Schön gefailt: Wieso Caro Schuster jede Frau im Unternehmen kennt

Fails am Arbeitsplatz passieren wirklich allen: egal, ob es sich um ein fragwürdiges Design, eine schlechte Performance im Büro oder ein schiefgegangenes Experiment handelt, das die Chefin auf die Palme gebracht hat. In unserer neuen Reihe „Schön gefailt“ erzählen Gründer*innen und Unternehmer*innen jeden Freitag, was ihr größter Fail war, wie sie damit umgegangen sind – und was sie daraus gelernt haben und ihrem jüngeren Ich heute raten würden.

Heute erzählt die Mode- und Grafikdesignerin Caro Schuster. Sie hat vor zwei Jahren den fairen und nachhaltigen Onlineshop Studio Artisan gegründet und arbeitet ausschließlich mit Frauen-Kooperativen in Marokko zusammen. Damit will sie das traditionelle Handwerk im Hohen-Atlas-Gebirge unterstützen.

Caro Schuster, Gründerin von Studio Artisan:

STUDIO ARTISAN sollte von Anfang an ein fairer, nachhaltiger Concept-Store sein. Als erstes Produkt wollten wir tolle, schöne Berberteppiche aus dem Hohen-Atlas-Gebirge Marokkos verkaufen. Wir nannten deswegen auch zum Start unseres Onlineshops die Teppiche Item #1. Damit hatten wir uns eigentlich festgelegt. Kurze Zeit später sollten Item #2, Item #3 und so weiter folgen. Alle drei Monate, jedes Quartal, ein neues Produkt.

Mit dieser Idee gingen wir an den Start. Wir merkten früh, dass unsere Versprechen „Fair, Nachhaltig und von Frauen produziert“ genau das Richtige war. Es in Marokko vor Ort zu erfüllen, hat aber viel Arbeit, viele Reisen und viel Kontrolle verlangt. Zum Glück fanden wir für unsere Teppiche Frauenkooperativen, in denen ausschließlich Frauen arbeiten, und zwar ohne Zwischenhändler oder windige Geschäftsmänner in Hinterzimmern, die sich auf Kosten der Frauen die Taschen vollmachen.

Die ersten Teppiche kamen nach einer unserer Marokkoreisen mit einem vollgepackten Transporter, gut verpackt in blauen Säcken, in Köln an. Der Saharastaub hing noch an der Windschutzscheibe. Das war alles aufregend, aber auch nur der Anfang. Denn danach mussten wir Teppiche ausmessen, Fotos machen, den Onlineshop pflegen, die Logistik für die nächste Lieferung planen, die nächste Produktion der Teppiche mit den Berberfrauen abstimmen, Kundenanfragen beantworten und so weiter. Daily Business eben.

Der Plan, von Beginn an alle drei Monate etwas Neues ins Sortiment aufzunehmen, war vielleicht zu romantisch oder überambitioniert. Das Versprechen „Fair & Nachhaltig“ für drei weitere Produkte pro Jahr zu erfüllen, war so schnell und so leicht nicht machbar. Unser Versprechen an unsere Kund*innen und an die Frauen in Marokko lautete, nur fair und nachhaltig produziertes, traditionelles Handwerk zu verkaufen. Das war eine große Chance, aber auch eine Herausforderung. Schon früh wurde uns klar: Unser Item #1 sollte erst einmal unser einziges Produkt bleiben. Und das war auch gut so. Die garantiert fair und nachhaltig produzierten Berberteppiche verkauften sich gut. Alle anderen Produkte, die wir ins Programm aufnehmen wollten, verschwanden langsam aus unserem Konzept.

Wir müssen garantieren können, dass wir unser Versprechen auch halten. Das ist mit allen Kulturunterschieden und Sprachbarrieren nicht immer einfach. Einmal Deutsch-Französich-Arabisch-Berber und zurück. Und dazu kommt: Ein Grundvertrauen mit den Frauenkooperativen im Atlas Gebirge aufzubauen, kostet Zeit. Unser ursprünglicher Plan steht aber noch. Wir werden nächstes Jahr ein neues #Item einführen. Garantiert nachhaltig, fair und von Frauen produziert. Aber eben nur ein Produkt. Und nicht vier pro Jahr. Heute kennen wir alle Frauen, die für uns arbeiten. Wir kennen ihre Kinder, ihr Zuhause, ihre Sorgen und Nöte. Wir kennen jede Hand, die an unseren Teppichen gearbeitet hat.

Was ich daraus gelernt habe: Keep it Simple ist eine gute Formel. Erst einmal Fuß fassen, das Kerngeschäft nach vorne bringen. Die Marke ausbauen und bekannt machen. Und vor allem für unsere Kunden ein klares Profil bilden. Meinem jüngeren Ich würde ich also raten: „Caro, verzettle Dich nicht. Und konzentriere dich am Anfang auf das Wesentliche.“

Unser Lerneffekt:

Um ein funktionierendes Unternehmen auf die Beine zu stellen, zählt nicht nur die Produktivität und der wirtschaftliche Gewinn. Es geht darum, Mitarbeiter*innen gut zu behandlen, Vorstellungen abzuwängen und gemeinsam am Projekt weiterzuarbeiten – auch, wenns erst mal bedeutet, dass nicht alle Ziele auf einen Schlag umgesetzt werden – und manche Ideen wieder verschwinden.

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