Workshop ein „I-am-Poem“. Darüber, wer sie sind, was sie mögen, aber auch welche Stärken und Schwächen sie haben. Reim ist ein beliebtes Hip-Hop-Element, um die eigene Identität zu entdecken. Manche rappen ihr Gedicht. Hier wird Hip-Hop-Pädagogik zur Kunstform. „Reim ist der einfachste Weg, um aus der Komfortzone auszubrechen. Sobald du performen und improvisieren kannst, kommst du auch in Jobinterviews klar“, findet Kushner.

Junge Gründer, skurrile Ideen

Doch sie vermitteln nicht nur Karriere-Hacks, sondern vor allem „Life Skills“, sagt Ferrero. Dazu zählt auch, aus eignen Interessen eine Business-Idee zu kreieren. Nach dem Motto „Früh übt sich“ zeigen sie schon Middle-School-Schülern, wie sie ihr Produkt vor ihren Peers pitchen. Und das mit Erfolg: Seitdem hat sich schon ein Sticker-Business und ein Hundeausführservice gegründet. „Ein paar elfjährige Mädchen haben sich ein Gassi-Geh-Geschäft ausgedacht. Sie haben sich ein Preismodell überlegt und Strategien, wie sie Kunden gewinnen“, sagt Capalad stolz.


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